Coronavirus

18. März 2020 21:31; Akt: 18.03.2020 21:51 Print

Ab jetzt unterschreibt der Pöstler für dich

von B. Scherer - Die Post ergreift Massnahmen, um Angestellte und Pöstler besser zu schützen. Laut Gewerkschaft reicht das aber nicht aus.

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Fast alle Geschäfte bleiben wegen des Coronavirus geschlossen. Die Post nicht: Sie muss die Grundversorgung sicherstellen. Das passt der Gewerkschaft der Angestellten nicht: Die Mitarbeitenden seien zu wenig geschützt. Besonders die Pöstler begeben sich bei der Auslieferung von eingeschriebenen Briefen oder Paketen in Gefahr. Deshalb fordert die Gewerkschaft der Angestellten, dass die Zusteller den Kontakt mit den Kunden vermeiden können. Die Post hat auf diese Forderung reagiert: Von jetzt an bitten die Pöstler um Erlaubnis, Einschreiben selber unterschreiben zu dürfen. Rechtlich sei dies haltbar, da eine mündliche Erlaubnis eingeholt wird. Wer selber unterschreiben wolle, könne dies aber weiterhin tun. Dabei müsse einfach ein eigener Stift verwendet werden. Doch auch die Postangestellten haben direkten Kundenkontakt. Deshalb fordert die Gewerkschaft eine vorübergehende Schliessung der Filialen, die keine Scheibe am Schalter haben. Die Post hat mit einer anderen Sofortmassnahme reagiert: Striche am Boden: Ist der Kunde nahe am Schalter, tritt der Postangestellte hinter die Linie und umgekehrt. Auch Plexiglasscheiben am Schalter würden seit Mittwoch nach und nach installiert werden. Bis alle Postschalter in der Schweiz mit Scheiben versehen sind, dauert es aber noch eine Weile. Beim Kundendienst wurden ebenfalls bereits Massnahmen ergriffen: Die Mitarbeitenden der Post müssen nicht mehr jeden Tag ins Büro pendeln. Wer will, kann auch Homeoffice machen. Viele Mitarbeiter des Contact-Center arbeiten mindestens zwei Tage pro Woche von zu Hause aus, wie die Post schreibt. Somit werden bei der Post Kundengespräche statt im Büro in der eigenen Wohnung geführt. Mitarbeitende verpflichten sich, in einem separaten Raum zu arbeiten, wo Dritte weder von aussen noch von innen auf den Bildschirm sehen oder mithören können. In der Vereinbarung ist auch festgehalten, dass man etwa während der Arbeitszeit nicht Kinder hüten darf und es keine Störungen durch Familienmitglieder, Freunde, Nachbarn oder Lärm geben darf. Mindestens einmal in der Woche ist der auch der Homeoffice-Kundendienst im Büro des Post-Standorts. Mit dem Homeoffice-Angebot will die Post sich als attraktiven Arbeitgeber profilieren. (Im Bild: CEO Roberto Cirillo)

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Wenn es unter der Woche am Vormittag an der Tür klingelt, steht meist der Pöstler vor dem Haus. Das ist auch in Zeiten des Coronavirus noch so. Denn obwohl fast alle Geschäfte geschlossen sind, bleibt die Post weiterhin offen. So wird die Grundversorgung aufrechterhalten.

Doch damit riskieren Pöstler jeden Tag eine Ansteckung. Deshalb fordert die Gewerkschaft der Angestellten, dass die Zusteller den Kontakt mit den Kunden vermeiden können. Sei das nicht möglich, ist der Bundesrat gefordert, einen Fristenstillstand zu verfügen. Damit würden eingeschriebene Briefe nicht mehr zugestellt werden, schreibt die Gewerkschaft Syndicom in einer Medienmitteilung.

Um Erlaubnis fragen und selber unterschreiben

Die Forderungen der Gewerkschaft stossen bei der Post auf offene Ohren: Von jetzt an unterschreibt der Pöstler selbst für den Empfang. «In der Praxis klingelt der Pöstler beim Kunden und bittet ihn um Erlaubnis, das Einschreiben oder die Zustellung selber unterschreiben zu dürfen», erklärt ein Mediensprecher. Rechtlich sei dies haltbar, da eine mündliche Erlaubnis eingeholt wird.

Wer selber unterschreiben wolle, könne dies aber weiterhin tun. Dabei müsse einfach ein eigener Stift verwendet werden. «Die Pöstler halten den Scanner, und die Kunden unterschreiben mit dem eigenen Stift, damit allfällige Viren nicht von Kunde zu Kunde und auch nicht auf die Mitarbeitenden der Post übertragen werden.» Jedoch sei darauf hinzuweisen, dass in diesem Fall wohl nicht genug Distanz zwischen Kunde und Pöstler eingehalten werden könne.

Das ist laut Gewerkschaft widersprüchlich: «Der Gesundheitsschutz darf nicht gegen die Grundversorgung ausgespielt werden», sagt Syndicom-Mediensprecher Christian Capacoel zu 20 Minuten. Dass im Zweifelsfall die Gesundheit der Bevölkerung und der Pöstler aufs Spiel gesetzt werde, sei unbegreiflich. Der Bundesrat müsse notwendige Sicherheitsmassnahmen einleiten.

Schalter sollen vorübergehend schliessen

Nicht nur die Pöstler setzen sich der Gefahr einer Ansteckung aus, auch die Mitarbeitenden der Postfilialen seien ungenügend geschützt, wie Syndicom weiter schreibt. «Es haben sich viele besorgte Angestellte bei uns gemeldet und beklagt, dass sie unzureichend geschützt und alleine gelassen werden», so Capacoel.

Deshalb fordert die Gewerkschaft, dass Poststellen, die die Gesundheitsstandards des Bundesamts für Gesundheit nicht erfüllen können, vorübergehend geschlossen werden. Gemeint sind damit Poststellen, die keine Scheiben am Schalter haben.

Linien am Boden und Plexiglas

Die Post hat bereits erste Massnahmen ergriffen: Am Mittwochmorgen waren Poststellen mit offenen Schaltern vorübergehend geschlossen. In dieser Zeit wurden Linien vor und hinter den Schaltern angebracht: Ist der Kunde nahe am Schalter, tritt der Postangestellte hinter die Linie und umgekehrt. «So kann das Social Distancing eingehalten werden», erklärt ein Post-Sprecher.

Auch Plexiglasscheiben würden an offenen Schaltern seit Mittwoch installiert werden. Die Installation der Vorrichtungen hat begonnen und werde nun nach und nach fortgeführt. Die Gewerkschaft zeigt sich verärgert über dieses Vorgehen: «Die Filialen, die nicht genügend ausgerüstet sind, müssen geschlossen werden – ob Plexiglasscheiben ausreichen, ist unsicher», sagt Capacoel von Syndicom. Nur so könnten die Angestellten genügend geschützt werden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Reto K. am 18.03.2020 22:28 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Problem für mich

    Grad heute hat mir ein Pöstler ein Handy geliefert. Ganz freundlich gefragt, ob er unterschreiben dürfe! Habe das selbstverständlich bejaht. Weder er noch ich wissen ja, welchen gesundheitlichen Status das Gegenüber hat. Für mich kein Problem. Bin froh, dass die Leute der Post diesen Service noch bieten!

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  • Anderfront am 18.03.2020 22:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pöstler

    Ich bin selber Paketbote bei der Post und weiss es selber wie 86.Prozent aller anderen auch nicht ob ich Träger des Virus bin! Wir warten aber seit Wochen auf Desinfektionsmittel obwohl es momentan wieder zu kaufen gibt! Also meine Bitte Liebe Kundschaft; Lest ein Buch schaut Filme, Telefoniert, geht auf den Balkon Terasse usw. aber bestellt doch euch jetzt nicht die Finger Wund für so Sinnlose Waren die ihr meistens wieder Zurücksendet! Danke und gute Gesundheit allen da draussen!

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  • Sulj am 18.03.2020 22:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    völlig richtig so

    Das finde ich richtig, denn wie man liest und hört vermutet man ja weitere Infizierte, die es selbst nicht wissen und so den Pöstler noch anstecken, wenn er nicht selber unterschreiben würde. Auch da ist Vorsicht höchstes Gebot.

Die neusten Leser-Kommentare

  • micky am 19.03.2020 08:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    z.B.Kaminfeger

    Hmm was ist den mit den Kaminfegern?? Die haben auch täglich kontakt mit Menschen! Aber die Arbeit müssen sie verrichten,aus sicherheitsgründen!!

  • Farilena@gmx.ch am 19.03.2020 08:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Post soll Personal schützen

    Die Post hinkt hinten nach Massnahmen um das Personal zu schützen wären schon letzte Woche fällig gewesen

  • Gion Gieri am 19.03.2020 08:39 Report Diesen Beitrag melden

    Freimaurer

    Quel oder quells

  • Andi B. am 19.03.2020 08:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Besser so

    Besser so. Bin nie zuhause und muss dan nicht extra noch am nächsten Tag zur Post

  • Armer Arbeiter auf dem Heimweg am 19.03.2020 08:37 Report Diesen Beitrag melden

    Was mich mehr ärgert

    die Jugendlichen die immer noch Fussball spielen auf dem Pausenplatz bei der Schule wie wenn Ferien wäre. Nix begriffen?