Euro-Profiteure

16. Januar 2015 17:48; Akt: 18.01.2015 10:44 Print

SBB setzt Extra-Wagen Richtung Konstanz ein

Der Eurokurs ist erneut unter 1 Franken gefallen. Die SBB rechnet am Wochenende mit einem Grossandrang von Shopping-Touristen, die in Deutschland ein Schnäppchen machen wollen.

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Die SFS Gruppe mit CEO Heinrich Spoerry ist ein Entwicklungs- und Herstellpartner für mechanische Befestigungssysteme sowie führender Vertriebs- und Logistikpartner in der Schweiz mit Sitz in Heerbrugg beschäftigt rund 7000 Mitarbeiter und erzielte 2013 einen Umsatz von 1.331 Milliarden Franken. Die Kudelski Group hat ihren Hauptsitz bei Lausanne und wird von der ZBK mit hoher Transaktionsexposure bewertet, ist also hohen Ertragsschwankungen aufgrund Währungsvolatilität ausgesetzt. AFG (Arbonia Foster Gruppe) in Arbon produziert Profilsysteme aus Metallen, die für den Fassadenbau verwendet werden. Sie erzielt 60 Prozent ihres Umsatzes in Europa. Die Umsätze werden gemäss ZKB durch billiger werdenden Importprodukte unter Druck kommen. Norbert Klapper, CEO von Rieter in Winterthur, wird sich gewiss sorgen. Reiter besitzt ein grosses Werk in der Schweiz. Der Export dürfte aufgrund der schlechteren Währungskongruenz durch die Aufhebung der Mindestgrenze schwieriger werden. Viel Arbeit auch für Alpiqs CEO Jasmin Staiblin. Die Schweiz ist eng in die Strommärkte eingebunden und die Umsätze werden durch billigere Importprodukte noch mehr unter Druck kommen. Erst diesen Monat verkündete der Stromkonzern weitere Millionenabschreiber. Die Reisebranche wird weiter unter Druck geraten, da Kunden ihre Reisen z. B. wieder in Deutschland buchen werden. Die Firma Burckhardt Compression in Winterthur hat den Hauptteil der Produktion und Wertschöpfung in der Schweiz. durch die schlechte Währungskongruenz wird der Export viel schwieriger. Der Life-Science-Konzern Lonza ist besonders stark vom US-Dollar-Kurs abhängig. Er befürchtet Auswirkungen auf den Hauptsitz in Visp. Huber + Suhner in Herisau hat eine hohe Kostenbasis auf Schweizer Franken und macht den Hauptumsatz in Euro, was ein hohes Transaktionsrisiko beinhaltet. Jean-Claude Clozel, CEO von Actelion. Sein Unternehmen ist dem US-Dollar und dem Euro sehr stark ausgesetzt, da die Margen in den USA sehr hoch sind. Das Unternehmen Bobst (Verpackungsindustrie) hat ein grosses Werk in Mex VD. Das ist gleichgesetzt mit schlechter Währungskongruenz. Der Export wird noch schwieriger und die Konkurrenz konkurrenzfähiger. Die im Schraubenhandel tätige Bossard Gruppe mit Sitz in Zug ist zwar gut aufgestellt, wird aber durch die günstiger werdende Konkurrenz aus dem Ausland auch bedroht. Die Geberit AG (hier CEO Albert M. Baehny) dürfte unter zunehmendem Importdruck leiden.

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Der Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken ist Geschichte. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat die im September 2011 eingeführte Untergrenze am Donnerstag überraschend per sofort aufgehoben. Die Devisenkurse reagierten stark und die Schweizer Börse erlebte einen massiven Abtaucher.

Die SNB begründete das Aus für den Euro-Mindestkurs unter anderem mit dem Erstarken des US-Dollars. Die Unterschiede in der geldpolitischen Ausrichtung der bedeutenden Währungsräume hätten sich in letzter Zeit markant verstärkt und dürften sich noch weiter akzentuieren.

Der Euro habe sich gegenüber dem Dollar deutlich abgewertet, wodurch sich auch der Franken zur US-Währung abgeschwächt habe, schreibt die SNB. Die Nationalbank sei daher zum Schluss gekommen, dass die Durchsetzung und die Aufrechterhaltung des Euro-Mindestkurses nicht mehr gerechtfertigt sei.

SNB: Wirtschaft konnte sich einstellen

Der Franken bleibt nach Ansicht der SNB zwar hoch bewertet, aber die Überbewertung hat sich seit Einführung des Mindestkurses insgesamt reduziert. Die Wirtschaft habe diese Phase nutzen können, um sich auf die neue Situation einzustellen.

Die Währungshüter verteidigten rückblickend die Massnahme: Der Mindestkurs sei in einer Zeit der massiven Überbewertung des Frankens und grösster Verunsicherung an den Finanzmärkten eingeführt worden. «Diese ausserordentliche und temporäre Massnahme hat die Schweizer Wirtschaft vor schwerem Schaden bewahrt», hält die SNB fest.

Im Kampf um die Durchsetzung des Mindestkurses hat die SNB wiederholt in den vergangenen Jahren am Devisenmarkt intervenieren müssen. Daher sind die Devisenbestände der SNB auf gegen 500 Mrd. Fr. angeschwollen. Zuletzt profitierte sie von der Aufwertung der Dollar-Anlagen, was ihr einen Jahresgewinn von 38 Mrd. Fr. bescherte. Nun drohen aber markante Verluste auf den Euro-Beständen.

Finanzmärkte reagieren heftig

Die Finanzmärkte reagierten heftig: So stürzte der SMI innert Minuten um über 600 Punkte ab. Wenige Minuten nach der Ankündigung sackte der Schwergewichte-Index SMI der Schweizer Börse am Donnerstag teilweise um bis zu 7 Prozent ab. Um 11.45 Uhr notierten SMI und SPI gar um über 8 Prozent tiefer.

Der Kurs des Euro zum Franken ist nach der Freigabe des Mindestkurses von 1,20 Fr. pro Euro durch die SNB zwischenzeitlich unter die Parität gefallen.

Der Euro fiel kurzzeitig unter die Parität zum Franken. Danach wurde er wieder leicht über dem Gleichstand zu 1,05 Fr. gehandelt. Auch der US-Dollar hat sich zur Schweizer Währung verbilligt. Er stürzte von rund 1,02 Fr. kurzfristig auf bis gegen 70 Rappen. Danach erholte er sich etwas auf 0,86 Rappen.

Händler am Devisenmarkt zeigten sich überrascht und fürchteten um die Glaubwürdigkeit der Notenbank. Ihm «fehlten die Worte», meinte ein Händler. «Das, was nicht passieren durfte, ist eingetreten - die Spekulanten haben gegen die Nationalbank gewonnen», kommentierte er. Damit sei die Glaubwürdigkeit der SNB dahin.

Zinssenkung

Die SNB will nach eigenen Angaben bei Bedarf am Devisenmarkt aktiv bleiben. Damit die Aufhebung des Mindestkurses nicht zu einer unangemessenen Straffung der monetären Rahmenbedingungen führt, senkte die SNB zudem die Zinsen deutlich. Der Zins der Bankguthaben auf den Girokonten wurde um weitere 0,5 Prozentpunkte auf -0,75 Prozent reduziert.

(sda)