«Schweizer abzocken»

13. Juli 2014 10:10; Akt: 14.07.2014 02:51 Print

Preisüberwacher greift Pharmabranche an

Der Bundesrat gehe viel zu wenig energisch gegen überteuerte Medikamente vor, findet der oberste Schweizer Preisüberwacher. Tiefere Preise könne die Pharmabranche gut verkraften.

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«Die Pharmabranche muss akzeptieren, dass es kein nachhaltiges Geschäftsmodell ist, Schweizer abzuzocken»: Preisüberwacher Stefan Meierhans. (Bild: Keystone/Lukas Lehmann)

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Der Schweizer Preisüberwacher Stefan Meierhans sieht bei den Medikamentenpreisen noch Spielraum – nach unten. Die Pharmabranche müsse akzeptieren, «dass es kein nachhaltiges Geschäftsmodell ist, Schweizer abzuzocken». Er schliesst auch Bundesrat Alain Berset in seine Kritik ein.

Der Gesundheitsminister gehe «längst nicht energisch genug» gegen die hohen Preise vor, sagte Meierhans in einem Interview mit der «SonntagsZeitung»: «Es gibt keinen Grund, weshalb wir bei den umsatzstärksten Generika bis zu fünfmal mehr zahlen als die Holländer.»

Der oberste Preisüberwacher zieht dabei eine Parallele zum Schweizer Finanzplatz: Genauso wie dieser müsse sich auch die Pharmabranche neuen Gegebenheiten anpassen. Er fordert daher, dass «sämtliche Geschenke» an die Firmen gestrichen werden, «damit die Krankenkassen nicht weiterhin jedes Jahr Millionen zu viel vergüten müssen». Der Innovationszuschlag etwa gehöre gestrichen – dafür gebe es schliesslich die Patentierung.

Quasi Führerschein auf Probe

Weiter will Meierhans bei der Toleranzmarge ansetzen, vergleichbare Staaten in den Länderkorb aufnehmen und die Spezialitätenliste besser bewirtschaften. Auf dieser wird festgelegt, welche Medikamente vergütet werden. «Ich fordere hier quasi den Führerschein auf Probe für Medikamente.» Neue Präparate sollen demnach nur provisorisch für drei Jahre auf die Liste. In dieser Zeit müssten sie sich bezüglich Wirtschaftlichkeit und Wirksamkeit bewähren.

Den Pharmafirmen würden es nicht das Genick brechen, «wenn die Preise aufs europäische Niveau sinken», ist Meierhans überzeugt. Schliesslich würden sie nur wenige Prozente ihres Weltumsatzes in der Schweiz generieren.

(sda)