300 Reichste der Schweiz

30. November 2018 05:43; Akt: 30.11.2018 09:02 Print

Kritiker schmuggeln Anzeige ins goldene Heftli

«Sie haben die Welt ungerechter gemacht»: Ein kritisches Inserat der NGO Public Eye hat es in die «Bilanz» geschafft – und das ausgerechnet in die Reichsten-Ausgabe.

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Auf Dutzenden Seiten wird in der aktuellen «Gold-Bilanz» beschrieben, wer in der Schweiz am reichsten ist und wie die Reichen ihr Vermögen angehäuft haben.

Da steht das Inserat der Schweizer Nichtregierungsorganisation Public Eye auf Seite 97, ganz am Anfang des Reichsten-Dossiers in der Ausgabe, quer in der Landschaft. Geweibelt wird für Spenden – etwa von vermögenden Personen, die «ihren Bargeldkoffer» in Afrika dazu verwendet haben, «Goldbestände aus von Kinderhand bewirtschafteten Kleinminen» zu kaufen.

Auch «Finanzakrobaten» oder Menschen, die den «einträglichen Export hochgiftiger Pestizide orchestriert» haben, werden im Inserat direkt angesprochen. «Wir suchen Sie!», steht in roten Buchstaben in der Mitte des Inserats.

Die Spitzen, die damit gegen die Reichen der Schweiz ausgeteilt werden, sind offensichtlich. Sie hätten mit ihrer Karriere dazu beigetragen, die Welt «ein Stück ungerechter» zu machen.

«Zum Nachdenken anregen»

Bei der NGO Public Eye war man sich wegen des kritischen Inhalts nicht sicher, ob es das Inserat überhaupt in die goldene «Bilanz» mit den 300 Reichsten der Schweiz schaffen würde – also in die Ausgabe, in der grosser Reichtum in grossem Umfang zelebriert wird.

Umso mehr freut man sich jetzt, dass es geklappt hat. Die Anzeige wurde extra für die aktuelle Ausgabe angefertigt, sagt Sprecher Oliver Classen: «Sie soll zum Nachdenken über den Zusammenhang von Schweizer Geld und globaler Gerechtigkeit anregen.»

Chefredaktor wusste nichts davon

Etwas weniger gross ist die Freude bei der «Bilanz» selbst. Chefredaktor Dirk Schütz wusste bis zum Anruf von 20 Minuten nichts vom genauen Inhalt des Inserats von Public Eye. Wie bei anderen Verlagen auch arbeiten die Redaktion und die Marketingabteilung getrennt voneinander, nur bei potenziellen Rechtsverstössen wird Alarm geschlagen.

Er nehme das Inserat mit Humor und empfinde es als nicht problematisch, sagt Schütz. «Inhaltlich enthält es nichts, was eine Veröffentlichung unterbinden würde.»

Dem antikapitalistischen Unterton steht der Chefredaktor zwar kritisch gegenüber – genauso wie den verbalen Spitzen, die im Inserat gegen die Reichen ausgeteilt werden. Aber alles bewege sich im vertretbaren Spektrum. «Man soll und darf ja kritisch sein», so Schütz. Ausserdem seien in den Top 300 der Reichsten in der Schweiz viele Millionäre vertreten, die bereits grosszügig an NGOs spenden.

(vb)

sentifi.com

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bieri am 30.11.2018 06:28 Report Diesen Beitrag melden

    Bravo Dirk Schütz

    Grosses Lob an die Adresse von Herrn Dirk Schütz, so sieht gelebte Meinungsfreiheit aus.

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  • Verleger / Unternehmer am 30.11.2018 06:13 Report Diesen Beitrag melden

    Gut gemacht BILANZ-Promo

    Ein schlaue Platzierung, dann bisschen Aufschrei aus einer "wir sind die Guten"-Ecke in der Schweiz und das 300er Gold-Heft ist lanciert.

  • Toni Maccaroni am 30.11.2018 06:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nobel geht die Welt zugrunde

    Ist es 'Wohltat' wenn Geld, mit dem Waffen, Rohstoffe, Bodenschätze, Wald, Medikamente und Lebensmittel 'geraubinvestiert' wurde, gespendet wird..?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • ghj am 01.12.2018 22:52 Report Diesen Beitrag melden

    Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich

    1. Frage: Wie ensteht Geld. Recherchiert mal so lange, bis ihr das Thema von Grund auf verstanden habt, erst dann versteht ihr, dass diese Milliarden im Prinzip daher kommen, dass andere hoch vetschuldet sind. Wir alle sind deren Sklaven, gehen arbeiten, damit wir Rechnungen und v. a. Zinsen zahlen können und sich der Betrag auf deren Konto erhöht. Vielleicht würde etwas besser, wenn man in einer direkten Demokratie wenigstens Mal für die eigenen Interessen wählen würde und nicht für die der finanziellen Elite. Auch wenn sie euch durch die Medien ständig mit Jobverlust und Krise drohen.

  • Trackhawk am 01.12.2018 20:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Man beachte

    Beim Spenden kommt es anscheinend nicht darauf, woher das Geld stammt. Die Hauptsache ist die Kohle fliesst. .

  • Mr. Spock am 01.12.2018 09:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nun,

    Was wahr ist darf man sagen bzw. schreiben

    • Jugni am 01.12.2018 13:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mr. Spock

      ja und es so sollte es sein.Wahrheiten hören am meisten nicht gerne.So leid es einem auch tut.

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  • Klaus Estermann am 30.11.2018 23:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Part of the game.

    Gehört zum Spiel, und ändert keinen Deut.

  • Kein Politiker am 30.11.2018 14:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo

    Immer wieder schön zuzusehen, wenn solche Aktivitäten gelingen. Denn wer den Zusammenhang zwischen unverschämtem Reichtum, und den Ungerechtigkeiten und der Armut auf unserer Welt nicht sieht, ist entweder blind, oder tut wenigstens so.

    • Jugni am 01.12.2018 13:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Kein Politiker

      Danke vielmals.Es so sieht es aus.Die reichen werden noch mehr reich und es gibt immer mehr ärmere Menschen hier in der Schweiz und anderswo auf der ganzen Welt.

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