Klimaschutz

23. März 2019 06:45; Akt: 23.03.2019 06:45 Print

Pro Flugzeug kompensiert nur ein Passagier CO2

von R. Knecht - Obwohl immer mehr Schweizer ihre CO2-Emissionen kompensieren, tut das derzeit gerade mal ein Passagier pro Flugzeug. Grund: Es ist zu mühsam.

Das sind die vier Gründe, warum Schweizer auch heute noch kaum CO2 kompensieren. (Video: 20M)
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Die Möglichkeit, den CO2-Ausstoss beim Fliegen zu kompensieren, nutzen nur ganz wenige Schweizer. Zwar wurde 2018 so viel CO2 kompensiert wie noch nie – laut der Stiftung Myclimate sind es 13'000 Tonnen und damit 70 Prozent mehr als im Vorjahr. Wie Myclimate-Sprecher Kai Landwehr aber zu SRF sagt, wird immer noch nur rund ein Prozent aller Schweizer Flüge kompensiert. Das ist knapp ein Passagier pro Flugzeug.

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Laut Adrian Brügger, Umweltpsychologe und Dozent für nachhaltiges Verhalten an der Universität Bern, liegt das aber nicht daran, dass Passagiere zu geizig wären, mehr für den Flug zu bezahlen. Aktuelle Befragungen hätten gezeigt, dass Konsumenten durchaus bereit wären, für die CO2-Kompensation zu bezahlen. «Die niedrigen Zahlen liegen wohl kaum an den Mehrkosten, sondern eher daran, dass der Prozess mühsam ist», sagt Brügger zu 20 Minuten.

Airlines bieten keine Optionen

Die wenigsten Airlines bieten die Möglichkeit, die Kompensation direkt beim Buchen zu erledigen. «Stattdessen muss man nach dem Ticketkauf eine entsprechende Website suchen und nochmals die Reise sowie die Kreditkartendetails angeben», sagt der Psychologe.

Bei den Airlines tut sich in dieser Hinsicht was: Die Swiss etwa hat kürzlich angekündigt, dass sie die Option zur CO2-Kompensation künftig in den Buchungsprozess einbinden will. So soll es für Passagiere einfacher werden, die Emissionen zu kompensieren.

Reisende kennen CO2-Kompensation gar nicht

Dazu kommt, dass die CO2-Kompensation vielen Konsumenten gar nicht geläufig ist, wie Landwehr von Myclimate zu 20 Minuten sagt. Er glaubt, dass sich das ändern dürfte, wenn die freiwillige Kompensation künftig fester Bestandteil des Buchungsprozesses sein wird, wie es die Swiss verspricht.

«Überall dort, wo die Kompensation transparent und einfach in den Prozess aufgenommen wurde, funktioniert sie sehr gut», erklärt Landwehr. Als Beispiel nennt er Übernachtungen in Schweizer Jugendherbergen, wo über 60 Prozent der Gäste die klimaneutrale Option wählen. Und mehr als 30 Prozent der Nutzer würden bei Mobility klimaneutral fahren.

Umweltbewusste fliegen lieber gar nicht

Die tiefen Kompensationsraten dürften aber auch daran liegen, dass umweltbewusste Personen generell weniger fliegen. Die meisten Emissionen werden von Personen verursacht, denen das Klima sowieso weniger wichtig ist.

«Der SUV-Fahrer, der jeden Monat das Shopping- und Partywochenende per Flieger in Berlin, London oder Barcelona plant, ist nicht der, der dann auch kompensiert», sagt Landwehr. Im Gegensatz dazu würde jemand, der sowieso versucht, Flüge zu vermeiden, ziemlich sicher kompensieren.

Vorwurf: Ablasshandel

Eine Hürde für die CO2-Kompensation ist laut Myclimate zudem, dass sie oft als Ablasshandel angesehen wird. Die Behauptung: Die Abgabe diene einfach dazu, das schlechte Gewissen zu besänftigen, habe aber sonst keine Wirkung. Das säe Zweifel bei vielen Leuten, die eigentlich gern einen Beitrag leisten würden, so Landwehr.

Laut Psychologe Brügger fehlt Konsumenten das Vertrauen in die Methode: «Es ist nicht ganz klar, was bei der Kompensation passiert, und einige haben vielleicht das Gefühl, dass da Firmen dahinterstecken, die einfach Geld machen möchten.»

Der Myclimate-Sprecher sagt dazu: «Die Kompensation ist nichts anderes als eine Verursachergebühr, wie sie in der Schweiz etwa beim Hauskehricht seit Jahrzehnten mit grossem Erfolg praktiziert wird.» Gegen die Kehrichtgebühr habe es anfangs auch Widerstände gegeben. «Mit Ablasshandel hat das nichts zu tun», betont Landwehr.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Eric am 23.03.2019 07:09 Report Diesen Beitrag melden

    Schön reden

    Klar ist es ein Ablasshandel. Der Vergleich mit dem Kehricht klemmt total. Was geschieht denn konkret mit dem Geld aus dieser Kompensation? Diese Aussage findet nicht statt. Es ist und bleibt ein Ablasshandel, von dem ein paar sehr gut leben. Dazu gibt es auch gute und prominente Namen aus der internationalen Klimaretter-Szene.

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  • Stef Le Chef am 23.03.2019 07:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unglaubwürdig

    Solange die Klimaretter m8t Privatjets an Klimakonferenzen fliegen, solange werde ich sicher nicht anfangen CO2 Zertifikate zu kaufen.

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  • Karin Späth am 23.03.2019 07:05 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Witz

    Im Klartext ala Schweiz: Kompensation gleich teuerer....

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Heinz Goldberg am 26.03.2019 09:01 Report Diesen Beitrag melden

    CO², was ist das?

    Ich überlasse die Kompensation meines CO² Gretchen Thunfisch. Aktuell habe ich einen Fussabdruck von 4.5 Erden, dass ist okay für mich und wenns stört, soll halt zusätzliches CO² kompensieren oder Zertifikate kaufen. Danke an all diejenigen, welche mir das Leben versauen wollen.

  • Armin am 25.03.2019 12:51 Report Diesen Beitrag melden

    @ kein Gramm CO2 wird direkt gespart.

    "Kompensieren" ist blosser Ausdruck von scheinheiliger Heuchelei. Man "bezahlt" und ist damit befreit, wie die Superreichen, die nicht ins Gefängnis gehen, sondern sich jeweils freikaufe oder früher, Straftäter, welche sich bei der Kirche doch noch das Plätzchen im Paradies erworben haben. Eben: Alles nur Heuchler. Denn auch bei den Klimaheuchlern wird dadurch kein einziges Gramm an CO2 direkt kompensiert, wenn sie für ihre Verschwendung einfach irgendwo ein bisschen bezahlen.... Witzfiguren.

    • Jack Bauer am 25.03.2019 18:53 Report Diesen Beitrag melden

      Genau

      Genau,Hauptsche auf der Great-Welle mitreiten.Das ist ja jetzt în Mode.

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  • karl am 24.03.2019 23:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gehts noch?!

    Da soll man Zeit und Geld investieren und weiss nicht was mit der Spende passiert? Da verzichte ich lieber auf Palmöl, die nicht gerodeten Bäume können dann das CO2 aus der Luft filtern...

  • Muh am 24.03.2019 22:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Co2... ein Giftgas

    Man hört endlich mit dem Käse auf, Co2 ist kein Giftgas und es trägt praktisch nix zur Erwärmung bei. Ohne Co2 gäbe es kein Leben auf diesem Planeten. Ihr wollt alle das die Planzen keine Luft mehr bekommen und verenden, hat eh nur 0,038% in der Luft. Wenn es so wenig Sauerstoffanteile hätte, würdet ihr blau anlaufen. Und vom Mensch werden ganze 4% beigetragen, die restlichen 96% kommen von der Natur selbst.

    • user79 am 28.03.2019 13:09 Report Diesen Beitrag melden

      Co2 beitrag

      Die Natur war aber im Gleichgewicht. Das ist wie mit einer Waagschale, 4% unterschied reichen aus, um eine Seite runter zu reisen. :)

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  • Banki am 24.03.2019 21:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bitcoinrechner sind Energiefresser

    Bitcoin-Server sind enorm grosse Energiefresser. Mal ausgerechnet wie die Co2-Bilanz der Bitcoins ist. Die Server dafür laufen rund um die Uhr um die Algorithmen zu verschlüsseln.