Pharma

02. Februar 2011 07:06; Akt: 02.02.2011 17:50 Print

Roche-Aktien verlieren trotz mehr Gewinn

Ein enttäuschendes Ergebnis und ein gedämpfter Geschäftsausblick haben den Roche-Genussscheinen einen Kursverlust von bis zu 2,9 Prozent beschert.

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Gutes Jahresergebnis 2010 für die Pharmafirma Roche. (Bild: Keystone)

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Der Basler Pharmakonzern Roche hat 2010 seine Ziele erreicht. Zwar ging der Umsatz um 3 Prozent auf 47,5 Mrd. Fr. zurück, dagegen stieg der Konzerngewinn um 4 Prozent auf 8,9 Mrd. Franken. Der Konzern sieht sich dank seiner Pipeline mittelfristig gut gerüstet.

Trotz des leichten Umsatzrückgangs sprach Konzernchef Severin Schwan am Mittwoch vor den Medien von einem «sehr soliden Ergebnis» in einem schwierigen Umfeld. In Lokalwährungen seien die Verkäufe stabil geblieben, und ohne das Grippe-Mittel Tamiflu sei konzernweit gar ein Plus von 5 Prozent erzielt worden.

Die Division Pharma verzeichnete mit einem Umsatz von 37,1 Mrd. Fr. ohne Tamiflu ebenfalls ein Wachstum von 5 Prozent. Der weltweite Pharmamarkt legte nach Roche-Angaben nur um 1 Prozent zu. Die Diagnostika-Division erzielte einen Umsatz von gut 10 Mrd. Franken. Das Plus von 8 Prozent in Lokalwährungen liegt ebenfalls über dem auf 5 Prozent bezifferten Wachstum des Weltmarkts.

2,3 Milliarden weniger bei Tamiflu

Bei Tamiflu kam es 2010 zum erwarteten Einbruch. Der Umsatz des im Vorjahr von zahlreichen Regierungen zur Pandemievorsorge gekauften Grippemittels brach um 2,3 Mrd. Fr. auf 873 Mio. Fr. ein. Für 2011 geht Schwan von noch 200 bis 300 Mio. Fr. aus.

Obwohl Tamiflu an Bedeutung verlor, verfügte Roche 2010 über zehn sogenannte Blockbuster mit einem Umsatz von mehr als einer Milliarde. Für den Spitzenreiter Avastin, der letztes Jahr fast 6,5 Mrd. Fr. einbrachte, reduzierte Roche das Umsatzpotenzial von 9 auf 7 Mrd. Franken, weil die US-Behörden dem Medikament die Zulassung für Brustkrebs entzogen haben.

Avastin bleibt jedoch laut Schwan ein «phantastisches Produkt», zumal als neue Indikation Eierstockkrebs hinzukommen soll und das teure Krebsmedikament auch in den Schwellenländern wie China oder Brasilien immer gefragter werde. In diesen wachsenden Märkten erzielt Roche inzwischen einen Viertel seines Pharmaumsatzes.

Aufgegeben hat Roche die Hoffnung, dass dereinst auch das Diabetesmittel Taspoglutid zum Blockbuster wird. Die Entwicklung dieses Medikaments wird eingestellt und die Lizenz an die französische Ispen zurückgegeben. Zu diesem Schritt kam es, weil in einer spätklinischen Phase viele Probanden mit Übelkeit auf das Mittel reagierten.

12 neue Wirkstoffe

Trotz dieses Rückschlags ist Schwan für die mittel- und längerfristige Zukunft zuversichtlich. Grund ist die Pipeline, die mit 12 völlig neuen Wirkstoffen in der späten Entwicklungsphase zu den stärksten der Industrie gehöre. Für 20 bestehende Medikamente laufen zudem Projekte für eine Erweiterung der Zulassung.

«Enorme Fortschritte» vermeldet Schwan bei der personalisierten Medizin, auf die Roche den Fokus richtet. 6 der 12 neuen Wirkstoffe werden mittels ebenfalls von Roche hergestellter Diagnostika auf ganz bestimmte Patienten zugeschnitten. Ein Beispiel dafür ist ein Medikament gegen schwarzen Hautkrebs, für das Roche auf die Zulassung noch in diesem Jahr hofft.

Obwohl staatlich verfügte Preisreduktionen in den USA, in Europa und in Japan das letztjährige Ergebnis mit 770 Mio. Fr. belasteten, konnte Roche die Profitabilität weiter steigern. So stieg der zum ersten Mal ausgewiesene Kernbetriebsgewinn in Lokalwährungen um 7 Prozent auf 16,6 Mrd. Franken.

Auf Kurs ist Roche laut dem CEO mit dem im November angekündigten Restrukturierungsprogramm. Dieses sieht weltweit den Abbau von 4800 der 82'000 Stellen vor. In der Schweiz sollen 770 von 10'800 Stellen wegfallen. Für das Programm setzte Roche 2010 bereits 1,3 Mrd. Fr. ein. Die Restrukturierungskosten sind auf insgesamt 2,7 Mrd. Fr. veranschlagt.

Laut Schwan sind die Verhandlungen über den Sozialplan abgeschlossen und die Mehrzahl der Betroffenen informiert. Zudem habe man die Veräusserung von Produktionsstätten eingeleitet. Vom Programm, das laut Schwan einmaligen Charakter hat, erhofft sich Roche für 2011 Einsparungen von 1,8 Mrd. Fr. und ab 2012 eine Entlastung um jährlich 2,4 Mrd. Franken.

Gedämpfter Ausblick

Für 2011 fällt der Ausblick gedämpft aus. Beim Umsatz erwartet Roche ein niedriges einstelliges Wachstum. Pharma soll für einmal lediglich mit dem Weltmarkt wachsen, Diagnostics dagegen deutlich kräftiger. Beim Gewinn will der Konzern erneut stärker zulegen als beim Umsatz.

Den Aktionären winkt für 2010 die 24. Dividendenerhöhung in Folge: Die Ausschüttung soll um 10 Prozent auf 6.60 Fr. angehoben werden. Das Jahresergebnis 2010 und die Perspektiven enttäuschten die Anleger. Die Genussscheine verloren bis zu 2,9 Prozent, schlossen dann aber lediglich 0,3 Prozent tiefer auf 144 Franken.

(sda)