Finma-Boss

18. August 2010 17:07; Akt: 19.08.2010 07:13 Print

Rücktritt ist Haltiners bester Entscheid

von Lukas Hässig - Der Rücktritt von Finanzmarktaufsichts-Präsident (Finma) Eugen Haltiner überrascht höchstens vom Timing. Für sein Handeln droht Haltiner die Verurteilung.

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Eugen Haltiner will nicht mehr FINMA-Präsident sein (Bild: Reuters/Pascal Lauener)

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In der Finanzkrise konnte sich die UBS auf ihren Mann in Bern verlassen. Die Rede ist von Eugen Haltiner, 62, ein langjähriger Kadermann der Grossbank. Als oberster Aufseher über den Schweizer Finanzmarkt (Finma) stützte Haltiner wiederholt den in Schräglage geratenen Tanker.

Nun tritt der Spitzenbeamte mit dickem UBS-Blut in den Adern auf Ende Jahr vorzeitig von der Bühne ab. Laut Haltiner erfolgt der Rücktritt „auf eigenen Wunsch“.

Zweifel bestehen. Der Entscheid ist nämlich das Eingeständnis eines Scheiterns. Zudem deutet er darauf hin, dass die Finma nichts Gutes von einem vor der Tür stehenden Entscheid des Bundesgerichts erwartet.

Die höchsten Richter im Land dürften in wenigen Wochen darüber befinden, ob Haltiner und seine Finma mit ihrem Beschluss, Kundendaten in einer Nacht- und Nebelaktion an die USA herauszugeben und damit das Schweizer Bankgeheimnis auszuhebeln, das Gesetz gebrochen haben.

Symbiotisches Verhältnis

Haltiner und UBS, das war ein symbiotisches Paar. Der Finma-Präsident stand vor seiner Berufung in die Hauptstadt über drei Jahrzehntelang im Dienst des Zürcher Finanzmultis. Als er dort rund um den Konkurs der Erb-Brüder einen Karriereknick erlitt, verschafften ihm seine Vorgesetzten den Job des obersten Aufsichtsbeamten.

Diesen führte der Generalstabsoberst ausser Dienst so aus, wie sich das seine langjährigen Kollegen in der UBS-Chefetage nicht besser wünschen konnten.

Unter Haltiner durfte die UBS – und die CS in etwas weniger ausgeprägtem Mass – riesige Wetten mit undurchsichtigen Anlagen eingehen. Spätestens die gigantische Bilanz, welche die UBS auftürmte, hätte Alt-Banker Haltiner wachrütteln müssen.

Noch gravierender war das aggressive Werben um unversteuertes Geld, bei dem die Grenzen der Legalität grob überschritten wurden, sicher in den USA, vielleicht auch in anderen Ländern. Die Finma und ihr Präsident wussten um die Offshore-Gepflogenheiten von Swiss Banking, Haltiner als UBS-Insider hatte besonders intime Kenntnisse. Passiert ist nichts, Haltiner und seine Aufsichts-Crew schauten dem Treiben jahrelang zu.

Netter Partner statt scharfer Watchdog

Als die USA der UBS mit Strafanklage drohten, fiel Haltiner vollends aus der Rolle. Statt die Machenschaften der UBS lückenlos aufzudecken und seine Ex-Chefs zur Verantwortung zu ziehen, leistete der Finma-Präsident massive Schützenhilfe. Zusammen mit dem damaligen Notenbankpräsidenten Jean-Pierre Roth bearbeitete der Finma-Chef seinen Vorgesetzten, Noch-Finanzminister Hans-Rudolf Merz, bis dieser der von Haltiners Juristen ausgearbeiteten Lösung zustimmte.

Am 18. Februar 2009 wurde der Plan Haltiner in die Tat umgesetzt. Die Finma übermittelte den US-Steuerbehörden die vermeintlich geschützten Daten von 250 Kunden, welche die UBS zuvor säuberlich aussortiert hatte. Haltiners Loyalität mit seinen früheren Chefs von der Zürcher Bahnhofstrasse ging soweit, dass er die volle Verantwortung für den Daten-Notabwurf übernahm.

Historische Chance verpasst

Eugen Haltiner hatte die grosse Chance, sich in der Krise als unabhängiger und unerbittlicher Aufsichtschef einen Namen zu machen. Davon war er weit entfernt. Als es darauf ankam, entpuppte er sich als das, was aufgrund seines Seitenwechsels von der grössten zu beaufsichtigenden Bank zur verantwortlichen Aufsichtsorganisation zu befürchten war: als einflussreichster und treuster Lobbyist der Schweizer Grossbanken.

Selbst beurteilt der Abtretende seine Zeit selbstverständlich anders. „Obwohl mir mein Entscheid nicht leicht gefallen ist, erfolgt er zu einem verantwortbaren Zeitpunkt“, lässt sich Haltiner in einer Stellungnahme der Finma von heute zitieren. „Die Fusion zur Finma konnte dank grossem Einsatz aller Beteiligten erfolgreich abgeschlossen werden. Ich bin überzeugt, dass sich die Finma unter ihrer starken Geschäftsleitung zielgerichtet weiterentwickeln und solide verankern wird.“

Sein frühzeitiger Rücktritt könnte sich als beste Entscheidung Haltiners entpuppen. Wählt der Bundesrat im Herbst einen unabhängigen Fachmann zum Nachfolger, der den Grossbanken mutig die Stirn bietet, wird sich der vorzeitige Personalwechsel für die Schweiz bezahlt machen.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Markus Wegmann am 18.08.2010 13:39 Report Diesen Beitrag melden

    Volkswirtschaft vs. Rechtsstaat

    Die Volkswirtschaft wurde vor Schaden bewahrt, aber zu welchem Preis? Kann man den Gesetzen der Schweiz noch trauen? oder kann man davon ausgehen das sie plötzlich rückwirkend geändert werden. Je länger ich in der Schweiz lebe umso weniger Vertrauen in unsere Volksvetreter habe ich. Den immer mehr wird mir bewusst das hier nicht das Volk vertreten wird, sondern nur eigene Interessen verfolgt werden. Der grossteil des Schweizer Volkes hat bereits resigniert (oder ist es einfach zu Faul um zu wählen).

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  • Heinz Fritschi am 18.08.2010 17:45 Report Diesen Beitrag melden

    Haltiner und Merz

    Musste Haltiner den Finanzminister wirklich derart bearbeiten wie im Artikel steht? Merz kommt aus der gleichen UBS Untergrund-Küche, das man man auch oft gemerkt.

  • Dan am 18.08.2010 17:56 Report Diesen Beitrag melden

    Wahlen 2011 - that's it

    Haltiner? FINMA? Uninteressant... Können wir eh NICHTS dazu sagen. Geht A kommt B... alles bleibt gleich. Nein, das Parlament muss mehr an die Zügel genommen werden. Und zwar dadurch, dass die Leute auch gefragt und hinterfragt werden. Ich jedenfalls 'werbe' schon heute bei jeder Gelegenheit dafür sich nicht aufzuregen, sondern lieber abzustimmen. Sich ausweinen aber nicht wählen = peinlich.

Die neusten Leser-Kommentare

  • robert holzwart am 20.08.2010 08:37 Report Diesen Beitrag melden

    unötig

    wir schweizer sind weltmeister im "im nachhinein als besser wissen" - besonders die journalisten. zur erinnerung: die ach so schlechte wirtschaft und unfähige politik hat uns doch besser durch die krise gebracht, als ganz europa und usa. zudem: die ubs-rettungsaktion hat überhaupt nichts gekostet, sondern generiert nun milliarden. aber das würde beim jammern stören.

  • peter erni am 19.08.2010 16:54 Report Diesen Beitrag melden

    bitte endlich offene karten

    alt ubs-general und ba ld auch ( endlich ) bk-general haltiner bezieht vom bund keine pension. vielleicht doch eine griffige abgangsentschsedigung ? er war nicht beamter, sondern nur beauftragter (mandatsverhaeltnis ).doch er bezog und bezieht seine pensiion von der ubs, die ihm unterstellt war ! tolles irrenhaus . da kann man gut fuer wenige hubnnderttausend ganz gut ein amt fuehren. der abgang von der ubs ist doch reiclich versuesst worden. warum und wuieviel ?

  • Roger Baumer am 19.08.2010 08:44 Report Diesen Beitrag melden

    Wilkommen in der Schweiz

    Vetternwirtschaft auf den oberen Etagen, wilkommen in der Schweiz! Einige Parteien decken die Manager und umgekehrt... Es wird Zeit, dass sich etwas ändert.

    • Reto am 19.08.2010 14:31 Report Diesen Beitrag melden

      Endlich !!!

      Herr Baumer hat's verstanden !!! Danke !!! Die Zeit ist schon lange reif (leider!) ...

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  • Fritz Von Au am 19.08.2010 08:19 Report Diesen Beitrag melden

    Profil

    Das Profil muss auf jedenfall lauten; mänlich, wischen 45 bis 60, Erfahrung im int. Geschäft einer Grossbank (UBS/CS, evtl. einer Versicherungsgesellschaft oder bei einer int. Bank im Ausland. Das Salär muss so atraktiv sein, dass die besten sich auch für diese Stelle interessieren. Für ein paar hundertausend Franken wird sich wohl kaum einer mit diesem Format für so eine Aufgabe interessieren. Ob der Bund aber bereit ist ein angemessenes Grundsalär von min. 3-4 Mio. zu bezahlen?

  • Peter Fürst am 19.08.2010 07:50 Report Diesen Beitrag melden

    Verwunderlich?

    Sonderlich überraschen solche Meldungen heute leider nicht mehr, unterscheidet sich unser "Überwachungssystem" wie andere Politischen Organe doch kaum von jenen einer Bananenrepublik, nur wird bei uns imemr wieder alles schöngeredet, dabei befinden sich an den Wichtigsten Stellen Personen welche schon vor ihrem Amtsantritt Positionen bekleideten die ihre Tätigkeit im politischen Umfeld schon zum Vornherein als nicht haltbar deklassieren, und sie in ihrer Handlungsweise deswegen als Grundsätzlich voreingenommen anzusehen sind, sowas nennt sich auch Korruption!