Skimarken

08. Februar 2011 16:24; Akt: 08.02.2011 17:20 Print

Russis Siegerfirma vor dem Ende

Die Tiroler Skimarke Kneissl war einst beherrschend im Skizirkus. Eines ihrer Aushängeschilder war Bernhard Russi. Nun ist der Konkurs der Firma eröffnet worden.

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Bernhard Russi 1975 auf Kneissl-Skis am Lauberhorn. (Bild: Keystone/str)

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Die österreichische Traditionsskifirma steht vor dem aus. Der bisherige Mehrheitseigentümer Scheich Mohamed Al-Jaber liess eine letzte Zahlungsfrist des Konkursrichters für eine Kapitalerhöhung verstreichen. Der saudisch-österreichische Investor Al-Jaber hatte eine Kapitalspritze für 1,2 Mio. Euro zugesagt. Das Geld wurde nie überwiesen. Jetzt hat der Konkursverwalter allfällige Rechtsansprüche daraus zu klären.

Kneissl-Geschäftsführer Andreas Gebauer hofft nun auf andere Investoren, um den Fortbestand der Marke zu sichern. Laut Gebauer ist eine «internationale, auch im Sportbereich tätige» Investorengruppe interessiert. Nach Angaben der Nachrichtenagentur APA belaufen sich die Verbindlichkeiten der Kneissl Holding GmbH auf 6,8 Mio. Euro, hinzu kommen Schulden der Kneissl Tirol GmbH sowie die Kneissl Star Lounge GmbH in Gesamthöhe von 16,5 Mio. Euro.

Erbitterte Konkurrenz mit Kästle

In der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts lieferten sich die zwei Skihersteller Kneissl und Kästle einen erbitterten Kampf. Das ging so weit, dass es in den 60er-Jahren zu Tumulten in der österreichischen Olympiamannschaft kam, wo beide Marken vertreten waren. Aushängeschild von Kneissl war damals Seriensieger und «Skigott» Karl Schranz.

In der Schweiz sorgte Bernhard Russis Wechsel von Rossignol zu Kneissl in den 70er Jahren für Aufsehen und Diskussion. Der Strahlemann aus Andermatt hatte im Hinblick auf die Olympischen Winterspiele 1976 in Innsbruck zu den Österreichern gewechselt, weil er überzeugt war, von ihnen die besten Skis zu bekommen. Tatsächlich wurde Russi in Innsbruck nur von «Überflieger» Franz Klammer geschlagen.

Kneissl Tirol macht nur noch rund ein Drittel seines Geschäftes mit Skis. Das Unternehmen produziert jährlich noch 15 000 Paar, davon 10 000 als Auftragsarbeit für die Konkurrenten Elan und Fischer Ski. Kneissl sieht sich mittlerweile als Lifestyle-Unternehmen. Die Produktpalette reicht von Lederjacken über Fahrräder bis zu Tennis- Schlägern. Die Bilanz 2009 wies einen Gesamtumsatz von rund 9 Mio. Euro aus.

(pbl/sda)