Medien-Studie

01. März 2011 11:11; Akt: 01.03.2011 14:09 Print

SRG erfüllt Konzession weitgehend

Eine Studie der Uni Zürich attestiert der SRG eine Beinahe-Verletzung der Konzessionsauflagen beim Online-Angebot.

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Die SRG hält bei ihrem Online-Angebot die Konzessionsauflagen des Bundes weitgehend ein. Zu diesem Schluss kommen Forscher der Universität Zürich in einer Studie im Auftrag des Bundesamts für Kommunikation. Bei Blogs oder Verkaufsangeboten im Internet bewege sich die SRG aber in einer Grauzone.

Bei rund acht Prozent der untersuchten Online-Angebote der SRG sei die Einhaltung der Konzession fraglich, teilte das Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) am Dienstag mit. Es hatte die Studie «SRG Online Beobachtung» zum zweiten Mal in Auftrag gegeben. Im Vergleich zum Vorjahr nahmen die Beiträge in der «Grauzone» um rund 1 Prozent ab.

Gemäss Konzessionsvorgaben hat das Online-Angebot der SRG die Funktion, das Fernseh- und Radioangebot zu ergänzen und zu vertiefen. Haben die Online-Angebote keinen direkten Bezug zu einer Sendung im Radio oder Fernsehen, so erfüllen sie die Bedingungen der Konzession nicht.

168 Fälle unklar

Die Wissenschaftler ordneten insgesamt 168 Fälle einer «Grauzone» zu, wie sie schreiben. Darunter waren redaktionelle Inhalte, interaktive Angebote, Werbung, Eigenwerbung und Unternehmensinformation. Auf der Internetseite von SF stammten die Beiträge vor allem aus den Rubriken Sport, Unterhaltung und SF Meteo; bei Radio DRS aus den Nachrichten.

Die People-Sendung glanz & gloria stelle zum Beispiel im Internet eine Prominenten-Datenbank zur Verfügung, die keinen direkten Bezug zu einer Sendung habe, stellten die Forscher fest. Ebenfalls in einer Grauzone bewegten sich Resultattabellen von Sportarten, über die nicht zeitnah im Rundfunk berichtet worden sei.

Nutzergenerierte Inhalte

Bei den interaktiven Angeboten auf den SRG-Webseiten bemängelten die Studienautoren verschiedene Blogs - etwa Beiträge auf dem Aeschbacher-Blog oder den kulturplatz-Blog. Der Anteil unklarer Fälle liege im Bereich nutzergenerierter Inhalte deutlich höher als in den anderen Kategorien. «Für mehr als 85 Prozent aller geprüften nutzergenerierten Inhalte ist kein Sendungsbezug ersichtlich», heisst es in der Studie.

Auf den Internetseiten der SRG würden auch Artikel verkauft, die keinen direkt ersichtlichen Bezug zu einer Sendung haben. Etwa im Radiokiosk von DRS rechnen die Autoren 9 von 10 Produkten - CDs und Bücher - der Grauzone zu.

BAKOM zufrieden

Trotz der festgestellten Mängel sei das BAKOM zufrieden mit den Studienergebnissen, sagte Jost Aregger, Forschungsverantwortlicher beim BAKOM, auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Die SRG sei auf einem guten Weg. «Das Verbesserungspotenzial sollte aber genutzt werden», hielt er fest. Das BAKOM suche deshalb das Gespräch mit der SRG. Politische Auswirkungen verfolge die Studie nicht.

«Die SRG nimmt zur Kenntnis, dass diese Grauzonenfälle vor allem in den Bereichen Interaktivität und Verkauf/Shop befinden», teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Die Studie bestätige, dass sich die SRG an die Spielregeln halte. «Kein einziges Angebot wurde jenseits des erlaubten Perimeters identifiziert», schreibt die SRG.

Die Studie «SRG Online Beobachtung 2010» ist Teil eines Forschungspakets zur Beobachtung der Programmqualität von Radio und Fernsehen.

Unter der Leitung von Michael Latzer untersuchten Forscher des Instituts für Publizistikwissenschaft und Medienforschung der Universität Zürich das Online-Angebot von Schweizer Fernsehen SF, Schweizer Radio DRS, dem Westschweizer Radio und Fernsehen RSR und TSR sowie dem Tessiner Radio und Fernsehen RSI. Die Studie kostete 78 600 Franken.

(sda)