Wechselkurspolitik

28. Januar 2011 09:26; Akt: 28.01.2011 09:48 Print

Prominente Unterstützung für SNB-Chef

von Lukas Hässig - Christoph Blocher und die Weltwoche fahren grobes Geschütz gegen Nationalbank-Präsident Philipp Hildebrand auf. Dieser kriegt nun Schützenhilfe.

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Die Jahresbilanz hat es ihm verhagelt, keine Frage. Philipp Hildebrand, Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB), musste kürzlich einen Verlust von 21 Milliarden Franken für 2010 ankündigen. Schuld sind die massiven Euro-Käufe vom letzten Frühling.

Das schlachtet die Weltwoche aus und lässt seit Wochen kein gutes Haar an Hildebrand. In ihrer jüngsten Ausgabe gibt sie dem SNB-Chef zwar eine Plattform und publiziert Auszüge aus einer Rede. Doch auch Ex-Notenbanker Kurt Schiltknecht kommt zu Wort. Konziliant im Ton, lässt der Professor und Ex-Notenbank-Kadermann keinen Zweifel daran, dass sich Hildebrand verrannt hat.

Medial-politischer Zangenangriff

Als zweiter Arm einer grossen Zange bedrängt die SVP den obersten Notenbanker. Am Montag bezeichnete ihr Chef-Einpeitscher Christoph Blocher die Euro-Interventionen der SNB in der Basler Zeitung als «Grössenwahn». Sollte eine von der SVP geforderte Untersuchung die vermuteten groben Fehler der SNB-Führungsriege bestätigen, müssten «er und allenfalls weitere zurücktreten».

Weltwoche und Blocher stellen Hildebrand auf eine Stufe mit dem gefallenen UBS-Chef Marcel Ospel. Beide hätten etwa gleich viel Geld verspekuliert, doch während es Ospel und seine Crew weggefegt habe, dürften Hildebrand & Co. ungestört weitermachen.

Schweizer Starbanker kontert aus London

Nun erhält Hildebrand Unterstützung von einem der renommiertesten und erfahrensten Banker, den die Schweizer Finanzindustrie in den letzten Jahrzehnten hervorgebracht hat. Die Rede ist von Hans-Jörg Rudloff, der in den 1990er-Jahren in der Credit Suisse bis in die Geschäftsleitung aufgestiegen war, bevor er seine Karriere nach einer kurzen Auszeit bei der englischen Investmentbank Barclays Capital in London fortsetzte. Barclays zählt zu den Gewinnerinnen der grossen Finanzkrise, Rudloff ist einer ihrer einflussreichen Manager.

«In den letzten Jahrzehnten gab es immer wieder Phasen mit einem überschiessenden Franken, zum Teil ganz extrem», sagte Rudloff kürzlich in einem Telefongespräch mit 20 Minuten Online. «Das ist nicht die Schuld des Frankens oder der Schweiz, sondern eine Folge der Schwäche anderer Währungen.»

Damit geht Rudloff auf die Euro-Käufe der SNB im letzten Frühling ein. Die Notenbank hatte damals innert kurzer Zeit weit über 100 Milliarden an Fremdwährungen erworben.

SNB-Chef Hildebrand begründete dies letzte Woche in der erwähnten Rede damit, dass der Franken zu Beginn der Staatsschulden-Krise unter «enormen Aufwertungsdruck» geraten sei, was «die Gefahr einer deflationären Entwicklung» mit sich gebracht habe. Dieses Risiko habe die SNB nicht eingehen wollen und als Gegenmassnahme «in grossem Umfang Devisen» erworben.

Rudloff: «Euro-Chefs sind schuld»

Für Rudloff haben die SNB-Chefs ihren Job korrekt gemacht: «Der Schweizerischen Nationalbank einen Strick aus den massiven Euro-Käufen zu drehen, finde ich unangebracht», sagt der Barclays-Banker. Es gehöre zu den Aufgaben der Notenbank, zu starke Ausschläge durch Interventionen aufzufangen. «Und es kommt natürlich vor, dass die Ereignisse, die ausserhalb des Einflusses der Schweiz liegen, zu Misserfolgen führen können.» Dann nennt Rudloff die seiner Meinung nach tatsächlich Verantwortlichen. «Wer hätte schon erwarten können, dass nicht nur die Politik, sondern auch die monetären Institutionen Europas die Dinge so schlittern lassen würden?»

Der Euro, so Rudloff, habe nun aber seine Talsohle vor kurzem durchschritten und würde kaum mehr auf neue Tiefststände fallen. Das nähme Blocher und den übrigen SNB-Kritikern viel Wind aus den Segeln. Als die SNB ihre Verluste für 2010 berechnete, lag der Euro-Kurs bei knapp 1,25 Franken. Am Donnerstag Abend kostete ein Euro gut 1,29. Rechnerischer Gewinn der SNB in vier Wochen, falls sie ihren Euro-Bestand nicht verändert hat: rund 4 Milliarden Franken.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Leo Hugentobler am 28.01.2011 10:57 Report Diesen Beitrag melden

    Grössenwahn

    Einfach Grössenwahn, wenn unsere SNB meint sie könne den Eurokurs beeinflussen! Es ist etwa das gleiche, wenn ich zum Bürkliplatz gehe und versuche den Zürichsee auszusaufen... (Alltagsintelligenz ohne akademischen Abschluss)

  • Karl Ernst am 28.01.2011 12:31 Report Diesen Beitrag melden

    Bemerkungen eines interessierten Beobachters:

    1.CH Exporteure sollen Währungsrisiken grundsätzlich selber absichern. Die entstehenden Kosten sind als Versicherungsprämien zu betrachten. 2.CH Importeure sacken heute vermutlich mehrheitlich den Aufwertungsgewinn des CH Frankens ein und der Inlandverbraucher hat das Nachsehen. Der Konsument übt hier zu wenig Druck aus. 3.Die SNB sollte die Frankenaufwertung kurzfristig auch stark überschiessen lassen und wenn schon nur minimal intervenieren. Der globale Devisenmarkt hat heute eine Grössenordnung erreicht in der Interventionen kurzerhand verpuffen.

  • Peschä am 28.01.2011 17:02 Report Diesen Beitrag melden

    Die SNB hätte besser Gold gekauft!

    Wenn Papier nichts mehr Wert ist, bleibt Gold Gold.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Marc U am 30.01.2011 12:22 Report Diesen Beitrag melden

    eine sache der zeit

    herr blocher verdient milionen mit ems chemie und versteuert pro jahr pauschalt ca 50`000 franken, die politik macht er nur für sich, von so einem mann würde ich keine tipps annehmen, er wettert nur gegen hildebrant weil er momentan bisschen weniger exportieren kann und so seinen bonus kleiner ausfällt.. durch den schwachen euro kann die EU zone mehr exportieren so das die länder wieder gesund werden und der euro wieder steigt. das geht aber nicht von heute auf morgen... so am rande, würde man alle boni der schweizer topmanager einsammeln und der eu schenken hätten sie keine schulden mehr

  • Basil Rosenberg am 29.01.2011 12:46 Report Diesen Beitrag melden

    SNB bald pleite!!!!

    sinkt der EURO auf 1.15, dann ist die SNB pleite!!!! Die Kantone müssen dann Aktienkapital nachzahlen und eine Aufkapitalisierung finanzieren! Gute Aussichten....

    • Schwarzmalerei am 30.01.2011 17:16 Report Diesen Beitrag melden

      Markus Berner

      Und was passiert, wenn der EUR auf mittelfristig realistische CHF 1.40 steigt? Schwarzmalen sollte Blocher und seinen am Gängelband geführten Köppel und Stamm überlassen werden. Dann können sie wenigstens die Auflage retten.

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  • d.p am 29.01.2011 12:32 Report Diesen Beitrag melden

    Richtig gehandelt

    M.E. hat Hildebrand richtig gehandelt. Kurzfristig sieht es zwar übelst aus, langfristig könnte die Schweiz jedoch davon profitieren.. Nur abwarten!

  • leo laver am 29.01.2011 11:14 Report Diesen Beitrag melden

    Volkhetzerblatt

    Die Weltwoche das Parteiblatt der SVP kann man eh nicht ernstnehmen. Sie funktioniert genau gleich populistisch wie die SVP.

    • Martin K. am 29.01.2011 17:27 Report Diesen Beitrag melden

      @ Leo Laver(i)

      Populistisch ist populär u. Polarisierung im Sinne der SVP heisst Deutlichkeit. Ein Begriff der in den Parteiprogrammen anderer nicht aufzufinden ist. Klarheit und Deutlichkeit der Argumente sind heute wichtiger denn je. Die tägliche und tausendfache Reizüberflutung kommunikativer Elemente und Botschaften macht es nötig, einer komplexeren Botschaft eine vereinfachte,aber dennoch wahre, Botschaft voranzustellen. Ist das so kompliziert zu verstehen? Polarisierung ist somit pejorativ negativ gemeint u. damit scheinbar anrüchig. PS: Ausser der WW sind übrigens alle anderen Medien Mitte-linkslastig

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  • David am 29.01.2011 10:00 Report Diesen Beitrag melden

    SCHNEE-BALL-SYSTEM VERBIETEN

    Das Übel muss an der Wurzel angepackt werden - nicht die Schweiz, sondern die Marode EU soll ihren Preis bezahlen, und nicht umgekehrt - Erpressungen dürfen keinen Platz mehr haben.