2500 Franken pro Lokführer

16. Oktober 2011 10:49; Akt: 16.10.2011 12:24 Print

SBB-Mitarbeiter werden zu Headhuntern

Die SBB haben ein Problem. Ihre Züge werden immer voller, aber die Lokführer immer weniger. Darum greift sie jetzt zu neuen Methoden. Wer neue Mitarbeiter bringt, kriegt Geld.

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Lokführer bei der SBB haben mit immer mehr Problemen zu kämpfen. (Bild: Keystone)

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Die Züge in der Schweiz werden immer voller. Vor allem in den Stosszeiten kann sich glücklich schätzen, wer noch einen Sitzplatz ergattern kann. Ganz anders sieht dies im Führerstand der Züge aus. Dort wollen immer weniger Schweizerinnen und Schweizer Platz nehmen. Jetzt reagiert die SBB. Sie zahlen ihren Mitarbeitern eine Prämie von 2500 Franken für die Vermittlung eines neuen Angestellten, wie «Der Sonntag» schreibt. «Die so genannte Gewinnungsprämie beträgt 2500 Franken. Sie gilt für Berufszweige wie Lokführer, Zugbegleiter und Informatik», bestätigt Sprecher Christian Ginsig.

Sie werde Mitarbeitern ausbezahlt, die eine Drittperson für eine Stelle empfehlen oder die von Bewerbern als Referenz angegeben werden. «Derjenige, der die Person vermittelt hat, bürgt für die Person», sagt Ginsig. Der Arbeitsmarkt sei je nach Region ausgetrocknet, man müsse beispielsweise im Bereich der Zugbegleitung auch im grenznahen Ausland nach neuen Mitarbeitern suchen. «Solche Vermittlungsgebühren sollen für Mitarbeiter eine Motivation sein und uns helfen, gute Leute zu finden», so der SBB-Sprecher Ginsig.

Laut dem Verband Schweizer Lokomotivführer (VSLF) sind die unregelmässigen Arbeitszeiten nur ein Grund für den Notstand. Die Verantwortung der Lokführer werde immer grösser. «Wir fahren fünf Stunden am Stück ohne Pause, müssen je länger, je mehr Nacht- und Wochenendschichten einlegen», sagt Präsident Hubert Giger. Man presse die Lokführer wie Zitronen aus.

SBB-Lokführer fürchten um Sicherheit

Aber nicht nur die schwierigen Arbeitszeiten belasten die Lokführer. Die Sicherheit wird je länger je mehr zum Thema. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis sich das Zugunglück von Olten wiederhole, sagt Giger. Die Bahnunfälle in den letzten Wochen haben die Lokführer aufgeschreckt. Ihre Gewerkschaft fordert weniger monotone Arbeitsbedingungen.

«Der Lokführer ist letztlich der Garant für die Sicherheit im Eisenbahnbetrieb», sagt Giger zur «NZZ am Sonntag». Es sei aber immer schwieriger, dieser Verantwortung gerecht zu werden. Wegen der anhaltenden Produktivitätssteigerung, die von der Bahn gefordert werde, steige die Belastung während der Fahrt. Zugleich würden Lokführer zunehmend nur noch «auf den immer gleichen Strecken und den ewig gleichen Loks» eingesetzt: «Das führt zu einer Monotonie, die Unfälle zusätzlich begünstigt», sagt Giger. Er habe den Eindruck, «dass wir an die Belastungsgrenzen gelangen».

(aeg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • megge am 16.10.2011 14:30 Report Diesen Beitrag melden

    Beinahe wöchentliche Selbstmorde

    vor Zügen machen diesen Beruf auch nicht sehr attraktiv !

    einklappen einklappen
  • Kunz Ronald am 16.10.2011 11:07 Report Diesen Beitrag melden

    Komisch.... !

    Warum machen das nicht mehr junge Leute ? Komisch, ich würde da sofort umschulen. Nur ab 51 ist man leider schon altes Eisen..smile

    einklappen einklappen
  • henry miller am 16.10.2011 13:48 Report Diesen Beitrag melden

    nicht nur die sbb

    nun, dass ist auch in anderen betrieben so, die stadt zürich offeriert ihren arbeitnehmern pro kopf den sie anwerben 2 freitage

Die neusten Leser-Kommentare

  • Jzb am 18.10.2011 20:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich würde ja...

    ...sofort freiwillig bei der SBB als Lokführer arbeiten. Bin aber erst 18 =S

  • Lok2000 am 16.10.2011 22:35 Report Diesen Beitrag melden

    SBB = Steinzeit

    SBB ist hierbei wieder mal um jahre zurück- prämien für mitarbeiter werbung ist bei guten firmen seit jahren standard....

  • ProFamilie am 16.10.2011 22:29 Report Diesen Beitrag melden

    Arbeitsbedingungen verbessern

    "Loki-Führer" ist eigentlich ein attraktiver Beruf. Man muss darum ganz einfach die Arbeitsbedingungen verbessern, damit die guten Leute wieder kommen oder bleiben. Das Rezept ist simpel und viel wirksamer als das lächerliche Einsetzen von Headhuntern.

  • ueli huwiler am 16.10.2011 21:47 Report Diesen Beitrag melden

    einiges klar

    ach.. dahin fliessen die gelder, welche die sbb so dringend braucht und die preise immer wie gestört nach oben schlagen. gut zu wissen. 2011 war mein letztes GA, das habe ich schon anfangs jahr entschieden. hab ja mein auto.

  • Stefan Meier am 16.10.2011 16:21 Report Diesen Beitrag melden

    Lokführer wieder gemischt einsetzen

    Jede Abteilung für sich ! Vor Jahren wurde auf Personen- und Güterverkehr aufgeteilt. Dafür wird wenn nötig heute gegenseitig Loks und Personal ausgemietet, und das eigentlich in der gleichen Firma "SBB" !!! Sorry, aber das kann verstehen wer will aber ich nicht. Dieses Abteilungsdenken bringt schlussendlich nichts ausser Unmut unter dem Personal. Wenn die Lokführer wieder gemischt fahren könnten brächte das viel mehr Abwechslung, Loktyp,Strecken,Arbeitszeit und gute Laune gegenüber Kollegen die eigentlich dieselbe Arbeit machen. Das Arbeitsklima würde sicher steigen.