Guy Lachappelle

14. September 2018 09:15; Akt: 14.09.2018 09:15 Print

Fünf Baustellen für den neuen Raiffeisen-Lenker

von Isabel Strassheim - Die Raiffeisen hat Guy Lachappelle als neuen Präsidenten nominiert. Auf diesen warten schwierige Aufgaben. Ein Überblick.

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Die Raiffeisenbank muss sich ans Aufräumen machen. Das geht unter anderem nur mit einer neuen Person auf dem Präsidentenposten. Am Freitagmorgen hat Raiffeisen nun bestätigt: Die Bank nominiert Guy Lachappelle als neuen Präsidenten. Er ist seit 2013 Vorsitzender der Konzernleitung und CEO der Basler Kantonalbank. Als neue Verwaltungsratsmitglieder hat Raiffeisen zudem Karin Valenzano Rossi, Partnerin in der Kanzlei Walder Wyss sowie Dozentin für Banking am Centro di Studi Bancari in Vezia ... ... Andrej Golob, langjährige Führungspersönlichkeit bei Hewlett-Packard ... ... Thomas A. Müller, seit 2016 in der Geschäftsleitung der EFG International ... ... und Dr. Beat Schwab, seit 2017 professioneller Verwaltungsrat, nominiert. Die zuvor gehandelte Favoritin und Bankerin Antoinette Hunziker-Ebneter hatte zuvor auf das Präsidentenamt verzichtet. Lachappelle ersetzt den jetzigen Interimspräsidenten Pascal Gantenbein. Vom neuen Lenker hängt ab, wie schnell die Bank aus der Krise findet. Das sind die fünf Baustellen von Raiffeisen: Wo liegt die Zukunft der Bank? Es ist unklar, ob Raiffeisen jetzt eine bleiben will oder nochmals den Weg zu einem breit aufgestellten Bankhaus inklusive Vermögensverwaltung einschlagen will. Raiffeisen ist in den zehn Jahren nach der Finanzkrise zur mit Abstand grössten herangewachsen. Das kann zum Klumpenrisiko werden. «Wenn es in den nächsten Jahren zu einer Immobilien- oder auch Arbeitsmarktkrise kommen sollte, kann der Kreditausfall sehr rasch steigen», sagt Peter V. Kunz, Professor für Wirtschaftsrecht der Universität Bern, zu 20 Minuten. Nach der Vincenz-Affäre ist die Finanzmarktaufsicht (Finma) Raiffeisen auf die Pelle gerückt. In ihrem Enforcementbericht diesen Juni verpflichtete sie die Genossenschaftsbank, die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft «vertieft zu prüfen». Die 250 Raiffeisen-Genossenschaften wollen mehr Macht. Nach der Ära Vincenz/Gisel fehlt es ihnen an Vertrauen in die Zentrale in St. Gallen. Einige Genossenschaften fordern auch, nicht nur Verwaltungsrat und CEO, sondern die gesamte Geschäftsleitung auszutauschen. Der Bundesrat will PostFinance per Gesetz zur Vollbank machen und die Vergabe von Krediten und Hypotheken erlauben. Das bedeutet neue Konkurrenz für Raiffeisen. Auch für Noch-Raiffeisen-CEO Patrik Gisel kommt das Ende bei Raiffeisen bald. Er tritt spätestens Ende Jahr aus der Bank ab. Bei seinem letzten öffentlichen Auftritt präsentierte er die Zahlen fürs erste Quartal 2018. Die Bank entwickelte sich erfolgreich und machte 416 Millionen Franken Gewinn. Raiffeisen teilt aber auch mit: «Die ersten sechs Monate der Raiffeisen-Gruppe könnten kontrastreicher nicht sein.» Gemeint war damit der Raiffeisen-Skandal. (Im Bild: Interims-Präsident Pascal Gantenbein (links) und Patrik Gisel.) Patrik Gisel, langjähriger Stellvertreter des in Ungnade gefallenen Raiffeisen-Königs Pierin Vincenz, muss den Hut nehmen. Es gibt viele Genossenschafter, die sich offen gegen Gisel ausgesprochen haben: «Alle Verantwortlichen aus der Ära Vincenz müssen weg, auch der heutige CEO Gisel», so der Tenor. Gisel ist seit 2000 bei der Raiffeisenbank und war jahrelang die Nummer zwei hinter Pierin Vincenz, der damals CEO war und dem Vorwürfe wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung gemacht worden sind. Gisel ist aber nicht nur durch die Vincenz-Affäre belastet. Probleme gibts auch mit der Informatik. In seiner Funktion als Informatikchef hat Gisel die IT-Plattform der Bank ersetzt – und sie funktioniert bis heute noch nicht richtig. Bei Raiffeisen heisst es offiziell, die Suche nach einem neuen Firmenchef laufe «mit Hochdruck». «Inside Paradeplatz» hat bereits zwei Kandidaten als Gisels potenzielle Nachfolger gehandelt: Raiffeisen-Finanzchef Christian Poerschke und Urs Gauch, der momentan das Departement Firmenkunden der Bank leitet. Aus dem Untersuchungsbericht der Finma zur Vincenz-Affäre geht laut Medienberichten hervor, dass die Geschäftsleitung um Vincenz und Gisel ein sogenanntes Klumpenrisiko nicht erkannt habe.

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Die Raiffeisen hat am Freitag Guy Lachappelle zum neuen Präsidenten nominiert. Er ist bereits seit 2013 Vorsitzender der Konzernleitung und aktueller CEO der Basler Kantonalbank. Lachappelle ersetzt den Interimspräsidenten Pascal Gantenbein. Zuvor war der Jurist in verschiedenen Bankleitungs- und Konzernfunktionen tätig. Zu den wichtigsten Aufgaben des neuen Lenkers wird die Neubesetzung des Chefpostens von Raiffeisen gehören. Der heutige CEO Patrick Gisel tritt spätestens Ende Jahr ab. Von Lachappelle hängt nun zudem ab, wie schnell die Bank aus der Krise findet.

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Denn Raiffeisen muss sich neu erfinden. Die Reputation der drittgrössten Schweizer Bank an sich hat zwar wenig gelitten, doch der Name steht derzeit für die Vincenz-Affäre. «Der Druck auf die neue Führung ist immens. Es braucht ergänzend zu den neuen Personen an der Spitze zeitnahe verbindliche Aussagen zur Strategie und den Führungsprinzipien. Nur so lässt sich glaubhaft ein Neuanfang kommunizieren», sagt Kommunikationsberater Matthias Knill zu 20 Minuten. Dabei geht es um folgende Baustellen:

Grundsatzfrage
Wo liegt die Zukunft der Bank? «Die neue Raiffeisen-Spitze muss klären, ob sie die Konzernambitionen weiter verfolgen will», sagt Peter V. Kunz, Professor für Wirtschaftsrecht der Universität Bern, zu 20 Minuten. Sie hat die Privatbank Notenstein La Roche zwar dieses Frühjahr verkauft, es ist aber unklar, ob Raiffeisen jetzt eine Dorfbank bleiben oder nochmals den Weg zu einem breit aufgestellten Bankhaus inklusive Vermögensverwaltung einschlagen will.

Hypothekenlast
Von Raiffeisen kommt das Geld für die meisten Neubauten in der Schweiz. Sie ist in den zehn Jahren nach der Finanzkrise zur mit Abstand grössten Hypothekarbank herangewachsen: Zwischen 2008 und 2018 stiegen die Hypotheken um rund 80 Prozent auf fast 180 Milliarden Franken. «Raiffeisen hat mehr Kredite vergeben als andere Banken und man muss annehmen, dass sie dabei auch sehr viele Risiken eingegangen ist», sagt Kunz. Im ersten Halbjahr 2018 hatte die Bank lediglich 6,7 Millionen Franken an faulen Krediten. «Im Hypothekenbereich muss man aber auf lange Sicht denken und wenn es in den nächsten Jahren zu einer Immobilien- oder auch Arbeitsmarktkrise kommen sollte, kann der Kreditausfall sehr rasch steigen», betont Kunz. Im Fall der Fälle müsste Raiffeisen vom Staat gerettet werden, weil die Finanzmarktaufsicht (Finma) sie zur systemrelevanten Bank erklärt hat.

Finma
Nach der Vincenz-Affäre ist die Finma Raiffeisen auf die Pelle gerückt: In ihrem Enforcement-Bericht im Juni dieses Jahres verpflichtete sie die Genossenschaftsbank, die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft «vertieft zu prüfen». Es gibt zwei Hauptgründe, warum der Finma eine Raiffeisen AG lieber wäre: Für Aktienfirmen gibt es strenge Gesetze zur Kontrolle der Unternehmensführung, für Genossenschaften dagegen keine. Als Börsenunternehmen könnte Raiffeisen bei Aktionären rasch neues Geld aufnehmen. Bei einer Hypothekarkrise wäre das wohl nötig. Der Nachteil einer Aktienfirma ist, dass sie zu Expansion und stetigem Wachstum getrieben wird.

Das ist der neue Raiffeisen-Präsident:

Machtfrage
Die 250 Raiffeisen-Genossenschaften wollen mehr Macht. Nach der Ära Vincenz/Gisel fehlt es ihnen an Vertrauen in die Zentrale in St. Gallen. Nun wollen sie die Basis stärken und mehr mitentscheiden. Einige Genossenschaften fordern auch, nicht nur Verwaltungsrat und CEO, sondern die gesamte Geschäftsleitung auszutauschen.

• PostFinance
Der Bundesrat will PostFinance per Gesetz zur Vollbank machen und die Vergabe von Krediten und Hypotheken erlauben. Das bedeutet neue Konkurrenz für Raiffeisen. «Die Akteure des Finanzplatzes werden Gelegenheit haben, anlässlich dieser Vernehmlassung Stellung zu beziehen, Raiffeisen wird dies zu gegebener Zeit ebenfalls tun», sagt Raiffeisen-Sprecherin Angela Rupp. Peter V. Kunz betont: «Raiffeisen wird sich mit aller Macht gegen eine neue Konkurrenz im Hypothekarmarkt wehren.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • S.baumann am 14.09.2018 09:41 Report Diesen Beitrag melden

    Was geht in zukunft ?.

    Bin kunde bei raiffeisen. Werde jedoch beobachten wohin die reise geht. Wenn mir die umstrukturierung passt, bleibe ich kunde, wenn nicht werde ich wechseln.

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  • S Eich am 14.09.2018 09:38 Report Diesen Beitrag melden

    GuteWahl

    Gute Wahl. Von einer Katastrophe zur nächsten. Der Betrugsfall von der Tochtergesellschaft der Basler KB, ja davon wusste er als CEO sicher auch nichts und von weiteren Leichen der Basler KB. Und sowas wird nun gewählt? Die Menschheit degeneriert massiv schnell!

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  • tt am 14.09.2018 09:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    es wird nicht besser in zukunft

    warum wehren, so bekämpfen unfähige Leute die Konkurrenz. Fähige Leute hingegen schaffen es sich gegen Konkurrenz durch zu setzen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Cavi33 am 16.09.2018 11:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aufsicht des VR hat versagt

    Ein Gauner wird durch einen anderen ersetzt. Grundsätzlich hätte der alte CEO bleiben sollen. Das Hauptproblem ist und bleibt der VR dort gibt es nur inkompetente Personen die absahnen und rein gar nichts vom Metier verstehen, wie bei der Post und vielen andern Unternehmen.

  • Maria S. am 16.09.2018 09:42 Report Diesen Beitrag melden

    Vertrauen vor Ort

    Und die post macht es kein bisschen besser. Die ubs nicht und die kantonalbanken ebenfalls nicht. Wer ist nun der bessere?

  • Hunne am 15.09.2018 11:47 Report Diesen Beitrag melden

    Egal wer

    Aber jetzt würde ich dem einfach mal von Beginn an auf die Finger schauen! Sonst haben wir dann wieder den Salat.

  • MARIO P. SVEN. am 14.09.2018 23:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    NEUER "RAIFFEISEN"-CEO.

    Nach den schlimmen Vincenz -Betrügereien kanns bei der RAIFFEISEN-Bank, wo ich trotz allem immer noch Kontoinhaber bin, nur aufwärts gehen und Guy Lachappelle rückt sicher allen auf die Pelle, sorgt für Ordnung und Stil, damit diese Bank keine "Lachkapelle" mehr ist und die Leute wieder Vertrauen gewinnen können. Wir sind gespannt...

  • El Comandatore am 14.09.2018 20:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nomen est Omen

    Nomen es Omen. Seine Hauptaufgabe wird es wohl sein Nach Appelle an die Aktionäre zu richten wenn es um den einst guten Ruf dieser Bank geht.

    • Xeno72 am 15.09.2018 10:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @El Comandatore

      Raiffeisen hat keine Aktionäre.

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