Panikkäufe

15. März 2011 17:15; Akt: 15.03.2011 17:16 Print

Run auf Fertignudeln und Batterien

von Yuri Kageyama, AP - Dosennahrung und Batterien, Brot und Mineralwasser sind in Japan bereits aus vielen Supermärkten verschwunden, vor den Tankstellen bilden sich lange Schlangen.

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Die Menschen stehen vor den Supermärkten Schlange. (Bild: Keystone)

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Nach dem Erdbeben, dem Tsunami und der Angst vor dem GAU sieht sich das Land einem neuen Problem gegenüber: Panikkäufen. Auch weit von den Katastrophengebieten entfernt gehen den Geschäften die Waren aus. Die Behörden befürchten bereits, dass diese nicht notwendigen Hamsterkäufe die Lebensmittellieferungen an die wirklich Bedürftigen beeinträchtigen.

«Es herrscht Hysterie», sagt ein Sprecher des Fertignudelherstellers Nissin Foods, Tomonao Matsuo. «Die Menschen fühlen sich einfach sicherer, wenn sie Fertignudeln im Haus haben.» Das Unternehmen bemüht sich derzeit, trotz der Erdbebenschäden in seinen Fabriken die Produktion zu erhöhen. Es spendete auch bereits eine Million Portionen für die Opfer der Katastrophe.

Die Panikkäufe tragen zu den Versorgungsproblemen bei, die durch beschädigte und verstopfte Strassen, lahmgelegte Fabriken und Störungen im Bahnverkehr nach dem schweren Erdbeben vom Freitag entstanden sind. Der zuständige Minister für Verbraucherschutz, Renho, forderte die Japaner bereis auf, keine Waren zu kaufen, die sie nicht wirklich benötigen.

Stromabschaltungen erwartet

Im Supermarkt Family Mart westlich von Tokio sind dennoch viele Regale leer geräumt. Eigentümer Kazuhiro Minami erwartete am Dienstagnachmittag eine neue Lieferung. Allerdings kündigt er an, er werde sowieso schliessen müssen, wenn der Stromversorger wie angekündigt rund drei Stunden pro Tag den Strom abschalte. «Ich mache mir grosse, grosse Sorgen», sagt er.

Sogar im westlich gelegenen Hiroshima, das vom Erdbeben und dem Tsunami verschont blieb, gehen in den Geschäften die Batterien aus. In den Medien wurden die Menschen aufgefordert, keine grösseren Mengen Waren einzulagern.

Der japanische Elektronikkonzern Panasonic stiftete 500 000 Batterien, 10 000 Taschenlampen und und 2,1 Millionen Euro für die Opfer der Naturkatastrophe. Gleichzeitig bemüht sich das Unternehmen, die Produktion in seiner Fabrik in Osaka zu steigern. Auch die Lieferungen aus den Fabriken in Thailand und Indonesien wurden erhöht.

Elf Atomkraftwerke abgeschaltet

Einzelhändler sagen, eine solche Panik hätten sie seit Jahren nicht erlebt, wahrscheinlich seit der Ölkrise in den 70er Jahren. «Wir arbeiten rund um die Uhr, um die Lieferungen an die Läden zu verbessern», sagt Anthony Rose, eine Vizepräsident der Supermarktkette Wal-Markt Asia, der auch die japanischen Seiyu-Märkte gehören. «In den kommenden 48 Stunden sollte es eine positive Entwicklung geben.» Ein Sprecher der Kette Daiei, Shoko Amesara, sagte, die Menschen wollten sich plötzlich auf den Notfall vorbereiten. Daher komme es zu Engpässen bei allen Lebensmitteln mit langer Haltbarkeit.

Hinzu kommt, dass das Land mit Stromausfällen rechnen muss. Schliesslich wurden nach dem Erdbeben elf Atomkraftwerke in Nordjapan abgeschaltet, die bisher den grössten Teil der Stromversorgung Tokios übernahmen. Die Regierung forderte die Menschen bereits auf, so oft wie möglich das Licht auszuschalten. In einigen Städten wurden bereits zeitweise Stromabschaltungen angeordnet. Und die Pendlerzüge nach Tokio sind noch voller als sonst, weil die Betreiber weniger Züge einsetzen, um Strom zu sparen.