Japan in Trümmern

14. März 2011 23:00; Akt: 14.03.2011 23:07 Print

Reisebüros reagieren auf die Katastrophe

Nachdem das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) ausdrücklich von Reisen in gewisse Gebiete Japans abrät, zeigen sich die Reiseveranstalter kulant.

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In den 12 japanischen Toyota-Werken stehen die Fliessbänder bis am Mittwoch still. Das drückt die Produktion um 40 000 Fahrzeuge. Der Ausfall kostet Toyota täglich 50 Mio. Euro. Honda will seine Produktion bis Sonntag einstellen und auch bei Nissan stehen die Förderbänder still. An der Börse tauchten Toyota und Honda um 8 Prozent, Nissan um 10 Prozent. Das Erdbeben hat mehrere AKW stark beschädigt - allen voran das Werk Fukushima des Betreibers Tepco. Die Tepco-Papiere wurden wegen Panikverkäufen vom Handel ausgesetzt. Sony hat die Produktion in 8 Werken angehalten. Wann sie wieder aufgenommen wird, ist unklar. An der Börse gab die Sony-Aktie 9 Prozent nach. Auch Canon schloss Produktionsstätten. Die Papiere des Toshiba-Konzerns - dessen Produktpalette von Halbleitern bis zu Kernkraftwerken reicht - brachen um 16 Prozent ein. Die Chip-Fabrik in Nordjapan ist geschlossen. Japan ist der zweitgrösste Stahlproduzent der Welt. Der Hersteller Sumitomo Metal - die Nummer drei der Welt - hält das Hauptwerk geschlossen. Der Aktienkurs brach um mehr als 8 Prozent ein. Auch Nippon Steel und JFE Steel haben die Fabriken dichtgemacht. Wegen weltweiter Überkapazitäten im Stahlsektor gehen Analysten davon aus, dass der Ausfall durch andere Länder ausgeglichen wird. Der Tsunami hat mindestens sechs japanische Häfen schwer beschädigt. Nach Angaben von Hafenbetreibern werden sie Monate, wenn nicht sogar Jahre ausser Betrieb bleiben. Die Flutwelle hat dutzende Container-Schiffe zerstört. Branchenkenner erwarten, dass die Frachtschifffahrt erst in Monaten wieder ihr normales Niveau erreicht. Auf die Versicherer rollt eine Kostenlawine zu. Der Handel mit Aktien von MS&AD Insurance, Tokio Marine Holdings Inc und NKSJ Holdings wurde wegen der Fülle von Verkaufsanträgen ausgesetzt. Die Futtermittelindustrie im Norden Japans ist schwer getroffen. Dort werden 17 Prozent der japanischen Produktion hergestellt. Japan ist drittgrösster Käufer von Sojabohnen und der grösste Käufer von Mais. Profiteure der Katastrophe sind die Baufirmen. Sie erwarten beim Wiederaufbau Aufträge in Milliardenhöhe. Die Aktien von Baufirmen schossen teilweise um über 40 Prozent in die Höhe.

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Bei Hotelplan kann man kostenlos von Japan-Reisen zurücktreten, wie Valentin Handschin, Mediensprecher von Hotelplan Suisse, am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA sagte. Vorderhand gelte das Angebot für Reisen mit Abflugdatum bis und mit am 27. März.

Davon betroffen seien 23 Reisende - bei allen sei die Änderung bereits erledigt, sagte Handschin: Einige hätten sich selbst gemeldet, die übrigen habe das Reisebüro von sich aus kontaktiert. Je nach individuellen Wünschen seien die Abflüge vorerst einmal verschoben worden oder die Kunden hätten auf andere Destinationen umgebucht.

Japan-Reisen laufen laut Handschin vor allem unter der Marke «Wettstein», dem Hotelplan-Asienspezialisten. Unter der eigenen Marke führe man keine entsprechenden Angebote.

Auch bei TUI Suisse kann man Abreisen bis und mit 31. März gebührenfrei stornieren oder umbuchen, wie der Veranstalter mitteilte. Die Änderung späterer Abflüge werde vorderhand nach den üblichen Bedingungen gehandhabt. Die Kunden oder Buchungsstellen würden kontaktiert, damit das weitere Vorgehen besprochen werden könne.

TUI sei mit den lokalen Partnern laufend in Kontakt, heisst es in der Mitteilung. Man verfolge die Entwicklung aufmerksam. Zur Zeit befänden sich keine Kunden in Japan.

Noch kein Entscheid bei Kuoni

Noch keine Entscheidung über das Vorgehen bei Japanreisen ist beim Reiseveranstalter Kuoni gefallen. Man wolle noch ein paar Tage zuwarten, wie sich Versorgungslage und die Atombedrohung entwickle, sagte Mediensprecher Peter Brun.

Kuoni habe kein ausgedehntes Japan-Programm im Angebot, so Brun. Erst im April starte eine Rundreise durch Südjapan, zu der auch ein Chinabesuch gehöre. Bisher hätten etwa ein Dutzend Reisende dieses Angebot gebucht.

Im Laufe dieser Woche werde Kuoni «aktiv auf diese Personen zugehen» und mit ihnen das weitere Vorgehen planen und individuell über Umbuchungen oder Reiserücktritte sprechen. Ob solche Umbuchungen oder Rücktritt dann kostenfrei seien, werde man ebenfalls erst in ein paar Tagen entscheiden, sagte Brun.

(sda)