Stress für Verkäufer

10. Dezember 2018 21:29; Akt: 10.12.2018 21:29 Print

«Wegen der Prämien machen wir kaum Mittag»

von Dominic Benz - Um den mageren Lohn aufzubessern, müssen Verkäufer auf Prämien hoffen. Das belastet. Leser erzählen von ihren Erfahrungen.

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Verkäufer müssen oft auf Provision arbeiten und stehen unter hohem Verkaufsdruck. Wer also nichts verkauft, kriegt keine Prämie, sondern nur ein tiefes Grundsalär. So bleibt stets ungewiss, wie viel Lohn am Ende des Monats aufs Konto fliesst.

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Laut Arbeitgeber sollen Prämienlöhne das Verkaufspersonal anspornen, einen besseren Job zu machen. «Ein Leistungslohnsystem fördert gute Leistungen und honoriert diese entsprechend», sagt etwa Interdiscount. Die Gewerkschaften verurteilen solche Lohnsysteme: «Prämienlöhne sind für die Verkäufer ein grosser Stress», so die Unia.

Doch was halten die Verkäufer selbst von diesen Leistungslöhnen? Leser von 20 Minuten berichten:

«Wir versuchen, Kunden Produkte anzudrehen»

Bereich: Elektronik
Leser Paul* (42): «Ich kriege monatlich 4400 Franken. Je nach Filialgrösse sind davon 1200 bis 1800 Franken Grundlohn, der Rest sind garantierte Prämien. Erreicht der einzelne Mitarbeiter seine Umsatzvorgaben nicht, drohen Lohnkürzungen. Auf Provision zu arbeiten, ist ein immenser Druck. Wir machen kaum Mittag und sonstige Pausen, weil man keine Kunden und Prämien verpassen will. Man hat immer Angst, dass der Arbeitskollege einem einen Kunden wegschnappt. Das ist nicht förderlich fürs Team. Wir versuchen den Kunden viele Produkte anzudrehen, weil es dafür eine gute Provision gibt.»

«Von Prämienlöhnen profitieren auch die Kunden»

Bereich: Telecom
Leserin Sereina* (21): «Mein Grundlohn liegt bei 3800 Franken. Wenn man nichts verkauft, kriegt man nur das. Im Schnitt verdiene ich mit Prämien um die 4500 Franken. In guten Monaten sind sogar 6000 Franken drin. Ich finde solche Prämienlöhne gut und will kein fixes Salär – auch wenn der Lohn von Monat zu Monat variiert. Ausserdem macht unser Chef uns keinen Druck. Wegen der Prämien sind die Mitarbeiter motivierter, etwas zu verkaufen. Davon profitieren letztlich auch die Kunden.»

«Dieser Verkaufsstress ist unmenschlich»

Bereich: Küchen und Bäder
Leser Erich* (59): «Bei uns gibt es einfach einen Grundlohn von 2800 Franken im Monat. Alles darüber muss man sich selbst mit Prämien dazuverdienen. Wenn aber nichts läuft im Laden, steigt der Druck, überhaupt etwas verkaufen zu können. Sonst hat man diesen himmeltraurigen Lohn. Dieser Verkaufsstress ist schon fast unmenschlich. Das hat sich mit der Online-Konkurrenz und der Wirtschaftsflaute verstärkt. Provisionen sind einfach nicht mehr zeitgemäss. Hätte ich einen Fixlohn, könnte ich wieder ein normales Leben führen und hätte mehr Lebensqualität.»

«Ich gehe für Provisionen krank arbeiten»

Bereich: Möbel
Leserin Franziska* (52): «Ich verdiene 3800 Franken. Das reicht kaum zum Leben. Darum bin ich auf die Prämien angewiesen. Auf alles, was wir verkaufen, erhalten wir 1 Prozent Prämie. Ich gehe auch krank arbeiten, damit ich Provisionen einstreichen kann. Weil der Lohn schwankt, habe ich jeden Monat Angst, dass ich meine Rechnungen nicht zahlen kann. Der Verkaufsdruck ist daher brutal. Zu 99 Prozent schwatzen wir den Kunden irgendetwas auf, damit wir mehr verdienen können und nicht auf diesem miesen Lohn sitzen bleiben. Ein Fixlohn wäre für alle viel besser.»

*Name der Redaktion bekannt

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • CEO am 10.12.2018 21:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sklaven

    Und ratet mal, wer sich am Ende des Monats in Wirklichkeit bereichert hat? Genau, die Geschäftsleitung, die ihre Mitarbeiter subtil versklavt.

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  • W.Kern am 10.12.2018 21:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Generalstreik

    Arbeiten lohnt sich so nicht mehr. Es sollte einen Generalstreik geben, damit Wirtschaft und Politik einsehen, dass es so nicht weiter gehen kann.

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  • Luigi Petrolium am 10.12.2018 21:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fust Inder Faust

    Das macht für Verkäufer Schlaflose Nächte,ein Schmutziges Geschäft,

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Die neusten Leser-Kommentare

  • R.B am 11.12.2018 19:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Katastrope

    Ich habe es satt bei solche Prämien basierende Geschäften überhaupt noch einzukaufen.In der heutigen zeit ist es kaum zu glauben dass viele Mitarbeiter dieser Geschäfte zum teil überhaupt keine Ahnung haben was sie verkaufen.Zum grössten teil junge Lehrlinge ohne führungspersonal im laden arbeiten.Wenn ich an einer Kamera intressiert bin und frage was die kann?Schauen sie auf die verpackung was ich selber machen könnte.Da muss schon mehr interesse sein damit der kunde sie kauft.Deshalb informiere ich mich im internet youtube etc.und kaufe sie ohne beratung.

    • BSN am 11.12.2018 19:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @R.B

      Sie würden sich ja sowieso nur vor Ort beraten lassen und dann im Internet kaufen.

    • ElDiscounter am 11.12.2018 22:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @R.B

      Es ist auch ein Discounter.... Lieber etwas tiefer in die Hosentasche greifen und in ein Fachgeschäft gehen, anstatt zu motzen....

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  • My Opinion am 11.12.2018 19:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gut wäre wenn...

    ... der Bonus maximal 10% vom Fix-Lohn ausmacht. Es sollte ein Anreiz sein, aber kein massiver Druck.

  • G. Rins am 11.12.2018 17:53 Report Diesen Beitrag melden

    Genau

    "«Ein Leistungslohnsystem fördert gute Leistungen und honoriert diese entsprechend», sagt etwa Interdiscount." Im Interdiscount wird man als Kunde sofort von Verkäufern bedrängt. Ekelhaft. Da kaufe ich lieber ohne 'Beratung' Online....

    • Gaggiloch am 11.12.2018 18:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @G. Rins

      Wurde noch nie bedrängt. Sie bieten ihre Hilfe an und wenn man nicht will, gehen sie.

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  • BSN am 11.12.2018 17:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Problem Internet

    Heute muss ein guter Verkäufer/Berater es schaffen, den Kunden zu überzeugen damit er sich nicht nur beraten lässt um danach online zu kaufen - da dies nicht jeder schafft sind Provisionen das einzige Instrument damit es den Mitarbeitern nicht egal ist wo der Kunde kauft

  • BSN am 11.12.2018 17:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aenderung des Lohnsystems

    Provisionen sind sinnvoll - kann ich als ehemaliger Verkäufer und Verkaufsleiter sagen. Allerdings sollte es üblich werden, jeweils etwa 80% des Vorjahreslohnes als Garantielohn zu geben um nicht persönlich verschuldete Schwankungen aufzufangen.