KOF-Prognose

16. Dezember 2011 23:49; Akt: 16.12.2011 23:49 Print

Rezession und Stagnation

Bei den Prognostikern herrscht Pessimismus, sie korrigieren die Aussichten für das Wirtschaftswachstum in der Schweiz laufend nach unten. Das gilt auch für die KOF.

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Die Experten der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) sehen eine zeitweilige Rezession auf die Schweiz zukommen. Bereits im aktuellen vierten Quartal 2011 werde das Bruttoinlandprodukt (BIP) um 0,2 Prozent schrumpfen. Im ersten Quartal 2012 werde die Schweizer Wirtschaftsleistung noch um 0,1 Prozent zurückgehen.

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Danach werde sich die Schweizer Wirtschaft leicht erholen und auf den Wachstumspfad zurückkehren, allerdings unter dem Vorbehalt, dass sich die europäische Schuldenkrise nicht weiter intensiviert. Für das Gesamtjahr 2012 schätzt die KOF in ihrer am Freitag publizierten Winterprognose das BIP-Wachstum auf 0,2 Prozent. Im Herbst war sie noch von 1,5 Prozent ausgegangen.

Kaum Impulse kämen derzeit vom Aussenhandel: Die Exporte hielten dem Druck des starken Frankens sowie der nachlassenden Auslandnachfrage nicht mehr stand, urteilt die KOF. Bereits seit dem zweiten Quartal 2011 seien die Exportzahlen rückläufig, ein Trend, der sich bis Ende 2011 weiter fortsetze. Eine Erholung wird hier erst Mitte 2012 erwartet.

Investitionen werden zurückhaltend getätigt

Aufgrund der pessimistischen Absatzerwartungen zeigten sich die Schweizer Unternehmen bei den zukunftsgerichteten Ausgaben zunehmend zurückhaltend. Der Rückgang der Ausrüstungsinvestitionen, der bereits im zweiten Quartal 2011 eingesetzt hat, dürfte sich demnach bis ins kommende Jahr hinein halten, schätzt die KOF.

Besser entwickelten sich die Bauinvestitionen, wobei vor allem der starke Wohnbau im Jahr 2012 für ein 1,8-Prozent-Wachstum im Gesamtbau sorgen würde.

Die Arbeitslosigkeit werde ausserdem wieder zunehmen. Bis zum zweiten Quartal 2012 rechnet die KOF mit einem Verlust von 13 000 Stellen, die darauffolgende Erholung am Arbeitsmarkt falle bescheiden aus. Im Jahresdurchschnitt 2012 werde die Arbeitslosenquote bei 3,3 Prozent liegen. In ihrer Herbstprognose hatte die KOF noch eine Rate von 3,0 Prozent vorausgesagt.

Anhebung der Euro-Untergrenze keine Lösung

Die KOF sieht ausserdem - im Gegensatz zu Wirtschaftsverbänden und Unternehmern der Exportindustrie - in einer Anhebung der Euro- Untergrenze auf mindestens 1,30 Franken keine Lösung für die aktuellen Wachstumsprobleme der Schweizer Wirtschaft.

Eine weitere Hebelung der Untergrenze könnte angesichts der Unsicherheiten im Euroraum massive Interventionen an den Devisenmärkten notwendig machen, urteilten die KOF-Ökonomen. Dies bringe entsprechende Risiken für die längerfristige Teuerungsentwicklung mit sich.

Da es sich bei der Krise im Euroraum um ein strukturelles Problem handle, seien konjunkturpolitische Massnahmen wenig erfolgversprechend.

Ihre 2012-Wachstumsprognose für die Europäische Union - den wichtigsten Handelspartner der Schweiz - schraubte die KOF angesichts der verschlechterten weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen von 1,6 auf 0,6 Prozent zurück. Die Prognose für den zweitwichtigsten Handelspartner, die USA, hob sie jedoch gegenüber der Herbstprognose von 1,7 auf 1,9 Prozent an.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pius am 17.12.2011 12:54 Report Diesen Beitrag melden

    Tief einatmen und durch!

    Die Welt ist nicht einfach. Die Schweiz wird darum sehr erbittert kämpfen müssen um überhaupt den heutigen Stand halten zu können. Etwas grosses werden wir sowieso nicht erreichen, nur verteidigen. Dann werden wir sehen ob wir einen stabilen, starken und passenden BR haben. Ich bezweifle es.

  • CHris am 17.12.2011 10:06 Report Diesen Beitrag melden

    Wir können nicht immer Wachsen

    Es ist doch logisch, dass die Wirtschaft nicht unbeschränkt wachsen kann! Lieder weniger Wachstum als all 2 Jahre eine Wirtschaftskriese.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Pius am 17.12.2011 12:54 Report Diesen Beitrag melden

    Tief einatmen und durch!

    Die Welt ist nicht einfach. Die Schweiz wird darum sehr erbittert kämpfen müssen um überhaupt den heutigen Stand halten zu können. Etwas grosses werden wir sowieso nicht erreichen, nur verteidigen. Dann werden wir sehen ob wir einen stabilen, starken und passenden BR haben. Ich bezweifle es.

  • CHris am 17.12.2011 10:06 Report Diesen Beitrag melden

    Wir können nicht immer Wachsen

    Es ist doch logisch, dass die Wirtschaft nicht unbeschränkt wachsen kann! Lieder weniger Wachstum als all 2 Jahre eine Wirtschaftskriese.