Überfüllte Züge

13. Oktober 2019 13:57; Akt: 13.10.2019 17:05 Print

SBB schmeisst Passagiere trotz Reservation raus

Die SBB zwingt Passagiere mit Platzreservierung auf der Gotthardstrecke zum Aussteigen. Auch die Zugtoiletten werden regelmässig geschlossen.

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Trotz Platzreservierung mussten Passagiere vergangenen Donnerstag den Intercity nach Lugano vor dem Gotthardtunnel verlassen. Der Zug war völlig überfüllt. Aus Sicherheitsgründen darf der Zug dann nicht durch den Gotthardtunnel fahren. Deshalb mussten Passagiere in Arth-Goldau aus dem Zug aussteigen. Auch am Sonntag, 13. Oktober ist der Intercity von Mailand nach Zürich total überfüllt, weil drei Wagons fehlen, wie Leser S.B, berichtet. In Lugano und Bellinzona seien die stehenden Passagiere aufgefordert worden den Zug zu verlassen, «doch die meisten sind einfach nicht ausgestiegen», so S.B. Als Entschuldigung verteilte die SBB 6-Franken-Gutscheine an die stehenden Personen. Bereits am Samstag, 5. Oktober, waren die Züge von Zürich ins Tessin überfüllt. Mehrere Personen wurden gebeten, den Zug zu verlassen, wie Leser-Reporter berichteten. «Kurz vor der Haltestelle Zug wurden wir darüber Informiert, dass alle Reisenden ohne gültige Reservierung dort aussteigen müssen und den nächsten Zug eine halbe Stunde später nehmen müssen», berichtete eine genervte Leserin. «Bei Arth Goldau kam die Durchsage, dass 30 bis 40 Leute aussteigen müssen. Der Zug fahre sonst nicht weiter», berichtete ein weiterer Leser. «Der erste Zug ab Zürich HB ist bumsvoll», so Leserin A. B. In mehrere Kantonen haben die Herbstferien letzte Woche begonnen. Viele zieht es darum in den Süden – beispielsweise nach Como (Bild) ... ... oder Lugano. Auch A. D.* klagte, dass der Intercity nach Lugano vergangene Woche überfüllt gewesen sei. Die SBB begründet die Aufforderungen zum Aussteigen mit Sicherheitsbestimmungen für den Gotthardtunnel.

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Vor einer Woche haben vielerorts die Herbstferien begonnen. Es zieht die Menschen in den Süden der Schweiz. Das bekommt die SBB zu spüren: Auf der Gotthardstrecke mussten vergangene Woche 40 Passagiere den überfüllten Zug aus Sicherheitsgründen verlassen. Mit einer Reservation könnten sich Passagiere gegen solche Vorkommnisse absichern, wie die SBB gegenüber 20 Minuten beteuerte.

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Nun zeigt sich, das stimmt nicht: Vergangenen Donnerstag mussten Passagiere trotz Platzreservierung den Intercity Richtung Lugano kurz vor dem Gotthardtunnel verlassen, wie die «SonntagsZeitung» (Bezahl-Artikel) berichtet.

Laut SBB handelt es sich um einen Einzelfall: Der Zug konnte von Chiasso nach Zürich wegen einer Kupplungsstörung nur mit einer statt zwei Kompositionen verkehren, wie die SBB erklärte. Auf der Rückfahrt sei diese durch einen älteren Zug ersetzt worden, um mehr Platz zu schaffen. Das habe aber dazu geführt, dass die Platzreservierungen hinfällig geworden waren. Passagiere mussten trotz Reservation in Rotkreuz und Arth-Goldau aus dem Zug aussteigen.

Überfüllte Züge fahren nicht durch den Gotthard

Auch am Sonntag kämpfte die Bahn mit überfüllten Zügen auf dieser Strecke: Der Intercity von Milano nach Zürich mit Abfahrt 11.10 Uhr ist mit 40 Minuten Verspätung und 3 Waggons weniger losgefahren, wie Leser S. B. gegenüber 20 Minuten berichtet. «Viele Leute mit einer Platzreservation mussten stehen.»

In Lugano wurden die stehenden Passagiere dann aufgefordert, dass einige von ihnen den Zug verlassen. «Doch die meisten sind einfach nicht ausgestiegen», sagt B. Anschliessend fuhr der Zug durch den Gotthard-Tunnel weiter.

Laut der SBB sei aber in Bellinzona ein zusätzlicher Zug nach Zürich organisiert worden. «Reisende wurden wo möglich proaktiv auf diese andere Verbindung gelenkt», erklärt Mediensprecherin Sabine Baumgartner. Der Zug wäre nämlich ansonsten ausgefallen oder über die Bergstrecke gefahren, wenn nicht genug Reisende freiwillig ausgestiegen wären.

6-Franken-Gutschein als Wiedergutmachung

Als Wiedergutmachung erhielten die stehenden Passagiere ab Bellinzona jeweils einen 6-Franken-Gutschein. «Das ist ungerecht. Denn so werden diejenigen belohnt, die erst in Bellinzona zugestiegen sind», sagt B. Auch hätten sich die Passagiere mit den Sitzplätzen abgewechselt. Somit seien nicht immer die gleichen Personen im Zug gestanden. Doch schliesslich fuhr der Zug nur bis Rotkreuz. Dort mussten alle Passagiere aussteigen und eine andere Verbindung bis nach Zürich finden, wie B. weiter berichtet.

«Eine Überbelegung auf der Gotthard-Achse kommt selten vor – im Schnitt bei einem von 850 Zügen», erklärt Baumgartner. Die Herbstferien sowie die Wetterlage – im Norden kalt, im Süden warm – hätten dazu geführt, dass mehr Menschen die Gotthardstrecke nutzen. «Wir haben auch festgestellt, dass wegen der verkürzten Reisezeit immer mehr Passagiere spontan nur für einen Tag ins Tessin fahren.» Alle diese Faktoren führten in letzter Zeit zu überfüllten Zügen zwischen Zürich und Lugano.

Volle Toiletten werden einfach geschlossen

Damit nicht genug: Auf der Gotthardstrecke werden vermehrt auch Zugtoiletten geschlossen oder sind stark verschmutzt, wie es in der «SonntagsZeitung» heisst. Grund dafür: die kurze Aufenthaltsdauer der Züge in den Bahnhöfen. Diese reiche nicht aus, um volle Toiletten zu leeren. Darum werden diese einfach geschlossen.

Laut SBB handle es sich auch hier nur um Einzelfälle. 97 Prozent der Toiletten seien im Fernverkehr verfügbar. Wie diese Zahl erfasst wird, konnte vom Unternehmen nicht erklärt werden. Alle Toiletten werden aber sicher einmal pro Tag gereinigt und mehrmals täglich kontrolliert.

(bsc)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Juli An am 13.10.2019 14:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    interessant

    Wenn Einzelfälle häufig vorkommen, wird das dann nicht regelmässig genannt?

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  • Liebe SBB am 13.10.2019 14:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Quid pro quo

    Und wenn die Reservierung hinfällig wird, bekommt der Passagier sicher das Geld dafür zurück?

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  • Mätte33 am 13.10.2019 14:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    geht gar nicht

    und für das werden jedes jahr die billettpreise erhöht? i verlange tiefere preise oder mehr komfort aber das hier ist unter aller sau...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • I_AM_VAMPIRE am 14.10.2019 20:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    aha

    Wenn mir so etwas passieren würde, müssten sie schon die Polizei rufen. Wenn ich reserviert habe, heisst es das ich fahren kann.

  • Mickey House am 14.10.2019 17:46 Report Diesen Beitrag melden

    Die Bahn...

    ..ist ein Dinosaurier. Ein Überbleibsel aus dem 19ten Jahrhundert. Sie kann und wird nicht unsere Zukunft sein. Braucht viel zuviel Platz, ist streckengebunden und unflexibel, zu teuer was den Betrieb anbelangt und auch für die Passagiere. 50 Jahre wird sie vielleicht noch überleben, aber dann ist fertig.

  • Andreas Meyer am 14.10.2019 16:56 Report Diesen Beitrag melden

    alte Strecke

    Schüttet das Gotthardloch mit Beton wieder zu und fahrt wieder über die alte Strecke. War unkompliziert und schöner

  • Ralle am 14.10.2019 14:52 Report Diesen Beitrag melden

    Nur her damit, Frauen und Kinder zuerst.

    Holt doch die Schilder mit dem Welcome ....... wieder aus dem Keller, die nächste Welle ist schon auf dem Weg in die Länder wo Milch und Honig fliesst, ohne etwas dafür machen zu müssen. Auch der Hahn für die Firmen müsste zugeschraubt werden, die holen die meisten nur rein um Geld zu sparen, von dem ihr nie etwas sehen werdet. Die Infrastruktur für die vielen Personen dürft ihr aber gerne bezahlen.

  • Markus Maag am 14.10.2019 14:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    sooo viele Faktoren!

    In der 20Minuten Zeitung steht. Die Herbstferien und Wetterlage, all diese Faktoren führten in letzter Zeit zu überfüllten Zügen! Zwei Faktoren. Der Faktor Herbstferien kann man zu hundert % berechnen dazu kommt noch das Wetter das mitlerweile mind. eine Woche vorher eine Prognose zulässt. Was bitte liebe SBB ist so schwer daran?