Erdbeben in Japan

05. April 2011 03:00; Akt: 05.04.2011 03:34 Print

Preis-Schock für Handys und Computer droht

von Elisabeth Rizzi - Handys, PCs und andere Elektronikgeräte könnten in der Schweiz bald teurer werden. Denn die Produktion von Chips in Japan ist wegen der Erdbebenfolgen stark eingeschränkt.

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Nach dem Erdbeben, dem Tsunami und der Nuklearkatastrophe gehen in Japan (auf dem Bild Tokio) die Lichter aus und die Produktionen stehen still. (Bild: Keystone)

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Das Erdbeben in Japan hat nicht nur Produktionsstopps in der Autobranche zur Folge. Gegenwärtig verschärfen sich die Konsequenzen der Nuklearkatastrophe auf Produzenten und Händler von Elektronikgeräten. Bei Acer gibt man etwa offiziell einen Einfluss auf die Logistik wegen den begrenzten Transport- und Stromkapazitäten zu.

Und eine heute publizierte Umfrage des deutschen Hightech-Verbands Bitkom zeigt: «Die Nachwirkungen des Bebens, des Tsunamis und des Reaktor-Unglücks wirken sich immer stärker auf die weltweite Lieferkette im Hightech-Sektor aus», so Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer. Neben Endgeräten werden in Japan wichtige Vorprodukte, Bauteile oder Komponenten für die Hightech-Industrie wie Wafer, Chips oder Sensoren gefertigt.

Laut der Bitkom-Umfrage registrieren 17 Prozent der Hersteller und Händler in Deutschland aktuell Lieferengpässe bei Geräten, Komponenten oder Bauteilen. 19 Prozent erwarten Einschränkungen in den kommenden Wochen und 29 Prozent in den kommenden Monaten. Nur ein Fünftel erwartet keinerlei Auswirkungen.

Dramatische Konsequenzen

Für die Schweiz sind die Perspektiven nicht besser. Peter Weinstock, CEO des Chipimports Alpha Advanced Technology in Bergdietikon, bezieht 60 Prozent seiner Chips in Japan und kennt die Branche. Die Speicherbausteine werden für PCs, Laptops, Smartphones, Elektroniksteuerungen und Geräte benötigt.

Derzeit würden aber die drei grossen Hersteller für so genannte «Raw Silicon Wafers» nur 75 Prozent des normalen Outputs liefern, weiss er. Das habe dramatische Konsequenzen auf die Produktion der Endgeräte. «Denn diese Firmen beliefern rund 60 Prozent der Chip-Hersteller in Japan», sagt Weinstock. Gesamthaft sei die Chip-Produktion in Japan gegenwärtig auf die Hälfte reduziert. Problematisch seien nicht nur die Stromausfälle und die behinderte Logistik. Hinzu komme eine Verknappung von Gas, das für die Produktion von Chips nötig sei.

Lieferengpass erwartet

Doch damit nicht genug: Die Elektronikbranche könnte zusätzlich von ihrer Vergangenheit eingeholt werden. «Wegen der weltweiten Rezession haben die Hersteller in der Finanzkrise ihre Fabriken stillgelegt und die Arbeiter nachhause geschickt. Als Anfangs 2010 die Konjunktur wieder ansprang, sind darum bei vielen Herstellern die Lieferfristen und Preise bereits stark gestiegen», weiss Weinstock. Nach einer kurzen Beruhigung Anfang 2011 würde die aktuelle Verknappung die Situation nun wieder verschärfen. Laut dem Experten haben einige Hersteller noch Lagerbestände, die bis Juli reichen: «Danach sind weitere Engpässe und Preiserhöhungen zu erwarten.»

Entsprechend stellen sich die Händler auf eine Verknappung ein. Interdiscount-Sprecherin Andrea Bergmann sagt etwa: «Sollte es zu einer Warenverknappung kommen, besteht durchaus die Möglichkeit, dass die Preise in einzelnen Bereichen steigen.» Und Brack-Sprecher Daniel Rei rechnet fest mit einem Preisanstieg, sagt aber: «Das hat nicht nur mit Japan zu tun. Allgemein steigen die Lieferkosten, Lohnkosten und die Preise für Öl und sonstige Rohstoffe.»

In Deutschland beobachten gemäss der Bitkom-Umfrage bereits 21 Prozent der Hersteller und Händler beobachten Preissteigerungen bei Produkten, Komponenten oder Bauteilen. Ebenso viele rechnen mit Preissteigerungen in den kommenden Wochen, 17 Prozent in den kommenden Monaten.