Angriffe auf Banker

24. März 2011 18:09; Akt: 24.03.2011 18:12 Print

SNB bezeichnet Euro-Käufe als Erfolg

von Balz Bruppacher - Die Nationalbank verteidigt ihre Interventionen am Devisenmarkt. Die Kritiker würden einer falschen Wahrnehmung erliegen, ist ein Notenbanker überzeugt.

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Die Nationalbank rechtfertigt ihre Interventionen am Devisenmarkt. SNB-Philipp Hildebrand (links), Direktoriumsmitglied Jean-Pierre Danthine (mitte), Kommunikationschef Werner Abegg (rechts) (Bild: Keystone)

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Der Rekordverlust von 19,2 Milliarden Franken im letzten Jahr hat eine heftige politische Kontroverse über die Schweizerische Nationalbank (SNB) ausgelöst, die bis zu Rücktrittsforderungen an Präsident Philipp Hildebrand reichte. Waren es bisher vor allem Hildebrand selber und Vizepräsident Thomas Jordan, die die hinter den Verlusten stehenden Devisenkäufe verteidigten, so legt nun das dritte Direktoriumsmitglied, Jean-Pierre Danthine, nach.

Wer erwartet hatte, dass die Nationalbank versöhnlichere Töne anschlagen würde, sah sich getäuscht. An einer Veranstaltung zum Thema Geldmarkt in Zürich verteidigte Danthine am Donnerstag die Notenbankpolitik der vergangenen beiden Jahren. Wer die Devisenmarktinterventionen als Misserfolg kritisiere, erliege einer falschen Wahrnehmung, sagte er gemäss Redetext. Denn die Devisenkäufe seien nicht auf ein bestimmtes Wechselkursziel ausgerichtet gewesen – ein Rezept, das auch von der Wissenschaft als wenig erfolgsversprechend eingestuft wird. Ziel der Nationalbank sei es vielmehr gewesen, angemessene monetäre Bedingungen für die Schweizer Wirtschaft zu schaffen.

Wegen Deflationsgefahr gehandelt

Die Erfahrung im Jahre 2009 – damals schwächte sich der Kurs des Frankens zwischen März und Dezember leicht ab – habe aber gezeigt, dass es machbar und sinnvoll sein könne, das Niveau des Wechselkurses vorübergehend zu beeinflussen. Und zwar dann, wenn die traditionellen Instrumente der Geldpolitik ausgeschöpft seien und die Aufwertung der Währung einer weiteren Verschärfung des geldpolitischen Kurses gleichkomme. Danthine zeichnete den Verlauf von Konjunktur und Handlungsmotiven der Nationalbank in den letzten beiden Jahren detailliert nach. Er bekräftigte, dass sich die Notenbank stets von ihrem Auftrag habe leiten lassen, die Preisstabilität zu gewährleisten und dabei der Konjunktur Rechnung zu tragen.

Sowohl 2009 wie auch im Frühling 2010 war es demnach die Deflationsgefahr, die die Nationalbank zu den massiven Käufen ausländischer Währungen auf dem Devisenmarkt veranlasste. Danthine erinnerte in diesem Zusammenhang an die Grosse Depression in den 1930-er Jahren und an das «verlorene Jahrzehnt» Japans. Zur besonders umstrittenen Wiederaufnahme der Interventionen im Frühling 2010 – im Urteil der Kritiker herrschte damals keine akute Deflationsgefahr – verwies er auf den fragilen Aufschwung sowie auf die Flucht in den Schweizer Franken wegen der europäischen Schuldenkrise. Entsprechend der Ankündigung, eine übertriebene Aufwertung des Frankens zu bekämpfen, habe man bis im Juni 2010 erneut massiv am Devisenmarkt interveniert.

«Intervention war kein Misserfolg»

Danthine widersprach auch der Kritik, die Interventionen hätten ihr Ziel verfehlt und die Nationalbank sei von den Märkten niedergerungen worden. Die SNB habe im Gegenteil das getan, was sie angekündigt habe, und der Schweizer damit dazu verholfen, als erstes Land wieder die Wirtschaftsleistung vor der Krise zu erreichen. Für den Notenbanker ist es deshalb ein Rätsel, wie man die Interventionen als Misserfolg bezeichnen kann. Zumal der Erfolg nicht das Resultat einer übertrieben expansiven Fiskalpolitik gewesen sei, sondern eines angemessenen Zusammenspiels, bei dem die Nationalbank die Lasten der Antwort auf die Krise geschultert habe. Kostspielig wären die Interventionen hingegen dann, wenn in zwei bis drei Jahren ein starker Inflationsdruck entstünde, sagte Danthine. Er gab sich aber zuversichtlich, dass die durch die Interventionen geschaffene Liquidität rechtzeitig neutralisiert werden kann.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Freddy am 24.03.2011 18:52 Report Diesen Beitrag melden

    In- oder Deflation?

    Gefahr einer "Deflation"? Ich glaube die SNB verwechselt da etwas. Das richtige Wort, das uns wegen der SNB droht tönt ganz ähnlich, es endet auch mit -flation. Undin Tat und Wahrheit war die ganze Übung ein grosses Geschenk an die EU, eine versteckte Tributzahlung sozusagen.

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  • fina am 24.03.2011 18:25 Report Diesen Beitrag melden

    idioten bei der arbeit

    die lösung wäre doch so einfach. soll doch jeder das recht haben wie die nb einfach geld zu kreieren. einfach mal schnell 1 mio mehr auf dem konto eintragen.. der franken würde sich so sicherlich schnell abwerten und alle wären froh... kurzfristig natürlich

  • Telip Stefan am 25.03.2011 04:38 Report Diesen Beitrag melden

    Schoenfaerberei

    Die gleichen Leute, welche heute behaupten, dass die Interventionen kein Misserfolg seien, haben frueher die Meinung vertreten, dass Interventionen nichts bringen, da der Markt sich in jedem Fall selber reguliert. Fehler zugeben und Verantwortung uebernehmen scheint fuer diese Leute nicht moeglich!!!

Die neusten Leser-Kommentare

  • v. s. am 25.03.2011 15:23 Report Diesen Beitrag melden

    Unfaire Kritik

    Zum Zeitpunkt der Interventionen stellte sich die Situation anders. Deflation stand vor der Tür. Der Euro wird wieder stärker. Europa ist endlich aufgewacht und stellt sich jetzt auch fiskalpolitisch den Realitäten. - Die Kritik vor allem seitens SVP ist unfair und unsachgemäss. Die SNB kann auch mal Buchverluste machen. Sie ist weder eine Milchkuh noch eine Geschäftsbank. Ihre Horizonte sind langfristig, sie ist unabhängig (das ist ihre grosse Stärke) und die SNB muss auch nicht opportunistisch Wählerstimmen nachlaufen. Auch nicht im Wahljahr.

  • Silver am 25.03.2011 10:08 Report Diesen Beitrag melden

    Na ja!

    Wie viel Analysten, Banker, Ratingagenturen und Wirtschaftswissenschafter wert sind, haben wir in den letzten Jahren deutlich gesehen. Im Nachhinein sind alle gescheiter und haben tausend Ausreden und Entschuldigungen - kommen sehen haben es aber nur ganz wenige. Und die wurden mundtot gemacht. Was nicht sein darf, darf nicht sein. Mit unseren läppischen Milliarden den Euro stützen zu wollen ist hirnrissig. Ich habe da eher den Verdacht, dass einige - auf unsere Kosten - auf zukünftiges Lob und Ämtli spekulierten.

  • Devisenhändler am 25.03.2011 08:36 Report Diesen Beitrag melden

    Facts

    Über die Wirksamkeit der Interventionen kann man streiten. Nicht jedoch über die laienhaften Auftritte am Markt. Keine andere Nationalbank verkündigt das Ende seiner Eingriffe (SNB tat dies am 17.6.10), kein anderer SNB Präsident sagt im illiquiden Markt, der Euro könnte bis 50 Rappen fallen (Hildebrand tat dies im Dezember 2010). Die Herren sprechen sich auch nicht untereinander ab, bevor sie sich im Medienlicht buhlen. Das sind die Facts.

    • Interessierter Marktbeobachter am 27.03.2011 11:48 Report Diesen Beitrag melden

      Dann werden Sie verstehen,

      dass die SNB intervenieren musste, dass sie gross intervenieren musste, dass genau dann der Markt drehte, nachdem Hildebrand diese für einen Devisenhändler typisch extreme Kursaussage machte. Offenbar hat es genützt und den Markt verunsichert. Die Banken werden ihren Kunden wohl empfehlen, die auf Termin verkauften EUROS wieder einzudecken und zudem ihre bankeigenen EUR-Grundpositionen nicht mehr mit gleicher Überzeugung im Minus halten.

    • Stadelmann Anton am 27.03.2011 12:37 Report Diesen Beitrag melden

      Antw. auf Devisenhändler

      Da ist wohl einer auf dem falschen Fuss erwischt worden. Die SNB hält wohl nur geheim was aus taktischen Gründen geheim bleiben muss.

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  • Telip Stefan am 25.03.2011 04:38 Report Diesen Beitrag melden

    Schoenfaerberei

    Die gleichen Leute, welche heute behaupten, dass die Interventionen kein Misserfolg seien, haben frueher die Meinung vertreten, dass Interventionen nichts bringen, da der Markt sich in jedem Fall selber reguliert. Fehler zugeben und Verantwortung uebernehmen scheint fuer diese Leute nicht moeglich!!!

  • Esther Müller am 24.03.2011 22:03 Report Diesen Beitrag melden

    Papier und Euro und Wahnsinn

    Ich lach mich kringelig. Die Kritiker erliegen ganz klar einer falschen Wahrnehmung, wenn Milliardenverluste eingefahren werden dank Investitionen in die Titanic. Der Euro ist am Ende. Für jeden Kritiker schon seit langem glasklar, wohin die Reise geht. Früher oder Später. Egal. Wem gehört eigentlich das SNB Geld, welches von "Experten" so schwachsinnig verubelt und verblödet wird? Ist das Volksvermögen? Die sollen besser unser Gold aus Fort Knox und England zurückholen, anstatt mit Papier zu spielen. Das gehört nämlich auch dem Volk, und es wird einfach in fremden Ländern aufbewahrt