Beschattungen

23. Dezember 2019 12:14; Akt: 23.12.2019 12:55 Print

Ist Thiam für die Credit Suisse noch tragbar?

von R. Knecht/P. Hagen - Die Credit Suisse bestätigt die Beschattung eines weiteren Mitarbeiters. Was sind die Konsequenzen? Und ist CEO Thiam noch tragbar? Die wichtigsten Antworten.

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Jetzt ist es offiziell: Die Credit Suisse hat mindestens zwei ihrer Top-Manager überwachen lassen. Im Februar 2019 wurde Peter Goerke – zum damaligen Zeitpunkt Mitglied der Konzernleitung – im Auftrag der Credit Suisse von einer Drittfirma beschattet. (Symbolbild) Als Konsequenz hat die CS den ehemaligen COO Pierre-Olivier Bouée fristlos entlassen. Bouée war bereits nach der Beschattungsaffäre gegen Iqbal Khan von seinem Amt zurück- und aus dem Verwaltungsrat ausgetreten. (Im Bild Iqbal Khan) CEO Tidjane Thiam war über die Beschattung Goerkes nicht informiert. Die verantwortlichen Personen verneinten bei der Befragung durch den Verwaltungsrat und die Homburger AG im Zuge der Khan-Affäre die Überwachung von weiteren CS-Mitarbeitern. Sie waren bei der Organisation und Durchführung der Beschattung Goerkes darauf bedacht, keine nachweisbaren Spuren in den Systemen der Bank zu hinterlassen. (Symbolbild) «Ob Thiam den Hut nehmen müsste, darüber kann man diskutieren», so Reputationsexperte Bernhard Bauhofer. Die Mindestkonsequenz sei aber lediglich, dass die CS Massnahmen ergreift, um so etwas in Zukunft zu verhindern. Bauhofer ist überzeugt, dass die CS aus diesen Vorfällen die nötigen Konsequenzen zieht, um die Reputation des Unternehmens künftig besser zu schützen. Der Hintergrund ist eine Beschattungsaffäre. Die CS liess Topbanker Iqbal Khan überwachen, weil sie glaubte, er nehme Kunden zur UBS mit. Doch auch privat eskalierte zwischen Thiam und Khan ein Streit – offenbar auch wegen Baulärms. Die beiden sind Nachbarn. Dazu kam es an einer Cocktailparty von Thiam. Nachdem Khans Beschattung bekannt wurde, büsste das Finanzinstitut fast 2 Milliarden Franken an Börsenwert ein. Mittlerweile hat sich der Kurs erholt – am Montag startete die Bank aber im Minus.

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Am Montagmorgen bestätigte die Credit Suisse (CS) in einem Communiqué die Beschattung von Mitarbeiter Peter Goerke. Er ist nach Iqban Khan der zweite Topmanager, der von der Grossbank überwacht wurde – zumindest nach dem aktuellen Wissensstand.

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Ist die Credit Suisse noch glaubwürdig?

Kommen bald noch mehr Fälle ans Licht? Und was bedeutet das Ganze für CEO Tidjane Thiam? Das sind die Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Was gibt die CS zu?

Die Bank bestätigt, dass sie Peter Goerke – zu jenem Zeitpunkt Mitglied der Konzernleitung – im Februar 2019 von einer Drittfirma beschatten liess. Den Auftrag dazu erteilte der bereits nach der Khan-Affäre zurückgetretene COO Pierre-Olivier Bouée.

Warum erst, nachdem der Fall in den Medien gelandet war?

Die Untersuchung war eine Reaktion auf die Berichte. Laut der CS hätten die für die Überwachung verantwortlichen Personen bei der Untersuchung zur Beschattungsaffäre Iqbal Khans nicht wahrheitsgetreu Auskunft gegeben. Sie verneinten die Beschattung von weiteren CS-Mitarbeitern. Ausserdem waren sie bei der Organisation und Durchführung der Beschattung Goerkes darauf bedacht, keine nachweisbaren Spuren in den Systemen der Bank zu hinterlassen.

Gibts noch mehr Beschattungsfälle?

Es ist denkbar, dass die CS noch weitere Kaderleute überwachen liess, sagt Reputationsexperte Bernhard Bauhofer zu 20 Minuten: «Bei Grosskonzernen sind solche Taktiken gang und gäbe.» Lukas Hässig, Finanplatzkenner und Betreiber des Wirtschaftsblogs Insideparadeplatz.ch, sagt zudem zu 20 Minuten: «Wären das Einzelfälle, wäre die Vertuschung nicht so professionell und durchdacht.» Die CS-Leute hätten viel Energie investiert, um die Buchhaltung zu den Beschattungsaufträgen geheim zu halten. Hässig hatte den ersten Beschattungsskandal um Iqbal Khan ins Rollen gebracht.

Ist Thiam noch tragbar?

Der Verwaltungsrat der CS hält weiter zu seinem CEO. «Thiam ist kein überzeugender CEO, wenn er im Krisenfall die Verantwortung nicht übernehmen will», so Hässig. Und: «Wenn Thiam wirklich nichts wusste, dann hat er seinen Laden nicht im Griff», so Hässig. Ihm scheint, dass das dem Verwaltungsrat jedoch egal ist. Zudem vermuten Bankenexperten, dass insbesondere ausländische Grossaktionäre mit Thiams Erfolgen zufrieden sind und sich nicht daran stören, dass Beschattungen in der Schweiz schlecht ankommen.

Was sind die Massnahmen der CS?

Die CS hat dem ehemaligen COO Pierre-Olivier Bouée fristlos gekündigt. Dieser war wie Sicherheitschef Remo Boccali bereits nach der Khan-Affäre von seinem Amt zurückgetreten und aus dem Verwaltungsrat ausgeschieden. Die fristlose Kündigung eines bereits abgetretenen Managers ist die einzige neue Massnahme. Jetzt werde der geköpft, der schon geköpft worden sei, so die Meinung von Insidern. Die CS betont, dass die Bank nach dem ersten publik gewordenen Überwachungsfall verschärfte interne Weisungen erlassen habe.

Wie gross ist der Schaden?

Die Beschattungen der CS-Kaderleute hätten dem Ansehen der Bank geschadet, schreibt das Unternehmen. Beziffern lässt sich der Reputationsschaden zwar nicht, so Bauhofer: «Manche Kunden überlegen sich aber, ob sie noch mit der Bank zusammenarbeiten wollen.» Nachdem Khans Beschattung bekannt wurde, büsste das Finanzinstitut fast 2 Milliarden Franken an Börsenwert ein. Mittlerweile hat sich der Kurs erholt – am Montag startete die Bank aber im Minus.

Wie konnte es dazu kommen?

«Den internationalen Managern fehlt oft das Gefühl für die Schweizer Werte», so Bauhofer. Darum seien sie sich nicht bewusst, dass so eine Überwachung in der Schweiz nicht toleriert werde. In Amerika wäre der Skandal gar nicht so gross, ist Bauhofer überzeugt. Er glaubt, dass die CS aus diesen Vorfällen die nötigen Konsequenzen zieht, um die Reputation des Unternehmens künftig besser zu schützen.

Ist die Sache jetzt erledigt?

Nein, denn es läuft derzeit noch eine Untersuchung der Finanzmarktaufsicht (Finma). Sie will insbesondere Fragen zur Firmenleitung klären – im Zusammenhang mit den Überwachungen, der Nutzung von elektronischen Kommunikationsmitteln und dem Umgang mit Informationen. Die Untersuchung dürfte noch mehrere Monate dauern. Die Finma kommentiert den Fall bis dahin nicht weiter.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Melanie Gerber am 23.12.2019 12:23 Report Diesen Beitrag melden

    Kindergarten!

    Nein ist er nicht. Ist ja schliesslich auch nicht seine Firma. Aber was will man schon von Schlipsträgern in solchen Positionen erwarten. Beim Abkassieren an vorderster Front. Bei Problemen immer schön am untertauchen oder ein Bauernopfer suchen und behaupten, man weiss von nichts! Das kennen wir doch schon seit X-Jahren!

    einklappen einklappen
  • Thomas am 23.12.2019 12:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nein!!!

    Was für eine rhetorische Frage. Wer die Antwort nicht kennt dem ist nicht mehr zu helfen! Als Arbeitnehmer wäre die Firma für mich schon als Arbeitgeber untragbar. Eine Firma die ihre Mitarbeiter überwacht! Sorry wie sind hier nicht in China!

    einklappen einklappen
  • Peter Meister am 23.12.2019 17:28 Report Diesen Beitrag melden

    Trudi Gerster lässt grüssen

    Die Märchen von Trudi Gerster waren besser als die von Thiam und Rohner. Warum soll jetzt "die Wahrheit" auf dem Tisch liegen, nachdem mit dem letzten Bericht bereits "die Wahrheit" dargelegt worden ist? Ein bedenkliches Trauerspiel der CS.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Jasmin am 25.12.2019 20:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bankenkriminalität ist weitreichend.

    So kommt es wenn man Tschungelbuchakteure mit der Geschäftsführung betraut. Immerhin ist somit nicht nur die UBS eine höchstfragwürdige und vertrauenszerstörende Bank. Kriminalität im Bankensektor lässt zunehmend grüssen. Natürlich finden sich wie immer keine schuldigen, wenn doch sind sie trotzdem unschuldig. Amen.

  • Finänzler am 25.12.2019 19:52 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz einfach..

    Die Frage ist mit einem kurzen Wort beantwortet. Und dieses Wort heisst NEIN. Ein CEO der sowas zulässt ist nicht tragbar. Und ein CEO der seinen Laden nicht im Griff hat und sowas ohne sein Wissen geschehen kann auch nicht.

  • Toni Maccaroni am 24.12.2019 15:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Self response...

    ... ob es nicht so ist das sich diese Frage erübrigt?

  • Erika am 24.12.2019 15:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wie es sich gleicht

    Bei der CS werden die Angestellten beschattet, wie bei der Perren- Güterbahn.

  • Geld abgezogen am 24.12.2019 14:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zustände

    Bei der CS herschen Zustände wie in einem südlichen Kontinent:-(