Massenentlassung

22. September 2016 09:45; Akt: 22.09.2016 15:51 Print

SBB streicht 1400 Jobs

Mit einem massiven Stellenabbau will die SBB ihre Wettbewerbsfähigkeit erhöhen und ihre Kosten drastisch senken.

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Abbau betrifft die Administration, Verwaltung und den Betrieb: Ein Mitarbeiter im Stellwerk beim Bahnhof Lausanne. (Archiv) (Bild: Keystone/Manuel Lopez)

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Bis 2020 will die SBB ihre Kosten um 1,2 Milliarden Franken senken, nicht zuletzt, um die Preise im Personenverkehr stabil zu halten. Diesem Sparprogramm fallen in den nächsten Jahren insgesamt 1400 Stellen zum Opfer.

Die Stellen werden in den Bereichen Administration, Verwaltung und im Betrieb abgebaut. Weil die SBB jedoch im gleichen Zeitraum mit einer Zunahme des Verkehrs rechnet, sollen gleichzeitig 200 Stellen geschaffen werden, vorab beim Zugs- und Reinigungspersonal, wie das Bahnunternehmen heute an einer Medienkonferenz mitteilte.

Einsparen will die SBB bei der Beschaffung, bei den Investitionen und bei den Personalkosten. Die Massnahmen stehen im Zusammenhang mit dem bereits im November 2015 kommunizierten Programm «RailFit20/30». Dieses betrachtet die SBB als «zentrales Programm zur Umsetzung der SBB Strategie 2020». Projektleiter Markus Geyer sagte: «Der Kunde soll davon nichts merken.»

Abzug von 0,8 Prozent auf den Lohn

«RailFit20/30» beinhaltet zudem Anpassungen bei den Sozialleistungen. Die SBB verweist darauf, dass sie bisher die Risikobeiträge der Pensionskasse alleine trage. Ab Januar 2017 sollen diese Beträge zwischen Arbeitgeber und Mitarbeitenden aufgeteilt werden. Deshalb werden allen Mitarbeitenden 0,8 Prozent Lohn abgezogen.

Obwohl die SBB darauf verweist, dass sie «dank gesteigerter Wettbewerbsfähigkeit eine sichere Arbeitgeberin» bleibe, bedeutet das in die Zukunft gerichtete Programm, dass die Interessen der Mitarbeitenden gegen jene der Bahnbenutzerinnen und -benutzer abgewogen werden.

Gewerkschaften üben Kritik

Bei den Bahn-Gewerkschaften kommen die Abbaupläne der SBB nicht gut an. Während die Organisation transfair aufgrund der «technischen und wirtschaftlichen Veränderungen» noch ein gewisses Verständnis zeigt, spricht die Gewerkschaft des Eisenbahn- und Verkehrspersonals (SEV) von «einem völlig verfehlten» Programm.

Auch für Kurt Schreiber, Präsident von Pro Bahn Schweiz, ist der Kahlschlag bei der SBB «sehr problematisch». Sparmassnahmen dürften nicht bei den Kunden zu spüren sein. Genau dies ist jedoch laut Schreiber der Fall, weil direkt Mitarbeiter an der Front wie Zugverkehrsleiter oder das Verkaufspersonal betroffen seien.

«Sind zu wenig Zugverkehrsleiter, die den komplexen Zugverkehr koordinieren, verfügbar, ist das ein direktes Sicherheitsproblem für den Lokführer und damit auch für die Passagiere.» Auch den Abbau beim Verkaufspersonal kann Schreiber nicht nachvollziehen: «Die Billett-Verkaufsstellen sind das Gesicht der SBB, das sie nicht verlieren darf.» Viele Passagiere, die ihre Billette nicht im Internet kaufen könnten oder wollten, seien auf die Möglichkeit angewiesen, einen Bahnschalter mit genügend Personal vorzufinden.

Für Schreiber ist der Stellenabbau in der Verwaltung hingegen sinnvoll. «Wenn die Kosten gesenkt werden müssen, dann macht eine Kürzung in der Verwaltung am ehesten Sinn, weil dort in den letzten Jahren viele Stellen aufgebaut wurden und die Passagiere dabei am wenigsten tangiert werden.»

(nag/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Adi9887 am 22.09.2016 09:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur eine Stelle muss man streichen

    Es reicht wenn die Stelle vom SBB-Chef gestrichen wird, dann ist wieder viel Geld in der Kasse

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  • Nowhere am 22.09.2016 09:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie sollte es auch anders sein!

    Das ist mal wieder typisch. Da können Sie die Billettpreise nicht so anheben wie es ihnen passt und lichten deshalb die ohnehin überarbeiteten Mitarbeiter aus. Was kommt als nächstes? Eine fette Boni für die Manager??? Schämt euch SBB!!!

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  • Verena am 22.09.2016 09:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unmöglich

    Und damit weniger Personal das für unsere Sicherheit besorgt ist!!! Noch mehr Entgleisungen und unnötige Unfälle!!!!! Hauptsache die Höheren kriegen ihr masslos übertriebenes Gehalt !! HERR MEIER! Bitte sparen aber am richtigen Ort!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Senf mild am 24.09.2016 18:45 Report Diesen Beitrag melden

    Wirtschaftskreislauf

    Immerwieder spannend zu lesen wie solche Wirtschaftsabläufe funktionieren.

  • Café Racer am 24.09.2016 17:59 Report Diesen Beitrag melden

    Kein SBBler aber Insider

    Wenn McKinsey im Spiel ist läuft es wie folgt: McKinsey's "Spezialistenteam" optimiert den Personalbestand in Excel, dann fällt das Team auseinander, Chaos herrscht, ein neues Team wird formiert, welches den Mist der Vorgänger weiter optimiert, dann wird der Case an EY und Konsorten weitergereicht, welche den doppelt optimierten Mist weiter optimieren. Am Schluss gibt es nur einen Gewinner, die Berater mit Seidenkrawatte. Prüft mal McKinsey-Swissair und A. Meyer ist kein Unternehmer, sondern ein ordinärer, unverantwortlicher Verwalter. SBBler, Kopf hoch !

    • Hildi am 25.09.2016 02:39 Report Diesen Beitrag melden

      Machen jetzt überbezahlte Berater

      ...den Job von überbezahlten Managern?

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  • batli am 23.09.2016 19:22 Report Diesen Beitrag melden

    Alle Kaotenverursacher !

    "zwei" Auch die des Swiss Pass Veranwortlichen.

  • Pedro am 23.09.2016 18:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    dänk drüber na...

    Ihr wollt alle einen viertel-Stundentakt, W-lan, Steckdosen, bequemer sitzen, mehr Platz... einen Vollum-Service und ja nichts bezahlen... ;-).. überleget mal...

  • Zaungast am 23.09.2016 11:18 Report Diesen Beitrag melden

    Kosten für McKinsey?

    Wieviel hat McKinsey gekostet? Kassieren die Provisionen pro wegrationalisierte Stelle? Oder 50% des gesparten Betrages? Ein Chef, der seinen Laden sowenig im Griff hat, dass eine teure, externe Firma helfen muss, ist eh nicht wirklich kompetent!!!