Autoindustrie

07. Dezember 2011 15:20; Akt: 07.12.2011 15:35 Print

Saab steht wieder einmal am Abgrund

Das Auf und Ab bei Saab nimmt kein Ende. Seit dem Sommer bangen die 3500 Angestellten immer wieder um ihre Löhne. Im Moment sieht es wieder schlecht aus für den schwedischen Autobauer.

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Die frühere General-Motors-Marke Saab ist ein spätes Opfer der Insolvenz des US-Autoriesen im Sommer 2009. Zwar überlebte GM dank staatlicher Milliardenhilfen. Doch etliche Töchter blieben auf der Strecke. Was aus den einzelnen Marken wurde. Nach dem geplatzten Verkauf an den Autozulieferer Magna drückte GM beim deutschen Autohersteller Opel und seiner britischen Schwestermarke Vauxhall ein hartes Sparprogramm durch. 8000 Mitarbeiter mussten gehen, das Werk Antwerpen wurde dichtgemacht. Doch der Umbau zeigt Wirkung: Dank frischer Modelle konnte Opel neue Kunden gewinnen; nach jahrelangen Verlusten schrieb das Unternehmen zuletzt einen Gewinn. Die US-Traditionsmarke Pontiac hatte in der Insolvenz keine Chance. Zu wenige Autokäufer bedeuteten letztlich das Aus. 2010 wurde der Verkauf eingestellt. Die vergleichsweise junge US-Marke Saturn teilt das gleiche Schicksal. Mit ihr hatte GM ab den 1980er Jahren den aufstrebenden japanischen Autoherstellern Kunden abspenstig machen wollen. Das gelang nur teilweise. Unter dem Saturn-Emblem wurden auch der Opel Astra und Vectra in den Staaten verkauft. Die GM-Insolvenz läutete auch das Ende der einst so erfolgreichen Geländewagen-Boliden von Hummer ein. Rasant gestiegene Spritpreise und die Wirtschaftskrise liessen die Kunden für die kantigen Kisten ausbleiben. Ein Verkauf nach China misslang. Durch den Wegfall von Pontiac und Saturn ist die Bedeutung von Chevrolet im Konzern gestiegen. Die Massenmarke bietet ein Komplettprogramm an und konnte zuletzt deutlich zulegen. In Europa werden unter dem Namen vornehmlich Modelle aus südkoreanischer GM-Fertigung verkauft, die früher unter Daewoo liefen. GM feiert mit seiner Premiummarke Buick vor allem in China Erfolge. Dabei bedient sich die uramerikanische Marke deutscher Technik: Die Limousine Buick Regal ist eigentlich ein Opel Insignia. Cadillac ist die Nobelmarke im GM-Reich und konkurriert mit den grossen Modellen aus dem Hause Mercedes, BMW und Audi. Elvis Presley machte die Marke weltberühmt. Auch heute kommt Hollywood an Cadillac nicht vorbei: Der gigantische Geländewagen Escalade mit seinen dunkel getönten Scheiben ist Dauergast in Filmen und auch bei den US-Käufern sehr beliebt.

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Saab trennt nur noch eine Haaresbreite vom Abgrund: Am Mittwoch hat auch der bisherige Zwangsverwalter den Kampf um einen Neustart wegen Aussichtslosigkeit aufgegeben. Das Management des schwedischen Autokonzerns will weiterkämpfen, steht aber mit leeren Händen da.

Wie das schwedische Unternehmen am Mittwoch in Trollhättan mitteilte, hat der von einem Gericht eingesetzte Zwangsverwalter Guy Lofalk den Abbruch des bisher freiwilligen Sanierungsverfahrens mit Gläubigerschutz beantragt. Das Management um den bisherigen Eigner Victor Muller will aber weiter um ein Überleben mit Hilfe des chinesischen Autokonzerns Youngman kämpfen.

General Motors verweigert Lizenzen

Lofalk hatte seit Anfang der Woche öffentlich erklärt, dass er das «Ende des Weges» für erreicht halte, weil Saab über keine Mittel verfüge und es keine realistische Aussicht auf einen baldigen Neustart der Produktion gebe. Am Dienstag verweigerte der US-Konzern General Motors (GM) als früherer Saab-Eigner erneut die dringend benötigten Lizenzen für den Neustart der Produktion mit Youngman als neuem Teileigner.

Unternehmenssprecherin Gunilla Gustavs sagte zur Aufgabe des Zwangsverwalters Lofalk gegen den erklärten Willen des Saab-Managements: «Er muss das tun, was seine Rolle verlangt.» Muller arbeite dennoch «mit aller Kraft» an einer neuen Lösung unter Mitwirkung von Youngman. Der Niederländer hatte seine Strategie für ein Überleben in den letzten Wochen mehrfach geändert, dabei aber nie akut benötigte Kapitalhilfen flüssig machen können.

Chinesische Investoren halten sich nicht an Zusagen

Muller muss innerhalb von sechs Tagen einen glaubwürdigen Geschäftsplan vor Gericht vorlegen. Andernfalls gilt die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens als sicher. Saab kann in seinem westschwedischen Stammwerk seit April wegen Geldmangels und hoher Schulden keine Autos mehr produzieren.

Die 3500 Beschäftigten haben noch keine Löhne und Gehälter für den Weihnachtsmonat bekommen. Die Zusagen potenzieller chinesischer Investoren zur Überweisung von Mitteln für fällige Lohn- und Gehaltszahlungen sind im November erneut nicht eingehalten worden.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dani K. am 07.12.2011 15:50 Report Diesen Beitrag melden

    Schade!

    Ich fahre jetzt in Serie meinen sechsten Saab. Ich lach dann immer, wenn ich ein Kollegen mit Mercedes, Audi und BMW bei mir im Schwedenauto sitzen und meinen, der nächste Gang sei der Kauf eines Saabs... diese Autokultur bieten die erwähnten bei weitem nicht. Aber so wies aussieht, haben sies nicht gemacht: die Käufer fehlen schlicht.

  • Martial Callair am 07.12.2011 16:04 Report Diesen Beitrag melden

    Saab ein Dilema

    Meiner Meinung nach, sollte Saab jetzt endlich einmal schluss machen. Die Zukunft dieser Firma ist gleich null. Diese Fahrzeuge sind zu wenig gefragt, da sie nicht sehr attraktiv und zu teuer sind!

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  • Dani am 08.12.2011 00:15 Report Diesen Beitrag melden

    Sehr schade

    Saab hat gute Autos gebaut. Nen Saab erkennst du überall raus, aber die Breite Masse ging numal zu BMW/Mercedes/VW/AUDI. Ich schau momentan grad nach nem schönen 9.5er von Hirsch, falls einer nen Tipp hat ^^

Die neusten Leser-Kommentare

  • Dani am 08.12.2011 00:15 Report Diesen Beitrag melden

    Sehr schade

    Saab hat gute Autos gebaut. Nen Saab erkennst du überall raus, aber die Breite Masse ging numal zu BMW/Mercedes/VW/AUDI. Ich schau momentan grad nach nem schönen 9.5er von Hirsch, falls einer nen Tipp hat ^^

  • Nickd am 07.12.2011 16:50 Report Diesen Beitrag melden

    Egal...

    Wer braucht schon Saab? Die bauen nicht gerade wirklich schöne Autos. Der Service und Preis der Autos waren bisher auch immer eine Frechheit.

  • Martial Callair am 07.12.2011 16:04 Report Diesen Beitrag melden

    Saab ein Dilema

    Meiner Meinung nach, sollte Saab jetzt endlich einmal schluss machen. Die Zukunft dieser Firma ist gleich null. Diese Fahrzeuge sind zu wenig gefragt, da sie nicht sehr attraktiv und zu teuer sind!

    • Stephan Kämpfen am 07.12.2011 21:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Vorurteile

      Diese Meinung ist nicht nachvollziehbar. Mein Vergleich ergab vor drei Jahren, dass das Preis/Leistungsverhältnis das Beste aller Europäer ist.

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  • Dani K. am 07.12.2011 15:50 Report Diesen Beitrag melden

    Schade!

    Ich fahre jetzt in Serie meinen sechsten Saab. Ich lach dann immer, wenn ich ein Kollegen mit Mercedes, Audi und BMW bei mir im Schwedenauto sitzen und meinen, der nächste Gang sei der Kauf eines Saabs... diese Autokultur bieten die erwähnten bei weitem nicht. Aber so wies aussieht, haben sies nicht gemacht: die Käufer fehlen schlicht.

  • Ueli Mu am 07.12.2011 15:48 Report Diesen Beitrag melden

    Miliarden

    Zum Glück bauen die auch noch Kampfjets

    • Anton Dürler am 07.12.2011 19:15 Report Diesen Beitrag melden

      Das war einmal...

      ...jetzt sind es zwei komplett getrennte Firmen.

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