Starker Franken

14. Januar 2011 17:33; Akt: 14.01.2011 21:12 Print

SNB mit Riesenverlust - Kantone besorgt

Die Nationalbank hat im letzten Jahr 21 Milliarden Verlust gemacht. Für die Zukunft sind die Ausschüttungen an Bund und Kantone gefährdet. Die kantonalen Finanzdirektoren sind alarmiert.

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Die starke Aufwertung des Franken gegenüber dem Euro und Dollar habe im vergangenen Jahr einen Verlust von 26 Mrd. Fr. auf den Fremdwährungspositionen beschert, gab die SNB am Freitag bekannt. Gemildert wird der Verlust durch den Bewertungsgewinn auf dem Gold-Bestand von knapp 6 Mrd. Franken. Unter dem Strich rechnet die SNB mit einem Verlust von 21 Mrd. Franken. 2009 hatte sie noch mit einem Gewinn von 10 Milliarden abgeschlossen.

Wegen der ausserordentlichen Situation kürzt die Nationalbank die Zuweisung an die Rückstellungen für Währungsreserven von 4 Mrd. auf 700 Millionen Franken. «Dies erlaubt es, an der vorgesehenen Ausschüttung für das Geschäftsjahr 2010 von 2,5 Mrd. Fr. an Bund und Kantone sowie an der Dividendenausschüttung von 1,5 Mrd. Fr. festzuhalten», schreibt die SNB.

Damit gewährleiste sie Planungssicherheit für die Budgets von Bund und Kantonen. Allerdings warnt die SNB, dass es so nicht weitergehen könne. Denn die Ausschüttungsreserve schmilzt wegen dem Riesenverlust völlig weg. Nachdem Ende 2009 noch 19 Mrd. Fr. im Topf waren, wird die Ausschüttungsreserve nun ein Minus von 5 Mrd. Fr. aufweisen.

Die Kantone sind besorgt

Eine völlige Aussetzung der Ausschüttungen wäre nicht akzeptabel, sagte der Präsident der Konferenz der kantonalen Finanzdirektoren (FDK), Christian Wanner, am Freitag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur SDA. «Das wäre sehr schlimm für die Kantone, weil die Ausschüttung der SNB ein wesentlicher Teil der kantonalen Einnahmen ist.»

Von einer «sehr schlechten Nachricht» sprach der Präsident der Konferenz der Kantonsregierungen (KdK) Pascal Broulis. Die Kantone seien sehr beunruhigt, sagte er auf Anfrage. Wenn die Kantone 2012 nicht mit den 1,67 Mrd. Franken rechnen könnten, welche die SNB ihnen jedes Jahr ausschütte, könnten sie Probleme bekommen.

Die Zahlungen der SNB stellten nämlich zwischen 2 und 3 Prozent der Gesamteinnahmen der Kantone dar, erklärte der Waadtländer Finanzvorsteher. Sind die Ausschüttungen nicht mehr garantiert, könnten sich die Kantone gezwungen sehen, die Steuern oder ihre Verschuldung zu erhöhen, wie Broulis sagte. Oder aber sie müssten ihre Leistungen zurückfahren.

Der Bund gibt sich gelassen

Betont gelassen gibt sich der Bund: Selbst wenn die 833 Mio. Franken, die der Bund von der Schweizerischen Nationalbank (SNB) zugute habe, wegfallen würden, wäre das Bundesbudget 2012 immer noch konform mit der Schuldenbremse, sagte der Direktor der Eidg. Finanzverwaltung, Fritz Zurbrügg.

Am Vortag hatte der Bund bekannt gegeben, dass die Rechnung im vergangenen Jahr massiv besser ausgefallen ist als bisher angenommen. 2010 erzielte der Bund statt des budgetierten Defizits von 2 Mrd. Fr. einen Gewinn von 3 Mrd. Franken.

(sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mike S. am 15.01.2011 12:42 Report Diesen Beitrag melden

    trotzdem Bonus

    Bravo, aber auch bei der SNB gibts sicher noch Bonus !

  • h.kaufmann@gmail.ch am 14.01.2011 18:56 Report Diesen Beitrag melden

    Unfähiger SNB Hildebrand

    Unglaublich schon wieder gelogen, der Verlust der SNB ist 31 Mia CHF - hat nichts mit Goldgewinn - Aufwertung zu tun!! Frechheit ein 3 jähriges Kind könnte die Nationalbank besser leiten als Hildebrand!

  • hugo.maurer@gmx.net am 14.01.2011 20:19 Report Diesen Beitrag melden

    Ein 60-jähriger Deisenhändler

    Herr Hildebrand wird dafür noch gelobt. Die Inflation wäre auch ohne Intervention sicher nicht gestiegen. Das war reine Selbstüberschätzung. Wenn man als höchster Bänker der Schweiz sich so verspekuliert gibt es nur eines. Nehmen Sie den Hut.

Die neusten Leser-Kommentare

  • inot am 17.01.2011 18:08 Report Diesen Beitrag melden

    Wahre Experten wussten das schon lange!

    Mit 21 Mrd. hätte die SNB die Wirtschaft wohl besser direkt unterstützt. Ausserdem ist ja der EURO trotzdem gefallen. Die PIIGS, oder sollte ich besser sagen ihre Gläubiger (die grossen europäischen Banken), werden es dankenend annehmen. Die Kantone werden bald bei den Bürgern anklopfen und die Suppe weiter reichen, und zwar über die Steuern! Der Mittelstand geht im Zeitlupentempo den Bach runter in ganz Europa!

  • Schweizerin am 15.01.2011 21:28 Report Diesen Beitrag melden

    Zusammenhänge verstehen, bevor man über die SNB sc

    Die Makroökonomie-Kenntnisse in diesem Forum sind leider teilweise himmeltraurig. Die Nationalbank macht wegen ihrer Eurostützkäufe in der kurzen Frist Verluste. Das ist unschön, aber wohl nötig, wenn sich der Franken gegenüber EUR und USD nicht noch stärker aufwerten soll. Wenn sie dies nicht täte, dann wäre der Franken noch stärker und diejenigen Firmen, die viel exportieren, hätten noch grössere Probleme. Die Schweiz ist keine Binnenmarktsinsel. Würgt man den Export und damit die Konjunktur ab, gibts wohl einige neuen Arbeitslosen, was auch niemand will...

    • hugo.maurer am 18.01.2011 20:06 Report Diesen Beitrag melden

      Ein immer noch 60-jähriger Devisenhändler

      Frau Schweizerin. Der Franken IST genau so stark wie er ist. Mit oder ohne Stützkäufe. Firmen die exportieren haben nur Probleme weil sie sich nicht absichern gegenüber den anderen Währungen. Rohstoffe und Halbfertigprodukte im Import werden ja billiger.

    einklappen einklappen
  • Peschä am 15.01.2011 19:30 Report Diesen Beitrag melden

    Goldverkauf

    Hätte die Nationalbank nicht vor einigen Jahren Unmengen von Gold verkauft und jetzt nicht Unmengen von Euros gekauft, könnte die SNB jetzt einen dicken Gewinn ausweisen!

  • Denkanstösser am 15.01.2011 15:24 Report Diesen Beitrag melden

    Wer gegen den inneren Wert

    des EURO spekuliert, sollte nicht vergessen, dass die SNB einen längeren Atem hat. Wer wegen Massnahmen der SNB auf die Schnauze fällt, ist selber schuld. Bedenklich ist die Erwartungshaltung der Kantone, in jedem Fall eine Ausschüttung zu erhalten. Es ist nicht Aufgabe der SNB, die Verluste der Kantone abzudecken. Umgekehrt auch nicht.

  • Peschä am 15.01.2011 14:39 Report Diesen Beitrag melden

    Verbrechen?

    Ist es nicht ein Verbrechen am Schweizer Volk, wenn die Nationalbank durch hoffnungslose Euro-Stützkäufe 26 Mrd. Franken "verjubelt"? Man muss dringend personelle Konsequenzen prüfen. Auch rechtliche Konsequenzen für die Verantwortlichen müssen geprüft werden.