Fussball-Vermarktung

04. Oktober 2011 16:36; Akt: 04.10.2011 18:02 Print

Pub-Besitzerin zwingt Pay-TV in die Knie

Weil sich die Kneipen-Betreiberin Karen Murphy gegen die Exklusivvermarktung von Fussballspielen im TV wehrte, stürzte die Aktie des Bezahl-TV-Senders Sky Deutschland ab.

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Der Europäische Gerichtshof hat entschieden: Karen Murphy darf in ihrem Pub weiterhin englische Ligaspiele über den griechischen Sender Nova zeigen. (Bild: Keystone)

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Die Klage einer englischen Pub-Besitzerin bringt die Exklusivvermarktung von Fussballspielen im Fernsehen ins Wanken. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg entschied am Dienstag, dass Fans das Recht haben müssen, Spiele über den günstigsten Satelliten-Decoder zu sehen - auch wenn das exklusiven nationalen Vermarktungsverträgen widerspricht.

Obwohl der Anlass ein Rechtsstreit in Grossbritannien war, könnte das Urteil weitreichende Auswirkungen auf den deutschen Fernsehmarkt und die Finanzierung der deutschen Profiklubs haben. Aber auch andere EU-Länder sind vom Entscheid betroffen. Für die Schweiz hat das Urteil vorerst keine Konsequenzen, denn sie ist der Gerichtsbarkeit des Europäischen Gerichtshofs nicht unterworfen, wie eine Sprecherin des Bundesamtes für Justiz auf Anfrage von 20 Minuten Online erklärte.

Griechischer statt englischer Sender

Auslöser des Falls ist ein Streit der englischen Premier League mit der Pub-Besitzerin Karen Murphy, die ihr Pay-TV-Abo des britischen Senders BSkyB gekündigt hatte und in ihrem Lokal Liveübertragungen englischer Ligaspiele des Senders Nova aus Griechenland zeigte. Sie stellte den griechischen Kommentar ab und liess stattdessen einen BBC-Kommentar laufen. Daraufhin wurde sie von der Vermarktungsgesellschaft verklagt. Das Ganze mündete im Urteil des EuGH.

Die Wirtin wollte die bisherige Praxis nicht hinnehmen: «Wenn ich ein Auto kaufen möchte, darf ich das Modell wählen, das mir gefällt», sagte sie in einem BBC-Interview. Bei Fussballübertragungen dürfe man das anscheinend nicht. «Das ist falsch, das macht mich wütend, und dagegen kämpfe ich.»

Keine gebietsabhängige Exklusivität

Der EuGH entschied, dass ein Lizenzsystem, das Rundfunkanstalten eine gebietsabhängige Exklusivität für einzelne Mitgliedstaaten einräumt und den Fernsehzuschauern untersagt, diese Sendungen in den anderen Mitgliedstaaten mittels einer Decoderkarte anzusehen, gegen EU-Recht verstösst. Zudem hielt der EuGH fest, dass die Einfuhr, der Verkauf und die Verwendung ausländischer Decoderkarten gegen den freien Dienstleistungsverkehr verstossen.

Die Preise für die TV-Rechte variieren europaweit erheblich. Laut Medienberichten lag etwa die Ersparnis der Pub-Besitzerin bei gut 5200 Pfund (gut 8000 Franken). Das Urteil könnte die TV-Vermarktung des Fussballs in Europa in seinen Grundfesten erschüttern. Aktuell erlöst allein die deutsche Bundesliga pro Saison rund 412 Millionen Euro durch TV-Einnahmen.

(whr/ap)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Klaus von Braunheim am 04.10.2011 17:04 Report Diesen Beitrag melden

    Herzlichen Dank

    Ich kann nur eines dazu sagen. Herzlichen Dank Karen Murphy. Kann ich nur Unterstützen... und dann sollte es noch weiter gehen. Warum werden Nationale Sender wie SF oder ORF verschlüsselt und ARD kann ich in ganz Europa sehen....

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  • Denis24 am 04.10.2011 20:06 Report Diesen Beitrag melden

    Oléééé

    Olééééé, weiter so. Ist eh eine riesige Abzocke, was bringt einem Fussball wen man ihn nicht sehen kann... Und da soll man noch weiss nicht wie teuere Abo's abschliessen.

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  • Anti-Aktionär am 04.10.2011 20:37 Report Diesen Beitrag melden

    Jaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa!

    Phantastisch! Super! Lasst die Aktien in der Keller sinken. Wo ist ihr Pub? ich unterstütze Sie mit täglichem Umsatz. Zum Wohl!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Hans Müller am 04.10.2011 22:16 Report Diesen Beitrag melden

    Schlimm

    Eine Absolute Katastrophe für den Fussball! Dieses Urteil wird nur zu noch grösseren Unterschieden zwischen Clubs mit einem reichen Besitzer und den anderen führen. Nur diese können die zu erwartenden finanziellen Ausfälle ausgleichen.

  • Volkan Aydin am 04.10.2011 21:17 Report Diesen Beitrag melden

    Super!!!! wird auch zeit!

    diese medien mitellung wird wohl bernie Eccelstone am wenigsten freuen, da ab 2012 den briten nur noch die hälfte der F1 Rennen über Free-Tv läuft.... schauen die bald SF2 oder RTL in England?!!! Super Gemacht! heisst das nicht auch das an einer WM ab jetzt Restaurants wieder gratis senden können, wenn sie ausländische Sender ausstrahlen und nicht die SF??

    • Peter Schmid am 05.10.2011 08:59 Report Diesen Beitrag melden

      falsch

      hier geht es um PayTV nicht um FreeTV. Dies bedeutet das ein Sky Kunde in Deutschland auch an ein Abo aus Spanien rankommen könnte, dass evtl Günstiger ist oder einen anderen Mehrwert bietet), bisher war dies eine Grauzone.

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  • Anti-Aktionär am 04.10.2011 20:37 Report Diesen Beitrag melden

    Jaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa!

    Phantastisch! Super! Lasst die Aktien in der Keller sinken. Wo ist ihr Pub? ich unterstütze Sie mit täglichem Umsatz. Zum Wohl!

  • Roman am 04.10.2011 20:35 Report Diesen Beitrag melden

    Respekt, Frau Murphy!

    Gute Entwicklung. Der Fussball wird völlig abgehoben gehandelt und eine Korrektur scheint dringend nötig. Das Preis/Leistungsverhältnis stimmt nämlich gar nicht mehr überein in diesem Sport.

  • Denis24 am 04.10.2011 20:06 Report Diesen Beitrag melden

    Oléééé

    Olééééé, weiter so. Ist eh eine riesige Abzocke, was bringt einem Fussball wen man ihn nicht sehen kann... Und da soll man noch weiss nicht wie teuere Abo's abschliessen.

    • Peter Schmid am 05.10.2011 09:04 Report Diesen Beitrag melden

      teure Abos

      das teure daran ist, das infolge der Quersubventionierung der Kunde immer ein Basis Packet buchen muss, er zahlt also für viele Sender die er nicht möchte, das der Kunde der nur Sport sehen will, evtl. jetzt auch eine Karte aus dem Ausland beziehen kann, die nur Sender bietet die man möchte, kann entweder eine Chance oder aber auch der niedergang des PayTV sein.

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