Lücken im Regal

10. Januar 2019 11:11; Akt: 10.01.2019 11:14 Print

Profitieren Konsumenten von Coops Mars-Boykott?

von R. Knecht - M&M's, Uncle Ben's, Whiskas: Viele Produkte des Mars-Konzerns fehlen zurzeit im Coop. So reagieren die Leser darauf.

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Coop ringt mit dem Mars-Konzern um Einkaufspreise. Das Resultat: Zahlreiche Artikel wurden aus dem Regal verbannt. Was sagen die Leser dazu? Für Agecore, dessen gesamter Umsatz jährlich rund 140 Milliarden Franken beträgt, dürfte ein knappes Prozent von Bedeutung sein. «Detailhändler müssen aufgrund der sehr tiefen Margen extrem auf die Kosten achten», sagt Michael Stadler, Strategie-Dozent an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) zu 20 Minuten. Auf die Frage von 20 Minuten, ob Coop marginale Preissenkungen bei Handelspartnern an die Konsumenten weitergebe, wollte das Unternehmen nicht antworten. Laut Stadler von der ZHAW handelt es sich bei den Streitigkeiten in erster Linie um einen Machtkampf zwischen Herstellern und Detailhändlern: «Kunden und Rohstoffproduzenten profitieren davon praktisch nicht.» Der Verdacht liegt laut Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS), nahe, dass es für Coop eine gut orchestrierte PR-Aktion war, die Produkte demonstrativ aus den Regalen zu nehmen: «Ein weiteres Mal macht Coop etwas Lärm und will sich als Kämpfer für tiefere Preise darstellen.» Tatsächlich gehört Coop laut einem Vergleich des «K-Tipp» zu den teuersten Detaillisten. Wer unbedingt die Mars-Marken will, kann zu einem anderen Händler gehen. Das dürften Konsumenten, die sehr ritualisiert einkaufen, auch tun, sagt Stadler von der ZHAW: «Wer seit Jahren das gleiche Whiskas-Futter kauft, kauft es sich während dieser Zeit halt woanders.» Die meisten Konsumenten dürften aber wegen des Bestellstopps kaum zu anderen Händlern gehen, sind sich Experten einig. Tatsächlich sind die Bruttomargen der Schweizer Detailhändler im Europavergleich sehr hoch. «Aber es ist nicht so, dass sich Coop mit den Schweizer Margen ein goldenes Näschen verdient», sagt Stadler. Schliesslich seien etwa die Löhne hierzulande ebenfalls höher. Würde Coop Preisvorteile weitergeben, würde woanders Geld fehlen. Erst als Sugus während Verhandlungen mit Mars aus dem Regal verschwindet, wird manchen Konsumenten bewusst, dass die Schweizer Traditionsmarke dem US-Grosskonzern gehört. Bereits seit 1990 gehört das Schweizer Unternehmen Suchard, das Sugus einführte, amerikanischen Firmen. Im Jahr 2008 kaufte Mars für rund 23 Milliarden Dollar den Kaugummihersteller Wm. Wrigley Jr., der zuvor die Marke Sugus von Kraft Foods erworben hatte. Ironisch: Im Weltraum gibt es M&M's – im Coop nicht mehr. Tatsächlich sind die Süssigkeiten Teil des Menüs auf der International Space Station und waren seit 1981 an Bord jedes Spaceshuttles. Unter den derzeit nicht erhältlichen Produkten sind Frühstücksflocken von Kellogg's, ... ... M&M's, ... ... Katzenfutter von Whiskas, ... .. und Reis von Uncle Ben's. Gemäss der deutschen «Lebensmittel Zeitung» sind 56 Mars-Artikel betroffen. Coop-Sprecher Meier wollte dazu nichts sagen. Fakt ist: Der Preisstreit mit Mars geht noch länger so weiter. Und wohl auch die Verhandlungen mit anderen Lieferanten. Auch bei Sugus klafft eine Lücke. Die Marke gehört zu Mars Schweiz. Bei internationalen Anbietern verhandelt Coop die Einkaufskonditionen im Rahmen einer Kooperation mit anderen Detailhändlern.

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Bei Coop gibt es derzeit Lücken im Regal. Grund dafür sind stockende Verhandlungen mit dem Mars-Konzern: Coop will vom Zulieferer tiefere Einkaufspreise. Das Einkaufsbündnis Agecore, zu dem auch Coop gehört, fordert vom US-Konzern eine Verbesserung der Konditionen von bis zu 0,8 Prozent auf den gesamten Jahresumsatz.

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«Geh ich halt zur Migros», «Von den Verhandlungen hat der Konsument eh nichts» und «Das ist nur eine PR-Aktion»: Das sagen die Leser zur Situation.

«Was sind schon 0,8 Prozent?»


Klar, auf ein Päckchen Sugus machen 0,8 Prozent kaum etwas aus. Doch für Agecore, dessen gesamter Umsatz jährlich rund 140 Milliarden Franken beträgt, dürfte ein knappes Prozent von Bedeutung sein. «Detailhändler müssen aufgrund der sehr tiefen Margen extrem auf die Kosten achten», sagt Michael Stadler, Strategie-Dozent an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) zu 20 Minuten. Die Margen im Detailhandel seien im Vergleich zu anderen Märkten extrem dünn. Für Coop dürfte es also einen grossen Unterschied machen, ob er Mars 0,8 Prozent weniger bezahlen muss oder nicht.

«Es geht nicht um Kundenpreise»


Verhandelt Coop nur im eigenen Interesse? Auf die Frage von 20 Minuten, ob Coop marginale Preissenkungen bei Handelspartnern an die Konsumenten weitergebe, wollte das Unternehmen nicht antworten. Laut Stadler von der ZHAW handelt es sich bei den Streitigkeiten in erster Linie um einen Machtkampf zwischen Herstellern und Detailhändlern: «Kunden und Rohstoffproduzenten profitieren davon praktisch nicht.» Immerhin hat Coop in der Vergangenheit nach einem Bestellstopp Aktionen bei den betroffenen Produkten angekündigt. Zu überprüfen, inwiefern diese Rabatte bessere Preise an die Kunden weitergeben, sei aber sehr schwierig, meint Stadler.

«Das ist nur eine PR-Aktion»


Der Schweizer Detaillist bäumt sich gegen den grossen US-Konzern auf – ein Bild, das vielen Konsumenten sympathisch sein dürfte. Doch Konsumentenschützer stimmen den skeptischen Lesern zu: Der Verdacht liegt laut Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz, nahe, dass es für Coop eine gut orchestrierte PR-Aktion war, die Produkte demonstrativ aus den Regalen zu nehmen: «Ein weiteres Mal macht Coop etwas Lärm und will sich als Kämpfer für tiefere Preise darstellen.» Tatsächlich gehört Coop zu den teuersten Detaillisten. In einem Vergleich des «K-Tipp» kostete der gleiche Warenkorb im Coop 82.53 Franken, in der Migros 79.56 Franken und im Denner 66.69 Franken. Besonders günstig sind Aldi (59.06 Franken) und Lidl (61.15 Franken).

«Es gibt ja genug Alternativen»


Muss es denn unbedingt Uncle Ben's sein? Es gibt ja genug andere Reismarken. Und wer unbedingt die Mars-Marken will, kann zu einem anderen Händler gehen. Das dürften Konsumenten, die sehr ritualisiert einkaufen, auch tun, sagt Stadler von der ZHAW: «Wer seit Jahren das gleiche Whiskas-Futter kauft, kauft es sich während dieser Zeit halt woanders.» Die meisten Konsumenten dürften aber wegen des Bestellstopps kaum zu anderen Händlern gehen, sind sich Experten einig. «Coop wird deswegen nicht viel Umsatz verlieren», sagt Thomas Brunner, Professor für Konsumentenverhalten an der Berner Fachhochschule, zu 20 Minuten. Wer es gewöhnt sei, in den Coop zu gehen, werde das wahrscheinlich weiterhin tun und etwa auf andere Reissorten ausweichen.

«Die Retailer sind selber schuld»


Tatsächlich sind die Bruttomargen der Schweizer Detailhändler im Europavergleich sehr hoch. Das betrifft aber nur die Differenz zwischen Ein- und Verkaufspreis. «Es ist nicht so, dass sich Coop mit den Schweizer Margen ein goldenes Näschen verdient», sagt Stadler. Schliesslich seien etwa die Löhne hierzulande ebenfalls höher. Würde Coop Preisvorteile weitergeben, würde woanders Geld fehlen. Dann müsste man das etwa bei den Personalkosten oder anderswo kompensieren.

«Sugus gehört zu Mars?»


Erst als Sugus während Verhandlungen mit Mars aus dem Regal verschwindet, wird manchen Konsumenten bewusst, dass die Schweizer Traditionsmarke dem US-Grosskonzern gehört. Bereits seit 1990 gehört das Schweizer Unternehmen Suchard, das Sugus einführte, amerikanischen Firmen. Im Jahr 2008 kaufte Mars für rund 23 Milliarden Dollar den Kaugummihersteller Wm. Wrigley Jr., der zuvor die Marke Sugus von Kraft Foods erworben hatte. Hergestellt werden die Kaubonbons übrigens schon seit den frühen 90er-Jahren in Frankreich.

«Selbst Astronauten kriegen M&M's»


Ironisch: Im Weltraum gibt es M&M's – im Coop nicht mehr. Tatsächlich sind die Süssigkeiten Teil des Menüs auf der International Space Station und waren seit 1981 an Bord jedes Spaceshuttles. Wessen Idee es war, M&M's ins All zu schicken, kann die Nasa derzeit aber nicht sagen. Grund dafür ist der Shutdown der US-Regierung, der allen Nasa-Mediensprechern Zwangsurlaub auferlegt hat.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marc am 10.01.2019 11:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Discounter

    lol glaubt da wirklich jemand, dass die Artikel für den Kunden nachher günstiger sind? Sowas von gar nicht. Es geht Coop um die Marge.. wer günster einkaufen möchte kann dies im Denner oder Aldi

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  • Beat am 10.01.2019 11:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    überprüfen

    lch bin ein Coop-Kind, werde nachher überprüfen. ob die Preise angepasst wurden. Wenn nicht, werde ich Coop den Rücken kehren.

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  • Jan am 10.01.2019 11:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer

    Gehe eigentlich immer im Coop einkaufen aber nach ein paar Gesprächen mit langjährigen Mitarbeitern und den Sonntagsverkäufen etc gehe ich jetzt prinzipiell nur noch in den Denner! Boykottiere jetzt Coop auch wenn es als Einzelperson nichts bringt. Wir müssen entlich aufhören uns von so grossen Konzernen auf der Nase herum tanzen zu lassen

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Die neusten Leser-Kommentare

  • K. Bill am 11.01.2019 22:47 Report Diesen Beitrag melden

    Ein M besser

    Also Coop ist mir nicht sympathisch. Hat viele Markenartikel, die man bei der Konkurrenz günstiger bekommt. Eigenmarken schmecken nicht und sind eh zu teuer. Mogros ist mir am liebsten. Viele schweizer Produkte und die schmecken auch sehr gut. Die Markenartikel kann man ja bei den Discountern kaufen.

  • Killi am 11.01.2019 22:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Essen

    Ganz einfach. Wenn ich das Produkt haben möchte bezahle ich gerne auch mehr. Coop hat aus meiner Sicht somit gerade 1 Kunden mehr dazu gebracht bei der Konkurenz das zu kaufen was sie nicht mehr haben

  • Bäcker am 11.01.2019 20:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kurz mal Rechnen..

    Coop machte 2017 einen Umsatz von 29.2 mrd. mit diesem Umsatz haben Sie einen Gewinn von 485 mio. ausgewiesen das ergibt eine Gewinnspanne von 1.66 Prozent. Das heisst an 100.- Fr. Umsatz verdienen Sie 1.66 Fr. Da verstehe ich das Sie um jeden Rappen streiten, ich könnte mit so einer Gewinnspanne keine Weggli mehr Backen.

    • Sinnlos am 11.01.2019 20:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Bäcker

      Du bist kein Bäcker. Maximal ein Brot. Zahlt Coop die ganzen Millioneninvestitionen ( Logistikzentrum usw.) vor der Steuer oder vom Gewinn?

    • max62 am 11.01.2019 20:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Bäcker

      Die Kosten für das Logistikzentrum in Schafisheim belaufen sich auf 600 Mio. CHF. Reicht das zum nachdenken?

    • Keine Ahnung am 11.01.2019 20:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Bäcker

      Also ich denke mal die Rohstoffe für ein Weggli kosten keine 10 Rp. verkauft wird es für 1.20. Kenne keinen armen Bäcker. Übrigens im Globus in Schwandorf (Bayern) werden 10 frische Kaisersemmeln für 1 verkauft. Kei Ahnig wie die das machen.

    • Mike am 11.01.2019 22:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Bäcker

      hör auf zu rechnen...das ist nicht dein Ding :-)

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  • Susinka am 11.01.2019 20:09 Report Diesen Beitrag melden

    Stört mich nicht

    Ich kaufe diesen Mist sowieso nicht!

  • Othmar am 11.01.2019 18:10 Report Diesen Beitrag melden

    Egal

    Da ich ganz nahe an der Grenze wohn kaufe ich diese Sachen in Österreich sind fast die Hälfte billiger.