Serie «Weg mit der Zigarette»

28. Januar 2019 12:36; Akt: 29.01.2019 13:57 Print

Je mehr Nikotin, desto besser für die Branche

von Isabel Strassheim - Die Branche erfindet sich neu, aber nicht ganz. Neue Produkte wie E-Zigaretten oder Dampfer sind hochprofitabel.

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Teurer Rauch: 700 Milliarden Dollar hoch ist der derzeitige weltweite Jahresumsatz mit Filterzigaretten. Der Umsatz mit herkömmlichen Zigaretten bricht jedoch in Europa und den USA ein. Die Branche setzt deswegen auf neue Produkte. Junge Männer rauchen häufiger als junge Frauen: Die Ergebnisse der Schweizerischen Gesundheitsbefragung. Deutlich weniger: Die Zahl der Zigaretten pro Tag nimmt ab. Bei Männer und bei Frauen in der Schweiz. Die Schweiz ist ein wichtiger Standort für die Tabakindustrie. Alle grossen internationalen Konzerne – Philip Morris, BAT und Japan Tobacco International – haben hier Hauptsitze für Forschung, Adminstration und Produktion. Der britische Konzern BAT stellt in seiner Fabrik im Jura Zigaretten her. Unter anderem Pall Mall, Dunhill, Kent oder Parisienne. Die meisten der in der Schweiz produzierten Zigaretten sind für den Export bestimmt. Der Exportwert von Schweizer Käse ist fast gleich so hoch wie der von Zigaretten. Die Schweiz ist für die Tabakindustrie ein so wichtiger Standort, weil es hier im Gegensatz zur Europäischen Union keine Grenzwerte für den Nikotin- und Teergehalt von für den Export bestimmten Zigaretten gibt. In Australien schocken Fotos mit Raucherkrankheiten auf der Zigarettenpackung. In vielen anderen Staaten sind die Anti-Raucher-Kampagnen weniger stark. Für Investoren sind Aktien von Tabakkonzernen wie BAT zum Teil beliebte Papiere. Denn die Firmen sind meist sehr profitabel und weisen Gewinnmargen wie die Pharmaindustrie auf.

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Die Tabakbranche will die Welt jetzt rauchfrei machen: Philip Morris International (PMI), der grösste internationale Zigarettenkonzern, spricht von einem «dramatischen Entschluss». Der Druck von Gesundheitsbehörden und der Zeitgeist in Europa und den USA ist so stark geworden, dass sich die Industrie als Teil der Anti-Raucher-Kampagne gibt.

Dabei ist der weltweite Markt von E-Zigaretten und Dampfern mit 10 Milliarden Dollar noch klitzeklein. Mit Filter-Zigaretten beträgt der Umsatz 700 Milliarden Dollar.

Tiefere Steuern bedeuten mehr Gewinn

Die Gewinnmargen für die Sticks oder Liquids aber sind immens, obwohl sie anders produziert werden. Schon bislang lagen die Profite der Tabakindustrie bei 30 bis 40 Prozent und entsprachen der Pharma- oder IT-Branche, was sie zu gesuchten Aktienpapieren machte. Für neue Produkte wie Iqos, das vom US-Konzern PMI in seinem Forschungszentrum am Neuenburger See für rund 2 Milliarden Dollar entwickelt wurde, liegt der Gewinnanteil noch höher: «Wenn man von den gleichen Verbrauchersteuern ausgeht, entsprecht er dem von Premiumzigaretten», teilt PMI-Sprecherin Iro Antoniadou auf Anfrage von 20 Minuten mit. Aber: Die Steuern sind tiefer.

Für Filterzigaretten gelten Tabaksteuern von 53 Prozent, für Dampfer sind sie nur bei 12 Prozent. Iqos Sticks werden mit 8 Franken jedoch fast zum gleichen Preis wie traditionelle Zigaretten verkauft. Damit kann die Steuerdifferenz als zusätzlicher Gewinn durchgehen. Am lukrativsten sind E-Zigaretten, denn für die Liquids gilt gar keine Tabaksteuer.

Ein Drittel weniger Filterzigaretten

Der Hype um die neuen Produkte ist aber auch deswegen so gross, weil die alten Zigaretten nur noch in ärmeren Ländern gut laufen, wo es kaum Präventionsprogramme gibt. Weltweit aber ist der Markt für Filterzigaretten in den letzten 14 Jahren um mehr als ein Drittel eingebrochen, so eine von Japan Tobacco International (JPI) präsentierte Statistik.

Die Analysten der Deutschen Bank sehen für die Branche dennoch bessere Wachstumsaussichten als für die Nahrungsmittelindustrie. Auch wegen den neuen Produkte. Wesentlich sei aber generell, ob Staaten tiefere Nikotinbegrenzungen setzten.

Je mehr Nikotin, desto besser für die Konzerne

Die Tabakunternehmen bleiben nämlich mit ihren Neuentwicklungen hauptsächlich aufs Nikotin konzentriert. Denn das ist der Stoff, der süchtig macht, und ist damit der Kitt zwischen Konsumenten und Konzernen. Die E-Zigaretten gibt es zwar fast alle auch nikotinfrei. Doch noch immer gilt: Je mehr Nikotin, desto besser ist das für die Industrie.

In den USA wird die E-Zigarette Juul, für die der PMI-Mutterkonzern Altria letzten Monat 13 Milliarden Dollar für eine 35 Prozent-Beteiligung gezahlt hat, mit einem Nikotingehalt von 59 Milligramm pro Milliliter verkauft. Das ist immens hoch. In der EU liegt der Grenzwert bei 20 Milligramm. Die Schweiz kennt noch keine Limite, vorerst gilt EU-Recht.

Schweiz erlaubt Export verbotener Zigaretten

«Alle unsere Produkte sollen die Konsumentengewohnheiten und den Geschmack des Marktes treffen sowie auch den jeweiligen Gesetzen entsprechen», so PMI-Sprecherin Antoniadou. Die Unterschiede zeigen sich auch bei Filterzigaretten: Für den afrikanischen Markt stellt PMI in seinen Schweizer Werken Marlboro Soft mit höheren Nikotinwerten her. Wie die Organisation für Entwicklungspolitik Public Eye in Laboranalysen herausgefunden hat, beträgt dieser 1,12 mg, in der Schweiz erlaubt ist maximal 1 Milligramm. Dieser Gesundheitsschutz gilt allerdings nicht für zum Export bestimmte Zigaretten.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nichtmehrraucherin am 28.01.2019 12:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer rauchen will der raucht

    Hört alle endlich mit dieser verlogenen Heuchelei auf. Es geht ja immer nur um Geld und nicht die Gesundheit.

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  • Sam am 28.01.2019 12:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    E zigis sind super fürs

    WC Bei der Arbeit wenns Rauchen verboten ist^^

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  • Theler am 28.01.2019 12:53 Report Diesen Beitrag melden

    Danke

    Und das Gute an diesem E-Zeugs ist, es hat mir ganz einfach vom Nikotin weggeholfen...Jetzt Nikotinfrei am dampfen...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Urs B am 29.01.2019 22:49 Report Diesen Beitrag melden

    nach 25 Jahren Rauchfrei

    Ohne die E-Zigarette hätt ich das nicht geschafft. Hab mit 25mgLiquids angefangen, dann schrittweise auf null reduziert. Anschliessend eine Woche auf ein Liquid ohne Nikotin aber mit cbd. Fertig und das war erstaunlich einfach

  • nicotin am 29.01.2019 22:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    100 mal versucht, aufhören

    in Kopf muss es stimmen, ich habe gern geraucht und hätte nie gedacht das es mir besser geht ohne meinem freund, nicotin macht extrem schnell suchtig.

  • Jogii am 29.01.2019 19:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    10 Monate rauchfrei

    bald 10 monate rauchfrei... ca 2 päckli geraucht früher... jeder kann es schaffen... nur die ersten 3 wochen sind hart !!! ich fühle mich 1000mal besser.

    • Anes am 29.01.2019 20:11 Report Diesen Beitrag melden

      @Jogii

      Gratulation! Bei mir sind es im März 3 Jahre :-)

    • Dr. Brko am 29.01.2019 20:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Jogii

      Das kann ich bestätigen! Bei mir waren es um Schnitt auch fast 2 Päckli am Tag. Bin jetzt seit 6 Wochen rauchfrei. Bin glücklich dieses Laster losgeworden zu sein und nein, das Aufhören es ist nicht so schlimm wie man denkt.

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  • Dr. Vape am 29.01.2019 16:56 Report Diesen Beitrag melden

    Es lohnt sich!

    Ich bin seit drei Jahren Dampfer und mische mir die Liquids selber. Bestelle alles bei renommierten Herstellern und komme so auf tägliche Kosten von ca. 0.70 CHF. Ausserdem darf ich im Unternehmen drinnen dampfen. Was ich schon an Geld gespart habe, wenn man die Arbeitszeit noch rechnet (Ausstempeln) will ich gar nicht wissen... Ich stinke nicht mehr, habe endlich wieder Geschmack beim Essen. Ich kann es nur empfehlen!

  • payassli am 29.01.2019 16:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Wahrheit

    Rauchen ist gesund. Es regt das denken an und hebt die Stimmung. Zudem wird ein Schutzschild über die inneren Organe gelegt.

    • Frau Fuzzinello am 29.01.2019 22:53 Report Diesen Beitrag melden

      Es schützt auch vor Alzheimer

      Durch die Nikotin Einlagerungen im Myelin an den Axomen beugt es erwiesenermassen Alzheimer vor. Das weiss jeder Arzt, nur geben die meisten se nur ungern zu.

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