Auswanderungspläne

29. Juli 2014 16:24; Akt: 29.07.2014 16:24 Print

Reiche Russen suchen ihre Ahnen im Ausland

Reiche Russen klopfen ihre Stammbäume nach ausländischen Vorfahren ab. Denn dank solcher Ahnen könnten sie eine andere Staatsbürgerschaft beantragen – und Russland verlassen.

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Spätestens seit EU und USA verschärfte Sanktionen gegen Russland erlassen haben, geht bei den Reichen des Landes die Angst um. Die Elite fürchtet, ihr Geld zu verlieren. Einer, der davon profitiert, ist der russische Ahnenforscher Wladimir Paley. Laut dem Wirtschaftsportal Business Insider wird er immer häufiger damit beauftragt, in Stammbäumen reicher Russen nach ausländischen Vorfahren zu suchen.

Das Ziel: Mit dem Beweis solcher Ahnen wollen die Reichen in den entsprechenden Ländern eine Staatsbürgerschaft beantragen.

Vor sechs Monaten hatte Paley noch kaum solche Anfragen. Momentan muss er einen Assistenten beschäftigen, der ihn bei der Bewältigung der Aufträge unterstützt. Zu seiner Klientel sagt der Wissenschaftler: «Das sind Leute, die bereits Geld gemacht haben und nun fürchten, dieses zu verlieren.»

Zahl der Auswanderer steigt

Für Russlands Wirtschaft könnte die Abwanderung der Elite fatale Folgen haben: «Wir verlieren unsere gebildetsten und innovativsten Kräfte», sagt Lev Gudkov, Direktor des Meinungsforschungsinstituts Levada, zu Business Insider. Er schätzt, dass in den letzten zwölf Jahren rund drei Millionen Bürger Russland verlassen haben – gleich viele wie in den ersten Jahren nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion.

Offizielle Zahlen des russischen Statistikamtes Rosstat zeigen: Die Zahl der Emigranten steigt. Im vergangenen Jahr verliessen über 186'000 Menschen Russland, 2012 waren es 123'000 und 2011 lediglich 37'000 gewesen. Laut Experten ist diese Zahl in der Realität aber noch viel höher: «Die offiziellen Zahlen sind sehr niedrig», sagt Mikhail Gorshkov, Direktor des wissenschaftlichen Instituts für Soziologie in Russland.

(ame)