Nikotinersatz

01. Februar 2019 11:22; Akt: 01.02.2019 11:22 Print

Die Rauchentwöhnung ist ein Milliarden-Geschäft

von Isabel Strassheim - Auch Pharmakonzerne verdienen an Rauchern. Mit Nikotinkaugummis oder -pflastern. Und sogar mit Medikamenten.

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Statt am Kiosk gibt es Nikotin auch in der Apotheke oder Drogerie. Das Geschäft mit Kaugummis, Pflastern oder Tabletten wie Nicorette oder Nicotinell wird auf drei Milliarden Dollar jährlich geschätzt. Seit die E-Zigaretten und Dampfer auf dem Markt sind, geht es allerdings zurück. Der Markt von Medikamenten zur Rauchentwöhnung ist davon nicht betroffen.

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Um am Ball zu bleiben, wäre der Pharmakonzern GlaxoSmithKline (GSK) deswegen fast ins Geschäft mit E-Zigaretten eingestiegen. Nach einigem Nachdenken entschieden sich die Briten aber 2015 dagegen, denn die neuen Zigaretten seien «zu umstritten».

Süchtig nach Nikotinkaugummis

Anders als E-Zigaretten gehen die Nikotinersatzprodukte als Medikamente durch. Sie sind «Präparate, welche zur Behandlung der Nikotinabhängigkeit respektive zur Rauchentwöhnung dienen», erklärt Swissmedic-Sprecherin Danièle Bersier. Weil es eine Fachberatung brauche, gebe es sie nicht am Kiosk oder im Supermarkt. Stichproben von 20 Minuten zeigen, dass man die Kaugummis oder Pflaster in der Apotheke auch ohne Beratung bekommt. Eine Apothekerin sagt:«Einige sind süchtig danach und kaufen sie regelmässig, so wie Zigaretten.»

Anders als für rezeptpflichtige Medikamente variieren die Preise beim Nikotinersatz. «Es spielt der freie Markt», sagt Rahel Rohrer vom Schweizerischen Apothekenverband, Pharmasuisse. Die Unterschiede können massiv sein: Im Vergleich zu Deutschland kann der Preis in der Schweiz um rund das Vierfache höher ausfallen.

Novartis stösst Nicotinell ab

Für die Pharmafirmen selbst machen die Nikotinersatzprodukte nur einen geringen Umatzanteil aus. «Das ist zu vernachlässigen», sagt Pharmaanalyst Michael Nawrath von der Zürcher Kantonalbank. Die frei verkäuflichen Präparate spielen ohnehin in der Branche kaum eine Rolle. Nicotinell gehört zwar zu den führenden Ersatzprodukten, aber Novartis hat es zusammen mit allen anderen seiner rezeptfreien Mittel letztes Jahr an Konkurrent GSK verkauft. Dieser will diesen Geschäftsteil mit jenem von Pfizer zusammenlegen und dann ebenfalls abspalten.

Dagegen zählen verschreibungspflichtige Medikamente zur Rauchentwöhnung wie Champix (Wirkstoff Varenicline) vom US-Riesen Pfizer zu den Medikamenten. Von einer Abspaltung ist hier nicht die Rede, denn sie sind im Gegensatz zu den Nikotinersatzprodukten sehr lukrativ. Die Arznei ist trotz ihrer Nebenwirkungen ein Blockbuster, das heisst sie erreichte 2017 einen Umsatz von über einer Milliarde Dollar.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • ex Fumoir am 01.02.2019 11:28 Report Diesen Beitrag melden

    einfach aufgehört

    Ich habe vor 4 Jahren aufgehört, von heute auf morgen. Ohne Nikotinersatz, ohne Rückfälle. Wo ein Wille ist... :-)

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  • Toni am 01.02.2019 11:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rauchfrei

    Ich habe 15 Jahre geraucht. Seit 1.5 Jahren Rauchfrei. Es zählt nur der Wille. Die Geburt meines Sohnes war der Grund. Von einem Tag auf den anderen ohne Probleme aufgehort.

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  • Sepp Schweizer am 01.02.2019 11:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Parallelen sind offensichtlich

    Zuerst macht man alle süchtig, dann gibt es dass Rettungsgeschäft von der Sucht. Parallelen in der Flüchtlingspolitik, zuerst liefert man Waffen, dann folgt das Geschäft mit den Opfern.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • muzungu am 02.02.2019 20:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kein Ersatz

    Bin ich glücklich das ich vor 17 Jahre aufgehört habe und ich keinen Nikotinersatz gebraucht und ich habe Zigarillos geraucht 20 Stück am Tag und von heute auf morgen aufgehört aber auch nur das ich eine schwere Grippe hatte. Volle Zigarillo Packung in die Ecke geschossen und nie mehr geraucht es stört mich nicht wenn einer raucht, nur der kalte Rauch der stört mich gewaltig das stinkt gewaltig.

    • Neighbour am 02.02.2019 20:59 Report Diesen Beitrag melden

      Gratulation, aber...

      Der kalte Rauch ist das, was die Nachbarn dann in der Wohnung haben, weil die modernen Raucher meinen, sie müssten auf dem Balkon rauchen, damit sie den Rauch nicht in der eigenen Wohnung haben. Und auch warmer Rauch stinkt gewaltig. Kannst mal ein paar Kinder fragen. Die werden's bestätigen.

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  • die Ritterin am 02.02.2019 17:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Milliardenschäden

    Aha: Rauchentwöhnung ist ein Milliardengeschäft... Zum Glück ist die Tabakindustrie bescheiden und gibt seine Glimmstängel gratis ab.... Ironie Tabakfirmen sollten sich endlich an den Schäden beteiligen müssen, welche sie verursachen,

  • Aus der Gesundheitsbranche am 02.02.2019 14:28 Report Diesen Beitrag melden

    Aktueller Stand der Dinge

    Raucher entlasten die Rentenkasse nicht durch früheren Tod, sondern belasten sie, weil sie früher in Rente müssen und wegen niedrigerer Einkommen auch weniger einzahlen.

    • Gnom am 02.02.2019 15:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Aus der Gesundheitsbranche

      Früher in Rente. Nidrigem Einkommen. Sehr komisch deie Äusserung. Begründen bitt!!

    • MadChengi am 02.02.2019 15:41 Report Diesen Beitrag melden

      @Aus der Gesundheitsbranche

      Dafür verfallen die AH und die Pensionsgelder, ist auch ganz praktisch, das Geld könnte man automatisch in das Gesundheitswesen fliessen lassen.

    • Gewusstwie am 02.02.2019 15:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @MadChengi

      Die PK kann man überschreiben, dh. einen Begünstigten bestimmen. Somit ist das einbezahlte Geld nicht verloren und der Staat kann es nicht automatisch einsacken!

    • die Ritterin am 02.02.2019 17:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Aus der Gesundheitsbranche

      Raucher belasten trotz früheren Tod die Allgemeinheit im Übermass, weil sie hohe gesundheitliche Kosten verursachen. Die Tabaksteuer ist nicht einmal ein Tropfen auf den den heissen Stein.

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  • RegnumBohemiae 1182 am 02.02.2019 13:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geschäftsmodell

    Man suggeriert der Zielgruppe, dass sie bei eigentlich vom Immunsystem beherrschbaren Kleinigkeiten den Körper mit dem oder dem Mittel unterstützen, um den Heileffekt zu beschleunigen und bietet dementsprechende Medis an mit Wirkstoffen, welche harmlos sind und meisst Sachen entsprechen (Hausmittel) die vermeintlich schon länger bekannt sind und verdient sich daran dumm und dusselig (siehe Werbung, Reizdarm, Harndrang, Husten, Zahnfleischbluten...). Seriöse Medis mit richtiger Wirkung gibts auf Rezept und sind mittlerweile das Nebengeschäft (Statistik Novartis zB), übrigens auch bei Globuli ;)

  • Irukan am 02.02.2019 12:31 Report Diesen Beitrag melden

    Richtiges Mindsetting

    Süchtige zahlen für ihre Sucht immer dreimal: 1. Mental: Nach jedem High folgt ein Low 2. Physisch: Schädigung des Körpers 3. Finanziell für die Produkte Willenskraft alleine führt bei einer Sucht meistens nicht zum Erfolg. Es braucht das richtige Mindsetting: Rauchen stinkt, schädigt den Körper, hilft nicht gegen Stress, bei Entzug noch mehr gestresst, Raucher werden von der Tabakindustrie ausgenommen etc. . Nur Süchtige können ein Stinkmittel als Genussmittel anpreisen. Die Tabakindustrie wirbt mit Freiheit; und bringt Abhängigkeit.

    • die Ritterin am 02.02.2019 17:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Irukan

      Es bezahlen nicht nur die Süchtigen. Die Allgemeinheit trägt die Schäden, wöhrend die Tabakindustrie Milliarden verdient und nichts an die Schäden, welche sie verursachen bezahlen müssen. Ich behaute Mal, die Svhäden sind sogar grösser, als die Gewinne der Tabakmafia.

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