Frankenschock

07. Januar 2016 10:31; Akt: 07.01.2016 12:05 Print

Raiffeisen fordert für die Wirtschaft Hilfe vom Bund

von F. Lindegger - Die Wirtschaft sei nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses im Stich gelassen worden, sagt die Raiffeisenbank. Ihre Ökonomen verlangen, dass der Bund gewissen Branchen unter die Arme greift.

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Die Raiffeisenbank plädiert dafür, dass der Bund die Wirtschaft bei der Bewältigung des Frankenschocks unterstützen soll. «Die Schweiz ist eines der wenigen Länder, das seine Wirtschaft einem derart rauen Klima aussetzt, ohne Härten abzufedern», erklärt Raiffeisen-Chefökonom Martin Neff. Im Rahmen einer möglichen Massnahme sei eine Wechselkursabsicherung für betroffene Branchen. Dabei würde garantiert, dass eine Firma, die beispielsweise zu einem Frankenkurs von 1,08 pro Euro offeriert, den Auftrag auch zu diesem Wechselkurs abwickeln kann.

Die Bewältigung der Unsicherheiten, die die Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) am 15. Januar 2015 ausgelöst habe, sei «jetzt eine Frage des Bundes», erklärt Neff. Der Bund solle dabei bei den Branchen ansetzen, wo «Hoffnung besteht». Dort, wo die Wettbewerbsfähigkeit gross sei und diese auch gehalten werden könne, solle den Firmen entsprechend unter die Arme gegriffen werden. «Es ist ein heikles Unterfangen, zu entscheiden, wo das der Fall ist», räumt Neff ein. Eine Unterstützung von Firmen mit einer Umsatzmarge von 2,5 bis 3 ist laut Raiffeisen aber beispielsweise nicht sinnvoll, da diese längerfristig kaum am Markt bestehen könnten.

«Der 15. Januar hat der Glaubwürdigkeit geschadet»

Eine neue Wechselkursuntergrenze durch die SNB wäre laut Neff unglaubwürdig und würde der Schweiz schaden: «Der 15. Januar hat bezüglich Glaubwürdigkeit der Währungspolitik bereits genug geschadet.» Deshalb und weil die SNB unabhängig bleiben soll, sei es Aufgabe des Bundes, Massnahmen zur Stützung der betroffenen Branchen zu treffen. Denn die schlagartige Aufwertung des Frankens gegenüber dem Euro habe sich bisher in den Zahlen noch nicht vollständig gezeigt. «Die Unternehmen sind noch im Improvisationsmodus; der grosse Schock in der Industrie kommt noch», prognostiziert Raiffeisen-Chefökonom Neff.

Vor allem die Beschäftigungszahlen würden noch hinterherhinken. Die Raiffeisenbank rechnet 2016 mit einem Anstieg der Arbeitslosenquote auf 3,6 Prozent. Für das Jahr 2015 schätzt Raiffeisen diese Quote auf 3,4 Prozent. «Das sieht zwar nach wenig aus, ist es aber nicht», erklärte Neff. Allein in der Industrie rechtet die Raiffeisenbank aufgrund des starken Frankens künftig mit dem Verlust von mehr als 10'000 Arbeitsplätzen.

Moderates Wachstum für 2016 erwartet

Bisher habe in der Schweiz die starke Währung als «Fitnessprogramm» für die Wirtschaft gewirkt und zu einer hohen Wettbewerbsfähigkeit beigetragen. Doch der Schock nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurs sei zu stark für die Industrie, so Neff. Die Raiffeisenbank erwartet 2016 nur eine leichte Entspannung, weil der Franken gegenüber dem Euro überbewertet bleibe. Bis zum Jahresende prognostiziert die Bank einen Eurokurs von 1.14 Franken.

Gesamtwirtschaftlich geht die Raiffeisenbank für das Jahr 2016 von einem moderaten Aufschwung aus. Die Bank rechnet mit einem realen BIP-Wachstum von 0,9 Prozent. Das ist tiefer als die Prognosen der Grossbanken Credit Suisse (1,0 Prozent) und UBS (1,4 Prozent) oder jene des Staatssekretariats für Wirtschaft Seco (1,5 Prozent).

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Visionär am 07.01.2016 11:30 Report Diesen Beitrag melden

    Geldgier ohne Ende...

    Die Wirtschaft(sverbände) haben jahrelang (mit Unterstützung unserer Regierung) durch die PFZ, der Ausländerbevorzugung (Lohndumping wurde salonfähig) usw. und jetzt wollen sie Unterstützung - das ist eine Unverschämtheit... Sollen sie doch ihre Gewinne, die sie auf Kosten der Arbeitnehmer gemacht haben, für die heutige Situation einsetzten...

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  • Snot Mc Booger am 07.01.2016 11:32 Report Diesen Beitrag melden

    Utopie

    Wie wärs damit: Die Banken bezahlen kleinere Boni aus, helfen mit dem eingesparten Geld dann der schweizer Wirtschaft, anstatt dies vom Staat zu verlangen.

  • Franz Müller am 07.01.2016 12:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Windfahne

    2014 forderte Hr. Neff noch eine Freigabe der Euro-Untergrenze, nun ist es auch wieder nicht recht! Die meisten Top-Ökonomen sind doch nur Windfahnen und machen einfach viel bla bla.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Walter Hecht am 08.01.2016 21:50 Report Diesen Beitrag melden

    Econ 101

    Herr Neff sollte ab und zu mal in Mac Donalds etwas Essen gehen und nicht Tag und Nacht der Laffer Kurve nacheilen

  • Frage am 08.01.2016 09:29 Report Diesen Beitrag melden

    falsche Dedanke?

    Ich denke, dass das Beste wohl bald wird das Geld im Tresor aufzubewahren. Unsere Politiker kümmern sich nur um ihre eigene finanziellen Interesse.

  • Cavi33 am 08.01.2016 08:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Steuerzahler

    So kann man auch strukturelle Probleme lösen, also immer der Staat.

  • F. Gsell am 08.01.2016 08:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    vergisst es

    Niemals! Es muss endlich Schluss sein mit der Nehmerpolitik. Bei Gewinn wird ja auch nicht fair geteilt.

  • Peter am 08.01.2016 08:31 Report Diesen Beitrag melden

    Abzocke auf Staatskosten?

    Darf ich als Kleinunternehmer auch auf staatliche Hilfe statt nur um Abzocke hoffen und wünschen? Ich muss doch als Unternehmer - Unter-Nehmer - selber für mein Geschäft sorgen und aktiv sein. Die Banker sind einfach zu verwöhnt - der CS-Skandal der uns 40Mrd. kostete kommt wieder zum Tragen.

    • Name am 08.01.2016 09:39 Report Diesen Beitrag melden

      hm...Abzockerei nur

      Staatskosten bedeuten Kosten auf der Kosten der Steuerzahler, also uns - normale Bürger, die arbeiten für einen tiefen Lohn. Das ist (unter Anderem) ein Kontingent, wo sehr viele arbeitende Frauen beschäftigt sind ...

    • Allwissen am 08.01.2016 12:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Peter

      Herr Neff möchte ja gerade KMU's unterstützen. Ich vermute, die Meisten verstehen die Forderung nicht.

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