Test-Trinken

17. Juli 2014 11:01; Akt: 17.07.2014 12:24 Print

Premium-Bier – alles nur Schaumschlägerei?

«Entdecken Sie den völlig neuen Biergenuss!» So vollmundig propagieren Hersteller ihre neuen Premium-Biere. Doch nicht einmal der Experte erkennt einen geschmacklichen Unterschied.

Die zufällig ausgewählten Testpersonen kommen nicht in Bier-Laune: Kaum eine schmeckt aus den Billigbieren den teuren Gerstensaft heraus. (Video: Ruben Assenberg/Lorenz von Meiss/Brigitte Büchel)
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418 steuerpflichtige Brauereien kämpfen in der Schweiz um Marktanteile. Neu buhlen die Produzenten mit dem Begriff «Premium» um qualitätsbewusste Kunden. Aber ist der höhere Preis auch gerechtfertigt? Nicht, wenn eine spontane Degustation von 20 Minuten mit Passanten als Massstab gilt: Kaum einer schmeckte den kostspieligeren Gerstensaft aus Billigbieren heraus.

20 Minuten setzte auch Mischa Gubler, dem Bierexperten der Brauerei Amboss Bier, fünf neutral beschriftete Biergläser vor – er fand das einzige Premium-Bier unter den Billigbieren nicht. «Das muss daran liegen, dass es sich um ein grossindustrielles, in grossen Mengen produziertes Bier handelt und nicht um eines einer kleineren Spezial-Brauerei.» Den Unterschied würde er ansonsten an der Kohlensäurebeschaffenheit merken.

Aber auch in der Geschmacksnote ist das Verdikt des Amboss-Brauers vernichtend: «Das Premium-Bier schmeckt für mich nicht anders als andere 08/15-Biere.» Damit geht es dem Profi-Biertrinker nicht anders als den meisten Befragten: Kaum einer der zufällig ausgewählten Bier-Tester in Zürich konnte aus drei Bechern Bier das teuerste herausschmecken.

Viel Schaum um nichts?

Fairnesshalber sei angemerkt: Das Bierdegustieren will gelernt sein. Da sich die Rezeptoren im Mund nicht so schnell neutralisieren lassen, kann der Nachgeschmack des ersten Schlucks den zweiten beeinträchtigen. Dennoch: Warum mehr bezahlen, wenn man den Mehrwert nicht schmeckt?

Feldschlösschen hat mit seinem «Premium» eine neue Marke lanciert, 18 Prozent teurer als das herkömmliche «Feldi». Für Mediensprecherin Gaby Gerber liegt das schlechte Abschneiden von Premium-Bier in dieser Umfrage nicht nur an der Qualität des Biers, sondern auch an der Qualität der Biertester: «Man muss schon etwas davon verstehen, um die verschiedenen Aromen herauszuspüren.»

Doch selbst der Laie müsste das «sehr harmonische Aroma ohne bitteren Nachgeschmack» des Feldschlösschen Premium erkennen, findet Gerber. Die grösste Schweizer Brauerei setzt für ihr bestes Bier auf modernste Brautechnologie und hat ihr Lagerverfahren modifiziert. Da pro Kopf in der Schweiz jährlich über 65 Liter Liter getrunken werden, der traditionelle Biermarkt aber kein Wachstum verzeichnet, ist die Nische der sogenannten obergärigen Biere hart umkämpft. Der Begriff «Premium» ist dabei übrigens nicht geschützt.

(ros)