Bar und anonym

04. Februar 2019 08:34; Akt: 04.02.2019 08:34 Print

SBB will Onlineshoppern das Barzahlen ermöglichen

Wer einen Verkauf im Onlineshop geheimhalten möchte, kann bald auch im Internet bar zahlen. Eine Fintech-Firma konnte dazu die SBB als Partner gewinnen.

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Kreditkarten sind in vielen Onlineshops eine Voraussetzung. Die deutsche Fintech-Firma Cash Payment Solutions will es aber auch in der Schweiz ermöglichen, online in bar zu bezahlen. Der Dienstleister konnte die SBB als Partner für den Service gewinnen. So gehts: Ein Kunde kauft online einen Artikel und wählt Barzahlung als Option. Daraufhin erhält er einen Code per E-Mail oder Sofortnachricht. Diesen muss er dann an einer Bezahlstelle scannen, um den Betrag in bar zu begleichen. Die 1500 Billettautomaten der SBB sind laut «SonntagsZeitung» bereits für die Dienstleistung parat – das Logo von Barzahlen ist schon im entsprechenden Menü der Automaten zu sehen. «So eine Bezahlmethode bietet sich an, wenn man nicht will, dass gewisse Einkäufe auf der Kreditkartenabrechnung erscheinen – etwa wenn man auf einer legalen Pornoseite etwas kauft oder ein Geschenk für den Ehepartner eine Überraschung sein soll», sagt Ralf Beyeler vom Vergleichsdienst Moneyland.ch zu 20 Minuten. In Deutschland findet man die Bezahlstellen vor allem in Supermärkten wie Rewe und DM. «Wenn wichtige Player wie Migros, Coop oder K-Kiosk zu Bezahlstellen werden, dürfte das Angebot an Beliebtheit gewinnen», sagt Beyeler zu 20 Minuten. Nicht nur ausländische Dienstleister, sondern auch Schweizer Unternehmer holt die SBB in ihre Bahnhöfe. Lokale Anbieter ziehen zwischen Anfang Februar und Ende Mai im Zürcher Hauptbahnhof bei der Passage Löwenstrasse ein. In einem Pop-up-Store können unbekannte Schweizer Marken ihre Produkte anbieten. Ausgewählt wurden sie von der Öffentlichkeit. Den Anfang machen der Secondhand-Laden von Caritas, Nussexperte Pakka Premium Organic Nuts und Pastaproduzent Famiglia Tremonte. Dann folgen Zmorgenanbieter Earlybird, die Jungdesigner Ting und das Start-up Wildbiene und Partner. Ab dem 4. März sind es der Fleischproduzent Alpenhirt, die Holzmanufaktur Holzstangl und Drinkhersteller Jomo Shakes. Darauf folgen der Dietiker Cider, das Zero-Waste-Ladenkonzept des «Zü-Wi-Bü Unverpackt»-Netzwerkes und die Designer Stadtlandkind.ch. Weitere Anbieter werden folgen. Nicht mit dabei ist das zweitplatzierte Unternehmen Say Chocolate – offenbar wegen Unregelmässigkeiten beim Voting.

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Wer im Internet einkauft, braucht eine Kreditkarte – zumindest ist das in vielen Onlineshops so. Eine alternative Zahlungsmethode, die auf Bargeld basiert, will die deutsche Firma Cash Payment Solutions nun in die Schweiz bringen. Damit soll es dann möglich sein, online mit Bargeld zu bezahlen.

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Das ist das Prinzip: Ein Kunde kauft online einen Artikel und wählt Barzahlung als Option. Daraufhin erhält er einen Code per E-Mail oder Sofortnachricht. Diesen muss er dann an einer Bezahlstelle scannen, um den Betrag in bar zu begleichen.

SBB rüstet Billettautomaten aus

In Deutschland findet man die Bezahlstellen vor allem in Supermärkten wie Rewe und DM – wie die «SonntagsZeitung» berichtet, konnte der deutsche Dienstleister in der Schweiz die SBB als Partner gewinnen. Die 1500 Billettautomaten seien bereits für die Dienstleistung parat – das Logo von Barzahlen ist schon im entsprechenden Menü der Automaten zu sehen (siehe Bildstrecke oben). Sobald die Bezahllösung in die Schweizer Onlineshops kommt, wären Shopper also in der Lage, ihre Einkäufe bar zu bezahlen, indem sie an Schweizer Bahnhöfe gehen.

Die Bezahlung ohne Kreditkarte dürfte vor allem Kunden zusagen, die online keine Daten preisgeben wollen. Laut dem Unternehmen richtet sich das Angebot zudem an junge Menschen, die noch keine Kreditkarte haben.

Pornos und geheime Geschenke bezahlen

Ralf Beyeler vom Vergleichsdienst Moneyland.ch sagt zur «SonntagsZeitung», dass es im Internet zwar bereits die Möglichkeit gebe, per Einzahlungsschein zu bezahlen. Allerdings könnte das System von Cash Payment Solutions schneller sein.

Zudem hat das Angebot noch einen Vorteil: «So eine Bezahlmethode bietet sich an, wenn man nicht will, dass gewisse Einkäufe auf der Kreditkartenabrechnung erscheinen – etwa wenn man auf einer legalen Pornoseite etwas kauft oder ein Geschenk für den Ehepartner eine Überraschung sein soll», sagt Beyeler zu 20 Minuten.

Anbieter muss illegale Nutzung verhindern

Könnte die anonyme Zahlungsmethode auch für dubiose Aktivitäten ausgenutzt werden – etwa für die Bezahlung von Kinderpornos im Dark Web? «Rein theoretisch schon», sagt Beyeler dazu. Aber weil es sich nicht um ein Wallet wie bei Bitcoin oder Twint handelt, könne der Anbieter das verhindern, indem er bei seinen Vertragspartnern sauber prüft, ob die angebotenen Produkte und Dienste legitim sind. Nur wenn die Zahlmethode von Cash Payment Solutions auch in Onlineshops von dubiosen Anbietern integriert wird, könnte sie für illegale Zwecke genutzt werden.

Wann genau die Barzahlungsmethode in der Schweiz verfügbar sein wird, ist noch unklar. Auf der deutschen und österreichischen Website des Unternehmens heisst es, das Angebot sei derzeit nur in Deutschland verfügbar. Als Partner wird auf der Schweizer Website ausschliesslich die SBB aufgeführt.

Nischenagebot

Seitens der deutschen Firma heisst es, man sei mit verschiedenen Schweizer Online- und Detailhändlern im Gespräch: «Dank der nun stehenden Infrastruktur werden Partner wie Onlineshops und verschiedene Rechnungssteller bald folgen», zitiert die «SonntagsZeitung» einen Sprecher.

«Wenn wichtige Player wie Migros, Coop oder K-Kiosk zu Bezahlstellen werden, dürfte das Angebot an Beliebtheit gewinnen», sagt Beyeler zu 20 Minuten. Insgesamt werde die Bezahlmethode aber wohl vorerst ein Nischenangebot bleiben.

(rkn)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Linda am 04.02.2019 09:04 Report Diesen Beitrag melden

    Endlich

    Es gibt zwar Paysafecard die das selbe macht aber leider kaum verwendet werden kann. Überall wo Kreditkarten akzeptiert werden, sollte es gesetzlich verpflichtend sein auch Bargeldzahlungen anonym vorzunehmen, so wie mit diesem System oder eben den Karten.

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  • no kreditcard am 04.02.2019 09:11 Report Diesen Beitrag melden

    mir ginge es nicht ums geheimhalten

    ich bin nun mal Barzahler, hab einfach keine Kreditkarte (und deshalb bisher nicht online geshoppt) weil ich Arbeitsplätze (auch meinen) und den Detailhandel vor Ort erhalten möchte. Immer mehr kleine auch dörfliche Geschäfte werden geschlossen wegen dem ganzen Onlinezügs. Menschen die 20, 30, 40 Jahre lang geschäftet haben stehen plötzlich vor dem Aus. Ob ich bei Barzahlung online shoppen würd? die Versuchung wäre wohl da... ab der Umwelt und dem Klima zu lieb wohl eher nicht

  • Onliner am 04.02.2019 13:29 Report Diesen Beitrag melden

    Und dann kommt Paypal...

    "Der Vertragspartner soll prüfen, dass nichts illegales verkauft wird." Ich erinnere mich an die deutsche Drogeriekette Rossmann, die Paypal als Zahlungsmittel akzeptierte. Und dann hiesse es plötzlich seitens PayPal, Rossmann möge doch bitte die kubanischen Zigarren aus dem Sortiment nehmen, da das (für Paypal) gegen die Kuba-Sanktionen verstiess. Zum Schluss kickte Rossmann Paypal aus dem Shop. Das kommt davon, wenn private Unternehmen für die Durchsetzung von Recht und Gesetz verantwortlich gemacht werden.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Der Pendler am 05.02.2019 10:10 Report Diesen Beitrag melden

    Pünktlich und zuverlässig?

    Diese Überschrift wäre mal schön zu lesen: "SBB möchte Kunden neu pünktliches Ankommen in sauberen, funktionierenen Zügen ermöglichen.". Leider nur naive Wünsche....

  • max am 05.02.2019 09:48 Report Diesen Beitrag melden

    Gute Idee

    In Thailand gibt es das auch, man kann etwas Online bestellen und dan im 7 eleven bezahlen. Einfach und unkompliziert.

  • Richi am 05.02.2019 08:24 Report Diesen Beitrag melden

    Bitcoin

    ich bezahle im internet mit Bitcoin. Eine Kreditkarte habe ich seit Jahren nicht mehr. Was soll jetzt dieses überhaupt nicht anonyme aber sehr komplizierte System für Vorteile bringen. Bin mal gespannt, wie viele Onlineshops sich darauf einlassen.

  • Kundin am 05.02.2019 07:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    heimliche Abzocke

    Bei der Swisdcom und der CKW wird der Kunde abgestraft, wenn er bar bezahlt. Bei der Swisscom sind dies immerhin jeden Monat Fr. 2.50. Das bei Kunden, die schon Jahrzehnte bei Swisscom sind. Früher PTT, danach automatisch Swisscom. Das sind Millionen von Franken, die sie jährlich, ohne Mehrleistung einkassieren.

  • Cococookie am 05.02.2019 07:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Oder...

    Mann kann sich auch einfach eine prepaid Kreditkarte beim Kiosk zulegen. Mann kann selber entscheiden wieviel Geld man jeweils auf die Karte lädt und kann damit machen was man will. So etwas unnützes wie beim Sbb Automat zu zahlen braucht es nicht.