Kursabsturz

15. Januar 2015 19:10; Akt: 16.01.2015 08:44 Print

SNB-Entscheid vernichtet 101 Milliarden Franken

Der Leitindex SMI büsste knapp 8,7 Prozent ein – das entspricht auf alle Aktien hochgerechnet einem Verlust von 101 Milliarden Franken.

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Donnerstag, 15. Januar: Der Swiss Market Index ist nach der Aufhebung des Euromindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank in Zürich total abgestürzt. (Bild: Reuters/Arnd Wiegmann)

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Die überraschende Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat die Schweizer Börse am Donnerstag massiv einbrechen lassen. Der wichtigste Aktienindex der Schweiz, der Swiss Market Index (SMI), büsste knapp 8,7 Prozent ein. Er schloss auf 8400.61 Punkten (-798).

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Rechnet man dies auf den Gesamtwert aller Aktien der 20 SMI-Unternehmen hoch, so bedeutet dies: Heute ist an der Schweizer Börse ein Wert von 101 Milliarden Schweizer Franken vernichtet worden. Verwendet wurde für diese Rechnung die sogenannte Marktkapitalisierung.

Ausverkauf am Aktienmarkt

Betrachtet man die einzelnen Titel, so gehören zum Beispiel die Banken zu den grossen Verlieren. Julius Bär büsste 11,5 Prozent ein, die UBS 11,7 Prozent und die Credit Suisse 11,0 Prozent. Noch extremer fielen die Verluste allerdings bei Swatch (-16,4 Prozent), Richemont (-15,5 Prozent) oder Lonza (-17,9 Prozent) aus.

Auch der Kurs des Euro stürzte im Verlauf des Tages bis auf ein Rekordtief von Fr. 0.85 ab. Um 18 Uhr kostete er schliesslich wieder Fr. 1.04 , das ist gut 16 Rappen oder 13,5 Prozent weniger als am Morgen. Der Dollarkurs stand zur selben Zeit bei 90 Rappen pro Dollar.

Was waren die Gründe?

Über die Gründe für die Aufhebung des Mindestkurses wird nach wie vor spekuliert. SNB-Chef Thomas Jordan verwies an einer Medienkonferenz in Zürich nur auf die «diversen Entwicklungen in den letzten Wochen», ohne jedoch auszuführen, was er damit genau meint. Eine naheliegende und von diversen Fachleuten geäusserte Vermutung ist, dass die Nationalbank schlicht vor dem Druck der Finanzmärkte eingeknickt ist.

Jordan wies diese Unterstellung jedoch zurück. Der grosse Druck auf den Mindestkurs sei nicht ausschlaggebend gewesen, sagte er und verwies einmal mehr auf die internationale Entwicklung.

Näher liegt darum die Vermutung, dass die SNB über diese Entwicklung Genaueres weiss als die Öffentlichkeit. Zum Beispiel, dass sich die Eurokrise in den nächsten Monaten tatsächlich wieder deutlich zuspitzen wird. Eine Bemerkung des SNB-Präsidenten kann jedenfalls als Hinweis darauf gedeutet werden. «Die Aufhebung des Mindestkurses hätte in sechs oder zwölf Monaten grössere Nebenwirkungen», sagte er.

(kwo/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • tato am 15.01.2015 17:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hatten zeit

    das die aufhebung kommt wussten alle, und hatten seit 2011 von der "subvention" profitiert und hatten zeit sich darauf einzustellen.

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  • Marco Meier am 15.01.2015 17:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Attraktiver Staat

    Bisher hat die NB unseren Wohlstand gesichert. Nun ist der Staat gefordert: Weniger Umverteilung, weniger Öko-Steuern, weniger Auflagen, weniger Staat!

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  • Beni am 15.01.2015 17:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Möchtegern Wirtschaftsprofis

    Diejenigen, die jetzt echt mit ihren 500er wrchseln gehen, um 10 Franken zu machen sind lächerlich.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • René am 17.01.2015 12:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grübels Meinung nicht gefragt

    Was muss jetzt da der Grübel auch noch seinen Kommentar abgeben. So einen Weitblick hat der jetzt definitiv nicht. Der hatte ja nicht mal die UBS im Griff. Wie soll er also dies beurteilen können?

  • Simon Despres am 17.01.2015 11:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Odrr?

    Jetzt mal rein Theoretisch... Wenn der Franken mehr Wert hat habe ich mehr Geld. Also steigt das Vermögen von jedem Schweizer. Darüber sollten wir uns freuen und nicht aufregen. Nicht unser Problem wenn sich einzelne Firmen nicht gut vorbereiten.

  • N. Irman am 17.01.2015 11:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Liebe schweizer Arbeitnehmer

    Liebe Schweizer und jene die hier Arbeiten Seit ihr nicht alle froh in diesem Land gut zu verdienen? Warum gebt ihr denn nicht auch Euer Geld hier aus? Wie sollen Geschäfte und somit eure Arbeitsplätze überleben, wenn alle das Geld nun im Ausland ausgeben?

  • Shopper am 17.01.2015 10:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bis zur Grenze

    Kein Problem. Deutsche Nachsendeadresse und die Abzocke durch ausländische Versandhändler nimmt ein abruptes Ende...da dies auch gleich eine EU Adresse ist, kann sie für Onlineshops sämtlicher EU Staaten ohne Probleme genutzt werden.

  • Daniel am 17.01.2015 09:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Euro

    Wer ins Ausland einkauft soll auch dort sein Lohn beziehen.