Monsterauftrag

18. Juli 2019 12:34; Akt: 19.07.2019 11:38 Print

Die SBB will keine Einheitsgipfeli mehr

von D. Benz/S. Spaeth - Die SBB schreibt ihren Gipfeli-Auftrag öffentlich aus. Künftig sollen die Backwaren nicht mehr quer durch die Schweiz gekarrt werden.

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Bei Frühaufstehern und Pendlern sind sie beliebt: die SBB-Gipfeli im Speisewagen oder von der rollenden Minibar im Zug. Fast auf dem ganzen SBB-Schienennetz schmecken sie gleich. Denn der Bahnbetrieb setzt überall auf Gipfeli und Brötli der Bäckerei Hiestand-Frischdienst.

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Soll die SBB bei den Gipfeli auf die Transportwege achten?

Doch das wird sich bald ändern, denn die SBB will für ihre Speisewagen-Tochter Elvetino die Einheitsgipfeli von Hiestand nicht mehr. «Der Vertrag mit Hiestand endet auf Ende 2019», bestätigt die SBB auf Anfrage. Der Konzern hat daher den Gipfeli-Auftrag öffentlich ausgeschrieben.

Interesse bei regionalen Bäckereien

Der Konzern will aber nicht mehr bloss einen nationalen Lieferanten. Gesucht werden wieder diverse lokale Bäckereien, wie das bereits vor dem Vertrag mit Hiestand der Fall war. Die öffentliche Ausschreibung ist daher in 13 Lose aufgeteilt. So sucht die SBB für die Ladestation Zürich etwa einen Lieferanten, der 268'000 Brötli und Gipfeli jährlich liefert. In Bern liegt die Jahresmenge bei 98'000 Stück, in Basel bei 129'000. Alles in allem sollen die lokalen Bäcker rund 1,1 Millionen Gipfeli und Brötli im Jahr für die SBB backen.

Allerdings heisst das nicht, dass am Schluss auch 13 verschiedene Anbieter beim Auftrag zum Zug kommen. «Die Vergabe mehrerer Lose an denselben Anbieter ist möglich», sagt die SBB. Man wisse aber aufgrund entsprechender Anfragen, dass das Interesse regionaler Bäckereien vorhanden sei.

Hiestand prüft Ausschreibung

Bäckereien können ihr Angebot bis Ende August einreichen. Die neuen Verträge laufen dann ab Mitte Januar 2020 genau drei Jahre lang. Gemäss Ausschreibung besteht Aussicht auf Vertragsverlängerung. Auch Hiestand könnte wieder ein Angebot einreichen, um ein oder mehrer Lose für sich zu gewinnen. «Wir sind am Prüfen der Ausschreibungsunterlagen und grundsätzlich interessiert, die Geschäftsbeziehungen aufrechtzuerhalten», sagt eine Sprecherin.

Die SBB setzt künftig auch aus ökologischen Gründen auf lokale Bäckereien, denn seit Herbst 2017 karrt Hiesteand jeden Tag die Backwaren quer durch die ganze Schweiz zu den SBB-Logistikstandorten. Ausnahme ist Brig, wo eine lokale Bäckerei liefert. Für Hiestand sind das teils lange Fahrten: Allein die Strecke vom Produktionsstandort in Schlieren nach Genf beträgt 270 Kilometer.

«Ein wichtiger Faktor»

Gegenüber 20 Minuten teilte Hiestand vor zwei Jahren mit, dass für die Ausführung des SBB-Auftrages keine Zusatzfahrten nötig seien, man verfüge über eine effiziente Logistik. Bei der SBB klingt das heute jedoch anders: Ökologische Überlegungen seien beim Entscheid, künftig auf lokale Anbieter zu setzen, «ein wichtiger Faktor» gewesen. «Die SBB und Elvetino wollen damit lange Transportwege vermeiden und die Frische der Produkte gewährleisten», so der Konzern.

Zufrieden mit dem Sinneswandel bei der SBB ist man beim Schweizerischen Bäcker-Confiseurmeister-Verband. «Wir begrüssen die neue Strategie der Dezentralisierung und der Regionalität der SBB im Beschaffungsbereich», sagt Vizedirektorin Claudia Vernocchi. Die Vielzahl an Lieferanten würde die Transportwege kürzen. Zudem profitierten die SBB-Reisenden von der regionalen und handwerklichen Vielfalt bei den Backwaren.

Öffentliche Ausschreibung ist zwingend

Ob die Neuvergabe des Auftrags einen Einfluss auf die Preise der Backwaren hat, ist unklar. Derzeit kostet ein Gipfeli in den 108 Speisewagen und von den Minibars in 30 Eurocity- und Intercity-Zügen 1.90 Franken, ein Schoggi-Gipeli 2.90 Franken. In Sachen Auftragsvolumen hält sich die SBB bedeckt. Gemäss VöB (Verordnung über das öffentliche Beschaffungswesen) müssen Lieferaufträge ab einem Wert von 230'000 Franken zwingend öffentlich ausgeschrieben werden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Claudio Valentin am 18.07.2019 12:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Preisfrage

    Macht Sinn. Jedoch werden sie den Preis so drücken, dass eine regionale Bäckerei keine Chance zum überleben hat.

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  • Hovi am 18.07.2019 12:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gipfeli

    3 Jahre - danach wird einer Bäckerei der Auftrag wieder weggenommen....

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  • Mirko am 18.07.2019 12:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grossartig!

    Wow! Fantastisch! Niemand muss hungern. Aber was soll ein Gipfeli kosten? 2.50 Fr.? 3.-?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • lächerlich am 19.07.2019 19:36 Report Diesen Beitrag melden

    verwöhntes pöbel

    die SBB ist dafür da um die menschen von a nach b zu bringen, das kollbiert jetzt dann - ist aber scheinbar nebensache. esst eure gipfeli zuhause, dann könnt ihr die marke essen, die ihr wollt. dieses ewige gejammere dieser verwöhnten schweizer um nonsens, geht mir auf den wecker. ein paar monate in einem bettelarmen land leben, würde euch wachrütteln.

  • es ist einfach nur lächerlich am 19.07.2019 19:31 Report Diesen Beitrag melden

    gipfeli?

    die schweiz hat ein gipfeli problem in den zügen? wie schön, dass wir keine anderen sorgen haben...

  • gipfeli am 19.07.2019 16:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    sara 1959

    wurde langsam zeit,da die hirstand brotware ungeniessbar sind!

    • weggli am 19.07.2019 19:19 Report Diesen Beitrag melden

      Hiestand-Schoggigipfel isch top

      Bessere Qualität als die von Hiestand muss man lange suchen zumindest bei diesen Produkte die ich konsumiere. Bei so einem Grossauftrag kommen die Rollings und dgl. dann sowieso wieder von Hiestand/Aryzta. Für eine kleine oder mittelgrosse Bäckerei ist es beinahe unmögl., dies wirtschaftlich zu betreiben (Skalierungseffekt). Zumindest nicht bei den, vermute ich jetzt einfach mal, sehr bescheidenen Abnahmepreisen der SBB. Ausser natürlich die SBB nimmt Einbussen bei ihrer Gewinnmarge in Kauf ;) Sie hätte dann zumindest eine Erklärung, warum die Ticketpreise schon wieder teurer werden

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  • sam am 19.07.2019 15:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So oder so? Ist egal.

    Wenn der Zug trotzdem von Zürich nach lugano fährt und die Gipfeli mitnimmt, kommts wirklich nicht drauf an.

  • K.K. Kanterer am 19.07.2019 10:45 Report Diesen Beitrag melden

    Gipfeli machen Sinn

    Gipfeli (wie übrigens auch Schokolade) gewähren Trost, Was bei den immer üblicheren Verspätungen Sinn macht.