Daten-Missbrauch

21. März 2018 19:50; Akt: 22.03.2018 16:25 Print

Dieser US-Milliardär steckt hinter dem FB-Skandal

von Dominic Benz - Cambridge Analytica stürzt Facebook in die Krise. Möglich machte das ein erzkonservativer Superreicher.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Robert Mercer meidet die Öffentlichkeit. Das verdeutlicht schon die prunkvolle Villa des konservativen Milliardärs: Sie steht unweit von New York City auf Long Island und heisst Eulennest. Die mit Pflastersteinen besetzte Zufahrt ist lang. Von der Strasse aus ist das Haus kaum zu sehen.

Umfrage
Haben Sie noch Vertrauen in Facebook?

Ebenso wenig Einblicke gibt Mercer auf seine Person. Mit Journalisten spricht der 71-Jährige nicht. Seine Fäden spinnt er im Hintergrund. Und das so richtig: Mercer steckt als Hauptfinancier hinter Cambridge Analytica (CA). Das Datenanalysten-Unternehmen ist für den aktuellen Daten-Skandal bei Facebook mitverantwortlich.

Bannon holte Mercer an Bord

CA soll mit ihrer Daten-Wunderwaffe nicht nur Donald Trump ins Weisse Haus gehievt haben. Auch andere politische Kampagnen rund um den Globus dürfte die Firma beeinflusst haben. Laut Medienberichten soll das etwa bei den Regierungswahlen in Kenia 2013 und 2017 oder bei der Brexit-Abstimmung passiert sein.

Möglich war dies mit den Millionen von Mercer, der seit fast 50 Jahren verheiratet ist und drei Töchter hat. Er investierte 2013 in die Anfänge von CA – auf Geheiss von Trumps Ex-Berater Steve Bannon. Dieser soll später selbst für kurze Zeit im Aufsichtsrat gewesen sein. Insgesamt dürfte Mercer rund 15 Millionen in CA gesteckt haben. Mittlerweile sitzt Mercers Tochter Rebekah im Aufsichtsrat der Firma und hat dort das Sagen. Laut Berichten soll sie im Zuge des jetzigen Skandals über einen Austritt nachdenken.

Millionen für Breitbart

Vater Robert ist Mitglied der Waffen-Vereinigung National Rifle Association (NRA) und gehört zu den wenigen US-Milliardären mit starkem Einfluss auf die US-Politik. In den letzten zehn Jahren soll der Konservative über 100 Millionen Dollar in politische Kampagnen gesteckt haben. Unter anderem spendete er laut «Zeit» für die Beibehaltung der Todesstrafe in Nebraska oder unterstützte Kritiker der Klimaerwärmung.

In der Gunst von Mercer steht auch Breitbart. Die ultra-rechte Nachrichtenseite soll vom Milliardär laut «Bloomberg» über zehn Millionen Dollar erhalten haben. Letztlich schoss Mercer Millionen direkt in die Wahlkampagne von Donald Trump ein und zählt zu dessen wichtigsten Unterstützern. Mercers Spenden beflügelten die rechtspopulistische Stimmungsmache.

Mehr Forschungslabor als Investmentfirma

Sein immenses Vermögen scheffelte Mercer beim Hedgefonds Renaissance Technologies, zu dem er 1993 stiess und 2009 die Leitung übernahm. Der Hedgefonds schliesst mit Hilfe von mathematischen Berechnungen auf Trends an den Finanzmärkten und handelt auf dieser Basis mit Wertpapieren.

Laut Insidern hat das Unternehmen mehr Ähnlichkeit mit einem Forschungslabor als mit einer Investmentfirma. Angestellt sind unter anderem Astrophysiker und viele Mitarbeiter mit Doktortitel, schreibt die «Zeit». Allein 2015 soll Mercer laut Schätzungen rund 150 Millionen Dollar verdient haben. Ende letzten Jahres kündigte er seinen Rücktritt aus der Leitung an.

Voraussetzung für Apples Siri

Angefangen hatte der studierte Physiker und Mathematiker als Software-Entwickler beim IT-Konzern IBM. Dort war er zuständig für Spracherkennungsprogramme. Diese Forschungsarbeiten verhalfen letztlich den heute gängigen Programmen wie Google Translate oder Siri aus dem Hause Apple zum Durchbruch.

Zum jetzigen Daten-Skandal rund um Facebook und Cambridge Analytics wird sich Mercer wohl kaum öffentlich äussern. Er dürfte die Entwicklungen aus sicherer Distanz von seinem Eulennest aus beobachten. Für ihn war Rückzug schon immer eine Tugend. «Ich liebte die Einsamkeit des Computerlabors spät nachts, den Geruch der Klimaanlagenluft, das Geräusch der surrenden Datenträger und das Klacken der Drucker», sagte er laut «Zeit» über seine IBM-Arbeit vor ein paar Jahren bei einer Dankesrede.

sentifi.com

20min_ch_app Sentifi Börseneinblicke aus den sozialen Medien

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • sere am 22.03.2018 11:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gier gier gier

    so geht das heute. geld investieren um seine macht zu festigen und noch reicher zu werden um schlussendlich sich vor der verantwortung zu drücken. menschen ohne moral und gewissen werden so von der gesellschaft gezüchtet und noch gefördert. ich wäre dafür dass es weltweit ein gesetz gibt, dass man in einem solchen fall der person alles nehmen dürfte. dann hätten sie wohl auch mehr respekt davon was sie tun.

  • Simon am 22.03.2018 12:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Er ist ne "Heuschrecke"

    Die Frage die ich mir jetzt stelle: wieviel hat er daran nun verdient?

  • Reto am 22.03.2018 16:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abstimmung

    Ich könnte mir vorstellen, dass er auch in der Schweiz bei Abstimmungen die Finger im Spiel hatte. Würde mich nicht wundern. Es gab komische abstimmungs Resultate

Die neusten Leser-Kommentare

  • Manfred B. am 29.03.2018 16:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So isches

    Zuerst das Geld, und dann die Macht.

  • Martial2 am 24.03.2018 22:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Millionen ohne Dreck am Stecke

    Ein sehr gescheiter Mann mit unsauberen Geschäfte!

  • Lexx Luthor am 23.03.2018 04:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Russland einmal verschont

    Die Architekten der New World Order haben es diesmal nicht geschafft, das Böse auf Russland abzuschieben, wie interessant.

  • Sandra Müller am 22.03.2018 23:41 Report Diesen Beitrag melden

    Wie kann man Kinder erziehen?

    Wie kann man noch Kinder so erziehen dass sie "anständige" Menschen werden wenn so viel betrogen und gelogen wird?

    • Schizo Vreni am 23.03.2018 06:57 Report Diesen Beitrag melden

      @Sandra Müller

      Schenk ihnen Liebe und sie geben es Dir und schlussendlich der Gesellschaft zurück. Es kommt auf die Erziehung an.

    einklappen einklappen
  • Phil Nh am 22.03.2018 23:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vergesst es einfach

    Ihr solltet solchen Themen aus dem weg gehen sonst sieht ihr die Welt von der Seite wo ihr es nicht mehr verstehen könnt und ihr euer Vertrauen in die von euch gesetzten Werte verliert.

    • QAnon am 23.03.2018 06:59 Report Diesen Beitrag melden

      Bloss nicht!

      Das ist auch richtig so. Man darf nicht ewig die Augen vor der realen Welt verschliessen. Es ist verstörend am Anfang, aber auf einmal ergibt viel mehr einen Sinn. Schöns Tägli ;-)

    einklappen einklappen