Verdeckte Abfindung für Vincenz

11. März 2018 03:06; Akt: 11.03.2018 11:28 Print

Vincenz kassierte mit Deals 4,7 Millionen

Der abtretende Raiffeisen-Präsident wollte für den in Untersuchungshaft sitzenden ehemaligen Chef, Pierin Vincenz, einen Beratervertrag durchbringen. Doch er scheiterte.

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Der in Untersuchungshaft sitzende Pierin Vincenz wehrt sich gegen den Vorwurf, er habe sich bei der Übernahme von Firmen durch die Raiffeisen-Bank und den Zahlungsabwickler Aduno unrechtmässig bereichert. Doch nun zeigen Dokumente, die der «SonntagsZeitung» vorliegen: Vincenz verdiente an zwei undurchsichtigen Deals fast 5 Millionen.

Ein gutes Geschäft für Vincenz und den ebenfalls in Untersuchungshaft sitzenden Geschäftspartner Beat Stocker war der Kauf der Firma Commtrain durch Aduno. Sie erhielten dank einer verdeckten Beteiligung 4,2 Millionen Franken, «wovon Herr Vincenz 1,7 Millionen Franken erhielt». Bei einem zweiten Deal erhielt Vincenz rund 3 Millionen Franken, angeblich als Darlehen.

Die Staatsanwaltschaft spricht allerdings von «möglicherweise zu unrecht erhaltenen Vermögenswerten». Angeblich soll Vincenz in diesem Zusammenhang seinen Nachfolger, Patrik Gisel, belogen haben. Vincenz bestritt stets, dass er illegal gehandelt habe. Ein Gutachten von Aktienrechtler Peter Forstmoser, das den Aduno-Deal rechtfertigen sollte, entpuppt sich jetzt aber als wertlos, denn der renommierte Jurist war nicht unabhängig. Wie er selber zugibt, vertrat sein Büropartner gleichzeitig Vincenz als Privatanwalt. Bezahlt hat alle Anwaltsrechnungen die Raiffeisen-Gruppe.

Rüegg-Stürms Beratervertrag für Vincenz

Einen wertvollen Verbündeten hatte Vincenz im abtretenden Raiffeisen-Präsidenten Johannes Rüegg-Stürm. Dieser versuchte ihm beim Abgang einen fünfjährigen Beratervertrag mit einem jährlichen Honorar von 500'000 Franken zuzuschanzen - was einem verdeckten Abgangsentschädidung von 2,5 Millionen Franken gleich gekommen wäre.

Rüegg-Stürm kam damit zwar nicht durch – er wurde vom Verwaltungsrat gestoppt. Aber diese Episode spielte eine wesentliche Rolle bei der Frage, ob er gehen müsse. Bereits vor einem Monat kam es zu einer Revolte der Raiffeisen-Regionalpräsidenten. Sie verlangten Rüegg-Stürms Abgang. Sie bekräftigten diese Forderung, nachdem der Präsident vergangenen Sonntag in einem Interview angekündigt hatte, noch mindestens bis 2020 bleiben zu wollen.

(roy)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • RegnumBohemiae 1182 am 11.03.2018 03:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Raffgier

    tja, wenn man den Hals nicht voll genug bekommt. Erbärmlich, solche Leute sollten Sozialstunden leisten, damit sie mal spüren, wie für Geld gearbeitet wird

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  • Expat am 11.03.2018 04:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Moralischer Abfall

    Diese Gier ist nicht mit Worten zu beschreiben, jedenfalls nicht mit Salonfähigen. Was geht in diesen Menschen vor. Sie sind in einem Alter, wo sie das Geld bis zu ihrem Ableben nicht einmal mehr alles ausgeben können. In Ihren Statements haben die immer von Kundenorientierung und Mitarbeitern als wertvolles Gut gesprochen und dann dieses Verhalten. Manches mag rechtlich nicht verfolgbar sein. Moralisch sind diese Banker für mich niedriger als ein Plankton. Hoffentlich werden sie richtig hart bestraft, auch wenn es nur mit Verachtung ist.

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  • Harley70 am 11.03.2018 07:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Überall das gleiche Spiel

    Da wird doch überall in den oberen Etagen gemauschelt. Und den Angestellten dann vorgejammert wie schlecht es gehe und man keine oder nur kleine Lohnerhöung geben kann, welche nicht einmal die Krankenkassenzeuerung deckt. Und weil sie dann so gut wirtschaften, noch einen satten Bonus sicj auszahlen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Hösch am 11.03.2018 12:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist nachdenken angesagt?

    -Unterstützen Aktienbesitzer (egal welcher Gesellschaft) solche Machenschaften nicht mit? -Ist Gewinnmaximierung bis zum Excess nötig? -Dient Kapitalismus unserer Gesellschaft, Ethik, oder verhält es sich umgekehrt? -Sollen wir wirklich Aktien kaufen, obwohl wir unter Leistungsdruck arbeiten und unter diesen AG -Formen leiden? Oder gleicht dieses Verhalten etwa eher eier Selbstzerstümmelung? -Fragen über Fragen die jeder selbstkritischer angehen sollte?

  • Matratzenbunker am 11.03.2018 12:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zur Raiffaisen gewechselt

    Weil ich dazumal dachte, dasd es noch zumindest eine Bank gibt, die seriös ist. Mythos zerstört...

  • rakete am 11.03.2018 11:56 Report Diesen Beitrag melden

    Sprachlos

    Man ist nur noch sprachlos ob solchen Bankern, und das in einer Genossenschaftsbank! Wasser predigen, Zinsen runterstreichen bei den Sparkonti auf 0,2%, aber selber Millionen ergaunern. Man kann nur hoffen dass hier ein Exempel statuiert wird das sich gewaschen hat, nicht nur an Vincenz, auch an Rüegg. Es bleibt die Unschuldsvermutung.

  • Peter am 11.03.2018 11:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Macchiavelli

    Gib jemandem Geld und Du lernst seinen Charakter kennen. Bei vielen leider einen sehr schlechten!

  • Eugen am 11.03.2018 11:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Glaubwürdigkeit ade

    Was soll ich nun meinem Berater bei der RB noch glauben?