Tourismusprojekt

14. Dezember 2015 15:09; Akt: 14.12.2015 16:53 Print

Sawiris schreibt in Andermatt nur Verluste

Der ägyptische Investor Samih Sawiris ist mit seinem Andermatt-Projekt in den roten Zahlen. Das Luxushotel The Chedi ist schlecht ausgelastet.

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Samih Sawiris auf einem Sessellift beim Baustart der zweiten Bahn Oberalppass-Calmut am Donnerstag, 17. September 2015, auf dem Oberalppass. Sein Luxushotel ... The Chedi Andermatt schreibt weiterhin rote Zahlen. Dabei begeistert es mit seiner lässigen Eleganz und einem ganz eigenen Stilmix: Orientalisches Design trifft hier auf alpinen Chic. 101 gediegene Gästezimmer und vier Suiten warten im Urserental auf Besucher, die übrigens zu rund 60% aus der Schweiz stammen. Klare Linien, hohe Räume, gedämpftes, indirektes Licht und hier über dem Cheminée die pyramidenartige Decke, die an den Gebetsraum in einem buddhistischen Kloster erinnern soll - den Chedi. Alle Ableger der asiatischen Luxushotelgruppe tragen unverkennbar die Handschrift von Stararchitekt Jean-Michel Gathy. Ein Granit-Boden, Kuhfelle, versteinerte Baumstämme als Hocker, viel Holz und zwei von insgesamt über 200 Feuerstellen im und ums Hotel. The Bar and Living Room steht auch externen Gästen zur Verfügung. Ein Pool, der seinen Namen verdient und mit seinen 35 Metern Länge auch sportliche Schwimmer anspricht. Durch eine Glaswand sieht man direkt in die Lobby - ohne dass sich die Gäste je ausgestellt vorkommen. Supercool die Lounges am Pool-Rand, ... ... jede mit einem kleinen Cheminée am Kopfende, schönen Zeichnungen an der Wand und moderner Stehlampe. Klar, dass auch hier leichte Snacks und Getränke serviert werden. Unser Tipp: gegrillte Jakobsmuscheln im Pistazienmantel. Essen lässt sich ohnehin vorzüglich im Chedi. In The Restaurant, wo man morgens mit einem grossartigen Frühstücksbuffet in den Tag startet (im Zimmerpreis inbegriffen), kann man mittags oder abends wählen zwischen East und West ... ... und den Köchen in den vier offenen Show-Küchen bei der Arbeit zuschauen. Jede Küche hat ein Spezialgebiet: kalte Platten, Desserts, westliche und asiatische Küche. Der Clou hier ist ein grosser, begehbarer Käsekeller, wo man aus zahlreichen regionalen Sorten auswählen kann. Das Standardzimmer heisst im Chedi Deluxe-Zimmer - und hält, was es verspricht. Auf einem iPad steuert man alle Funktionen des Zimmers und findet dort auch jeden Morgen alle Zeitungen des Tages. Der unbegrenzte Zugang zum Spa- und Wellness-Bereich ist natürlich inbegriffen. Und wem 52 oder 55 Quadratmeter zu wenig sind, der kann ja eine der vier Suiten mieten. Hier die Gemsstock-Suite mit über 130 Quadratmetern. Die Suiten gehören übrigens fast alle privaten Besitzern, die diese via Hotelmanagement vermieten und somit an den Einnahmen beteiligt sind.

Samih Sawiris auf einem Sessellift anlässlich des Baustarts der zweiten Bahn Oberalppass-Calmut im September 2015.

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Seit Jahren versucht der ägyptische Oligarch Samih Sawiris, aus ehemals militärisch genutzten Gebieten im Kanton Uri ein Mekka für Touristen zu machen. Nun zeigt sich: Er hat mit seinem Entwicklungsprojekt in Andermatt seit 2013 Millionenverluste erlitten. Das geht aus den Unterlagen zur Anleiheemission der Andermatt Swiss Alps AG (ASA) hervor.

Der Verlust im ersten Halbjahr 2015 beträgt rund 7 Millionen Franken, wobei der Umsatz bei 39 Millionen Franken lag. Im Geschäftsjahr 2014 generierten Einnahmen von 108 Millionen Franken einen Verlust in Höhe von rund 13 Millionen Franken. 2013 hat die Gesellschaft einen Jahresfehlbetrag von fast 30 Millionen Franken erwirtschaftet – dies bei einem Umsatz von lediglich 55 Millionen Franken.

Auffällig ist auch der Bericht der Wirtschaftsprüfer zu den Jahresabschlüssen. Sie schreiben, dass sie signifikante Zweifel an einem erfolgreichen Abschluss des Andermatt-Projekts haben. Daher wird auch grundsätzlich die langfristige Fortführung des Unternehmens infrage gestellt. Solche Aussagen gibt es laut Expertenmeinungen absolut selten in den Finanzbüchern von Firmen.

«Alles braucht seine Zeit»

Der Firmenchef von ASA, Franz-Xaver Simmen, der seit einigen Monaten die Betreibergesellschaft leitet, relativiert. Andermatt sei schliesslich ein Entwicklungsprojekt und so etwas produziere anfänglich eben Verluste, erklärt er gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. Alles brauche seine Zeit. Ausserdem müssten Wirtschaftsprüfer alle Risiken benennen und in der Aufbauphase des Projekts gebe es noch viele Fragezeichen.

Auch dass die Anleihe nicht wie geplant über 50 Millionen Franken, sondern bei Investoren nur mit 40 Millionen Franken deutlich weniger Anklang gefunden hat, findet er unproblematisch. Schliesslich hatten kritische Stimmen im Vorfeld der Platzierung behauptet, dass ASA gar kein Geld am Kapitalmarkt erhalten werde. Die Anleihe war unlängst an der Schweizer Börse mit einem Zins von 3,875 Prozent platziert worden.

The Chedi nur mässig ausgelastet

Aus den Unterlagen zur Kapitalaufnahme geht zudem hervor, dass das Luxushotel The Chedi nur mässig läuft. Die Auslastungsquote beträgt 29,5 Prozent. In der Luxushotellerie gelten 50 bis 80 Prozent als übliche Werte. Das 5-Sterne-Haus, das binnen kürzester Zeit bereits den vierten Chef hat, erzielte von Juli 2014 bis Juni 2015 einen Umsatz von 12,6 Millionen Franken, wobei in diesem Zeitraum ein Verlust von 4,2 Millionen Franken entstanden ist.

Auf diese Zahlen angesprochen, erläutert ASA-Firmenchef Simmen, dass das Hotel ganzjährig geöffnet sei und schon allein deswegen etwa die Auslastungsraten deutlich niedriger lägen. Berechne man die Werte nur für die Wintersaison, komme das Chedi in Bereiche wie vergleichbare Hotels. Ein neues Luxushotel brauche am Markt ohnehin fünf bis acht Jahre Anlaufzeit, erklärt der Manager.

Immer wieder Rückschläge

Investor Sawiris will Andermatt nicht nur als Winterdestination entwickeln, sondern auch als Ferienortschaft für das ganze Jahr ausgestalten. Im Endausbau soll die Feriendestination im Kanton Uri sechs Hotels im 4- und 5-Sterne-Bereich, rund 500 Ferienwohnungen, 25 Chalets, Kongresseinrichtungen sowie eine Schwimmhalle und einen 18-Loch-Golfplatz umfassen. Neben bürokratischen Hürden oder mühevollen Abstimmungsentscheiden erleidet das Projekt immer wieder Rückschläge.

(sda/vb)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Klaus Wiler am 14.12.2015 15:40 Report Diesen Beitrag melden

    Kompliment an Herrn Sawiri

    Herr Sawiri macht wenigstens etwas in der Schweiz! Anstatt immer nur negativ zu schreiben wäre es mal an der Zeit ihm auch Komplimente zu machen!! Die meisten sind eh nur Waschlappen und Neider die and anderen kein gutes Haar lassen...Was wäre denn diese Gegend dort und was mit dem Tourismus der immer weniger wird? Herr Sawiri ist innnovativ was man von der schweizerischen Gastro und Hotelbranche nicht sagen kann, alle jammern nur und die Qualität wird immer schlechter im Tourismus. Unsrer hochdekorierten Hobbygastronomen verlangen lieber für Hahnenwasser noch horrend Geld..!??

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  • Heiri Inderkum am 14.12.2015 15:34 Report Diesen Beitrag melden

    Ständig negative Berichterstattung

    Ich wundere mich immer über die negative Berichterstattung. Seit Sawiris sein Projekt gestartet hat, bekam ganz Andermatt ein Schub. Ohne ihn wäre das Dorf doch schon lange ausgestorben, jetzt lebt es wieder. Endlich wird auch das alte Skigebiet saniert. Natürlich ist alles noch in Entwicklung, aber was bisher geleistet wurde find ich super. Gut Ding will Weile haben! Vielleicht hätte Herr Sawiris wie unten vorgeschlagen lieber auf ein Engagement in der Schweiz verzichtet, wir neidigen Sturköpfe haben so viel Vision nicht verdient.

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  • Zlottl am 14.12.2015 15:24 Report Diesen Beitrag melden

    Schön aber unbekannt

    Andermatt fehlt die internationale Ausstrahlung von Destinationen wie Zermatt oder St. Moritz. Ob man einen so grossen 5-Sternepalast hier jemals gewinnbringend betreiben können wird, ist mehr als fraglich.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Duri Candrian am 15.12.2015 20:03 Report Diesen Beitrag melden

    Mutiges Projekt

    Nach meiner Ansicht ist es sehr mutig von Sawiris, dass er ausgerechnet in Andermatt /Disentis für sein Projekt ausgesucht hat. Die Leute können eigentlich froh sein, dass auf diese Art in die Zukunft der Region investiert wird um diese aufzuwerten. Das Problem liegt offensichtlich nicht an der Idee oder am Konzept, sondern an der Art und Weise, wie der Service an die Kunden gebracht wird.

    • Peter am 15.12.2015 23:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Duri Candrian

      Es geht garnicht ums Projekt Andermatt sondern darum, dass der Sawiris Clan sein Geld aus Ägypten abzügeln kann. Clever.

    • Rainer B. am 16.12.2015 00:34 Report Diesen Beitrag melden

      @Duri Candrian

      Das Chedi beschäftigt schon den 4. Direktor. Da die Auslastung gering ist, und dementsprechend der erwartete Umsatz nicht erreicht wurde, wechselte man einfach den Direktor aus. Genau so wie bei einem Fussballclub, dem der Abstieg droht. Da muss auch immer zuerst der Trainer den Hut nehmen.

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  • Duri Candrian am 15.12.2015 19:52 Report Diesen Beitrag melden

    Schlechte Kritik

    Ich verfolge seit langem auf Touristik- und Hotelportalen im Internet die Bewertungen von Sawiris's Betrieben in Andermatt. Durchwegs geben Besucher und Hotelgäste sehr schlechte bis lausige Noten und Kritik am Service und Preis- Leistungsverhältnis der Betriebe allgemein. Es gibt nur ganz wenige, die damit wirklich zufrieden sind. Offensichtlich haben die Betriebe ein Problem damit, verbunden mit viel ungewöhnlichem Personalwechsel. In Stellenplattformen finden sich sehr viele Stellenausschreibungen.

    • Rainer B. am 16.12.2015 00:50 Report Diesen Beitrag melden

      @Duri Candrian

      Die drei führenden Hotelportale zeigen ein anderes Bild auf, Herr Candrian. Ja, es gibt sie auch, die negativen Bewertungen. Diese sind aber bei weitem in keinem der drei Portalen in der Mehrzahl. Beiben sie doch bitte bei der Wahrheit.

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  • E.H. am 15.12.2015 19:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Viele fragen sich, warum...

    ...ein Herr Sawiris ausgerechnet in einem solchen Kaff wie Andermatt mit so grosser Kelle anrichtet. Ganz einfach, Bernhard Russi hat seinen Freund Sawiris angeschleppt und ihm vorgeschwärmt, dass aus Andermatt ein Nobelskiort gemacht werden könnte. Wer Andermatt kennt, weiss das dies nicht möglich ist. Leute die schön gelegene und pulsierende Winterskiorte kennen, logieren sicher nicht in Andermatt, oder kaufen in diesem nichtssagenden Dorf gar eine Eigentumswohnung.

  • Shiva am 15.12.2015 18:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Top Hotel

    Wunderschöne Zimmer, top Essen, schöner Spa Bereich...perfekt um ein paar Tage abzuschalten solange man nicht raus geht. Ich fühle mich da wohl.

  • Max Keller am 15.12.2015 18:23 Report Diesen Beitrag melden

    Familienfreundlich?

    Bestbekannte Skigebiete setzen vermehrt auf Familien und präsentieren für sie spezielle Angebote. Dies, weil sich diese das Skifahren kaum mehr leisten können. Im Luxussegment Andermatt wird dem doch kaum Rechnung getragen. Im Vergleich zu Gstaad und anderen etablierten, mehrheitlich exklusiven Skiorten, fehlt es in Andermatt zudem an den entsprechenden Etablissements im Dorf.

    • Uwe D. am 18.12.2015 20:18 Report Diesen Beitrag melden

      Klima in Andermatt = unwirtlich

      Naja, das Wetter in Andermatt ist an 300 von 365 Tagen gelinde gesagt...unwirtlich. Entweder Südstau mit Wind, Nebel, Regen oder Schnee, oder Nordstau mit Wind, Nebel, Regen oder Schnee ;-) Klimatisch ist Andermatt leider sehr benachteiligt, fürs Militär gerade richtig, aber für Touristen?

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