Update-Ärger

10. Oktober 2013 07:17; Akt: 10.10.2013 08:17 Print

SBB kämpfen mit iOS 7

von Sandro Spaeth - Panne bei der SBB-Informatikabteilung: 3000 Lokführer dürfen die Software ihrer iPads nicht auf den neusten Stand bringen. Sonst streiken mehrere SBB-Programme.

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Update auf iOS 7 verboten! Das gilt für 3000 SBB-Lokführer und ihre Vorgesetzten. Der Grund: Zwei SBB-interne iPad-Apps sind mit dem seit rund drei Wochen existierenden Betriebssystem iOS7 nicht kompatibel, wie SBB-Sprecher Christian Ginsig auf Anfrage von 20 Minuten bestätigt. Die Lokführer seien über ihr «virtuelles Anschlagbrett» und über SMS informiert worden, das Update nicht vorzunehmen. Der Softwarefehler liegt laut Ginsig bei der SBB-Informatikabteilung, nicht bei Apple.

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Bei den SBB existiert seit einigen Monaten der papierlose Führerstand – um Druckkosten zu sparen und die Abläufe zu vereinfachen. Ihre Dokumentensammlung sowie die Einsatzpläne findet das Lokpersonal nur noch online. Vom Kompatibilitätsproblem betroffen ist einerseits eine App, die den Angestellten Zugang zur SBB-Dokumentensammlung gibt, andererseits die Info-App für die Lokführer. «Über diese Applikation werden keine sicherheitsrelevanten Themen kommuniziert», beruhigt Ginsig. Die wichtigste Applikation, der Dienstfahrplan, funktioniert laut den SBB auch unter iOS 7 problemlos. Somit habe der Softwarefehler keinen Einfluss auf den Fahrbetrieb der SBB.

SBB bieten Ersatzgeräte an

Die SBB-IT-Abteilung wurde von den Auswirkungen des Apple-Uptdates überrascht. Einzelne Mitarbeiter aktualisierten das Betriebssystem ihres iPads noch vor dem Bekanntwerden des Update-Verbots. Sie sitzen in der Falle, denn bei Apple-Geräten lässt sich ein Software-Update grundsätzlich nicht rückgängig machen. «Dieses Problem betrifft eine nur sehr kleine Anzahl von Geräten», sagt Ginsig. Alle Lokführer seien schriftlich und quittungspflichtig über das Update-Verbot informiert worden. Bis wann die SBB-Informatikabteilung das Problem mit der nicht kompatiblen Software in den Griff bekommt, ist unklar.

Müssen nun einige Lokführer ihre Reglemente wieder in Papierform mit in den Führerstand schleppen? «Es gibt keine Pflicht zum Mitführen aller Reglemente», heisst es bei den SBB. Für Lokführer, die weiterhin elektronisch auf das Regelwerk zugreifen möchten, stünden Reservegeräte mit älterem iOS-Betriebssystem zur Verfügung.

Digitale Offensive

Die SBB-Smartphones sind von der Software-Panne nicht betroffen. Die Lokführer telefonieren derzeit mit Android-Geräten. Anfang Oktober haben die SBB eine grosse Digital-Offensive gestartet. Möglichst auf Papier verzichten sollen nicht nur die 3000 Lokführer, sondern alle rund 29'000 SBB-Mitarbeiter. Bis Ende 2014 will man alle Angestellten mit Mini-Tablets oder Smartphones ausstatten, die sie auch privat nutzen dürfen. Laut des öffentlich ausgeschriebenen Auftrags geht es um den Kauf von rund 12'000 Smartphones und 8000 Mini-Tablets.

Dank diesen Geräten sollen alle Mitarbeiter die Möglichkeit haben, auf neu entwickelte SBB-Apps zuzugreifen, beispielsweise die «Mängel App», worüber SBB-Angestellte Defekte an Bahnwagen oder in Bahnhöfen melden können. Derzeit laufen Pilotversuche mit Android-Geräten von Samsung.

Werden die SBB als Folge der iOS-7-Panne bei den zum Kauf ausgeschriebenen Mini-Tablets auf die Apple Konkurrenz setzen? «Nein», sagt SBB-Sprecher Ginsig. Die SBB-Apps würden stets für iOS und Android produziert. Das Problem mit den iPads der Lokführer habe keinen Einfluss auf die IT-Strategie der SBB.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Patrick Bärtschi am 10.10.2013 08:23 Report Diesen Beitrag melden

    ich kanns nicht glauben...

    Es ist doch bedenklich wenn eine grosse IT Abteilung der SBB über ein Update von Apple überrascht wird. Die Welt weiss seit Monaten, dass diesen Herbst iOS 7 veröffentlicht wird. Vorabversionen für Entwickler und App-Programmierer steht seit langem zum download bereit. Für mich spiegelt dies die Unkompetenz dieses Staatsbetriebs, stellvertretend für viele andere Staatsabteilungen. Willkommen in der moderenen Welt *kopfschüttel*

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  • Amos Johnette am 10.10.2013 08:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das Problem liegt nicht bei Apple

    Das neue OS wurde lange genug als Entwicklerversion vorab verteilt. Wenn die SBB nicht in der lage ist, dies vorab zu testen, dann weiss ich auch nicht.

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  • Guido Roth am 10.10.2013 08:27 Report Diesen Beitrag melden

    Verschlafen

    Ähem, ist der Sinn von Apples Vorabversion nicht, dass Bugs behoben werden können und Apps schon im Voraus von den Entwicklern angepasst werden können?!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ursi am 12.10.2013 11:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles eine Frage des Vorgehens und Kontrolle

    Erst mit einer kleinen Gruppe testen, dann auf allen anderen installieren... Läuft das ganze kontrolliert ab ist das wohl kein Problem. Kann jeder selber installieren, sind halt solche Dinge vorprogrammiert...

  • Louis de Fuentes am 11.10.2013 21:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    SBB = No go

    Nun ist schon Appel daran schuld, dass bei der SBB seit Jahren nichts mehr in geordneten Bahnen läuft? Wohl kaum! Ich kann die roten "defekt"-Kleber an den WC- und Wageneingangstüren nicht mehr sehen! Die zum Teil über 40-jährigen Wagen mit Plumpsklo sind für das SBB-Preisniveau eine absolute Zumutung! Da der amtierende CEO freiwillig den Thron nicht räumen wird, bleibt nur noch das Aufheben des Monopols! Wer sagt's Doris?

  • Peter am 11.10.2013 08:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kalender nicht wiedererkennbar

    Der Kalender ist nach dem up-date ein fertiger mist. Alles wurde verstellt, der neue kalender zum alten nicht wieder erkennbar. Es MUSS wählbar sein, was erneuert werden soll!

  • Schweizer am 11.10.2013 07:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sbb ist ein witz

    Wieder einmal peinlich. Immer teurer, immer weniger service, immer dümmer... = sbb Ich sage nur pro auto, habe auch wieder aufs auto gewechselt!!!!

  • Werner X. Hunkeler am 10.10.2013 23:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    WLAN gratis für die zahlende SBB-Kundschaft

    Als "Entschädigung" für defekte Toiletten, zu teure Via-Billette, zu lange Wartezeiten vor den wenigen noch übrig gebliebenen Schaltern und den chronischen Verspätungen fordert das Komitee "Rettet unsere Monopol-Eisenbahngeselschaft" gratis WLAN in den SBB-Zügen im Fern- und Nahverkehr sowie das Einfrieren der Fahrpreise bis 2019, Das meine ich im Fall ernst ... ;-)