Handy-Betrüger

17. Oktober 2017 06:54; Akt: 17.10.2017 08:42 Print

Rufen Sie auf diese Nummer niemals zurück

von Dominic Benz - Eine Welle rätselhafter Anrufe aus Tunesien überschwemmt derzeit Schweizer Handybesitzer. Was dahintersteckt, erklären Experten.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Marcos* iPhone klingelt nur kurz. So kurz, dass es zum Abheben nicht reicht. Was bleibt, ist der Hinweis auf einen verpassten Anruf. Und der kommt laut der Vorwahl +216 aus Tunesien. Doch Marco hat dort weder Verwandte noch Freunde. Daher hat er nicht zurückgerufen – zum Glück. «Ein Anruf kostet schnell 50 bis 100 Franken, auch wenn kein Gespräch stattfindet oder man gleich wieder auflegt», sagt Jean-Claude Frick, Telekom-Experte beim Vergleichsportal Comparis. Wer anruft, landet bei einem Call Center oder Telefonbeantworter.

Umfrage
Haben Sie auch schon betrügerische Anrufe aus Tunesien erhalten?

Bei den sogenannten Ping Calls handelt es sich um eine Abzocker-Masche. Derzeit sind Hunderte Schweizer betroffen. Der Trick: Betrüger mit einem Anschluss in Tunesien, Marokko oder Burundi lassen es nur kurz klingeln und provozieren so einen Rückruf. Wer zurückruft, muss wegen hoher Gebühren tief in die Taschen greifen. Frick rät daher: «Rufen Sie auf keinen Fall zurück.» Hinter den Anrufen würden meist professionelle Banden stecken.

Länder mit günstigen Rahmenbedingungen

Getätigt werden die Anrufe wahrscheinlich von Computern, die im Sekundentakt Tausende Nummern von Adresshändlern oder über das Zufallsprinzip wählen. Einerseits wollen die Betrüger herausfinden, ob die Telefonnummer aktiv genutzt wird, und andererseits einen Rückruf erzwingen, bei dem sie hohe Gebühren einstreichen.

Doch warum ausgerechnet Nummern aus Tunesien? «Die Betrüger suchen in der Regel Länder aus, in denen die Rahmenbedingungen für Ping Calls stimmen. Dazu braucht man einen Telekomanbieter, der einen Teil der verrechneten Telefongebühren an die Betrüger weitergibt, und einen Staat, der ein solches Vorgehen duldet», erklärt Ralf Beyeler, Telekomexperte beim Vergleichsportal Verivox. Geschnappt werden können die Betrüger kaum. «Die Chance ist gleich null», sagt Beyeler. Spuren könnten kaum zurückverfolgt werden.

Anrufe blockieren

Bei der Swisscom sind solche betrügerischen Anrufe bekannt, teilt sie auf Anfrage mit. Das Unternehmen empfiehlt, unbekannte ausländische Nummern nicht zurückrufen. Es seien etliche Bemühungen am Laufen, solchen Betrug zu unterbinden. Aber wieso sperrt die Swisscom nicht einfach die Nummern? Für das Festnetz werde ein Grossteil dieser Anrufe bereits mit einem Filter, den man aktivieren könne, abgefangen. «In Zukunft wird der Filter auch für Mobileanschlüsse eingeführt», heisst es bei der Swisscom. Bereits betroffene oder verunsicherte Kunden sollten sich aber dringend bei der Swisscom melden. Über das Smartphone lässt sich zudem eine Nummer jederzeit blockieren.

Für Schweizer Behörden ist die jüngste Welle von Ping Calls neu. Zwar habe es in der Vergangenheit bereits ähnliche Geschäftspraktiken gegeben, teilt das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) 20 Minuten mit. Bei den jetzigen Fällen sei aber neu, dass es sich um Rufnummern aus Tunesien oder Marokko handle.

Schwieriges Vorgehen

Aktiv wurde das Seco bisher nicht. Eine Intervention sei auch schwierig, so die Behörden. Das ginge nur über ein Rechtshilfegesuch oder die lokalen Behörden. Von Ping Calls betroffene Personen können allerdings über ein Formular auf der Webseite des Seco eine Beschwerde einreichen. Erst ab einer gewissen Anzahl von Beschwerden können die Behörden aktiv werden.

*Name der Redaktion bekannt.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Akex S. am 17.10.2017 07:06 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Verständnis

    Klaut jemand einem VIP ein paar Sexbilder kann man die Person quer durch die Welt aufspüren. Wird das Volk von Verbrechberbanden belästigt gibt es keine Möglichkeit dagegen vorzugehen. Das verstehe ich nicht.

    einklappen einklappen
  • Marius am 17.10.2017 07:01 Report Diesen Beitrag melden

    Bakom?

    Warum kann das Bakom diese, doch nun teils bekannten, Betrugsnummern nicht gleich für die ganze CH sperren? Würde viel Zeit und Ärger sparen...

    einklappen einklappen
  • Domino am 17.10.2017 07:02 Report Diesen Beitrag melden

    zurückrufen

    Man ruft auch nicht zurück, wenn man den Absender nicht kennt oder ausfindig machen kann. Wer macht denn sowas? Übergrosse Neugier?

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Cavi33 am 17.10.2017 20:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es ist schlimm

    Seit jemand von uns in Algerien ist werden wir pro Tag mindestens mit zwei Anrufen pro Handy belästigt. Wenn man niemand kennt dann muss man auch nicht zurück rufen.

  • Papierlischwizer am 17.10.2017 15:30 Report Diesen Beitrag melden

    Lustig

    Es ist schon witzig. Wenn irgend einer "wichtigen" Person etwas passiert oder man ein Bauernopfer braucht, kann man rund um die Welt alles und jeden zurückverfolgen. Aber bei organisierten Verbrecherbanden will niemand was wissen und allen sind die Hände gebunden. Ein Schelm, wer was böses denkt. Aber ich rufe grundsätzlich keine unbekannten Nummern zurück. Wer wirklich was will, kann und wird sich erneut melden, auch über andere Weg. Der Rest inklusive alle Betrüger, Pech gehabt.

  • Andi am 17.10.2017 14:46 Report Diesen Beitrag melden

    Wie ist sowas überhaubt möglich ?

    Verstehe ich echt nicht wie man über einen Anruf viel Geld verrechnen kann

  • Badlock am 17.10.2017 14:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Never

    Ich rufe grundsätzlich keine Nummer zurück, die ich nicht kenne und die auch nicht identifizierbar ist.

  • marko 32 am 17.10.2017 14:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schrecklich

    Schrecklich