Kein Goldesel

06. April 2013 15:39; Akt: 06.04.2013 15:39 Print

Scharia-Banking entpuppt sich als Flop

Mit islamischen Fonds und Anlageprodukten hofften westliche Banken Traumrenditen zu erzielen. Doch der erwartete schnelle Erfolg stellte sich nicht ein.

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Wohlhabende arabische Kunden haben oft ein islamisches Konto bei einer regionalen Bank und daneben ein ganz konventionelles Konto in der Schweiz. (Bild: Keystone)

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Vor einigen Jahren galten so genannte islamische Finanzprodukte noch als grosser Zukunftsmarkt im Finanzsektor. Die Banken versprachen sich grosse Zuflüsse von Neugeld von muslimischen Kunden, die ihr Geld nach den Regeln des islamischen Rechts anlegen wollen.

Auch Schweizer Banken sprangen auf den fahrenden Zug auf. Sowohl die UBS als auch die Credit Suisse legten Fonds auf, die das Geld der Kunden ausschliesslich in Scharia-konforme Investments anlegten.

Euphorie verflogen

Inzwischen haben die Grossbanken diese Fonds wieder geschlossen. Die Euphorie rund um islamische Finanzprodukte ist verflogen. Nach einem Boom nach der Jahrtausendwende schwächte sich das Wachstum des Marktes ab. Und viele westliche Institute verloren das Interesse am orientalischen Bankwesen.

Auch die meisten Schweizer Banken betreiben das islamische Bankgeschäft nur noch auf Sparflamme. Interessierten Kunden bieten sie entsprechende Produkte zwar an, kaufen diese aber meist bei externen Anbietern ein. Man sehe sich als Nischenanbieter im Markt, teilt die CS auf Anfrage mit. Bei der Konkurrentin UBS tönt es ähnlich.

Fehlende Geduld

Stefan Leins, Ethnologe und Spezialist für islamisches Finanzwesen, sieht zwei Gründe dafür, dass die Schweizer Banken nicht mehr auf Scharia-konforme Finanzprodukte setzen. Einerseits seien im Zuge der Finanzkrise die Ressourcen bei den Banken knapp geworden, erklärt Leins. Das Geld für Expansionen in neue Geschäftsfelder fehle.

«Andererseits hat sich ganz einfach der gewünschte Erfolg nicht eingestellt», sagt Leins. Viele Banken hätten islamische Finanzprodukte als «Goldesel» gesehen, mit denen sich schnell viel Geld verdienen lasse. «Möglicherweise hat einfach die Geduld gefehlt.»

Sarasin bleibt dran

Weiterhin stark auf muslimische Kunden setzt die Privatbank Sarasin. Sie ist nach eigenen Angaben die Schweizer Bank mit dem umfassendsten Angebot an eigenen islamischen Finanzprodukten.

Fares Mourad, der Leiter des Islamic Wealth Management bei Sarasin, glaubt, dass die Sparte weiteres Wachstumspotenzial hat. Dies umso mehr, als Regierungen in Ländern wie Tunesien oder Ägypten im Zuge des arabischen Frühlings neue gesetzliche Rahmenbedingungen für das islamische Finanzwesen erlassen hätten. Das sei «ein starkes Signal dafür, dass Islamic Finance künftig an Bedeutung gewinnen wird», sagt Mourad.

«Wettbewerbsvorteile besser nutzen»

Laut Philipp Wackerbeck vom Beratungsunternehmen Booz & Company haben die politischen Umbrüche in den arabischen Ländern auch dazu geführt, dass Vermögende in diesen Staaten ihr Geld vermehrt im Ausland anlegen. Das erhöhe die Attraktivität islamischer Finanzprodukte für Finanzplätze im Westen.

«Gerade für Schweizer Banken bietet das islamische Finanzwesen grosses Potenzial», ist Wackerbeck überzeugt. Denn die Nachfrage komme vor allem von sehr wohlhabenden Kunden, auf die die Vermögensverwaltung hierzulande traditionell zugeschnitten ist.

Zudem geniesse der helvetische Bankenplatz in der islamischen Welt einen ausgezeichneten Ruf. Die wenigsten Institute nutzten allerdings die Chancen des Marktes, findet Wackerbeck. «Die Schweizer Banken müssten ihre Wettbewerbsvorteile besser nutzen.»

Stefan Leins ist skeptischer. Zwar sieht auch er das islamische Finanzwesen als zukunftsträchtiges Geschäftsfeld. «Der Markt wird noch massiv wachsen», ist er überzeugt. «Die Frage ist nur, wer das Potenzial abschöpfen wird.»

Und hier haben nach Einschätzung von Leins nicht Schweizer Banken die besten Karten, sondern eher lokale Institute, die ganz auf Scharia-konformes Banking ausgerichtet sind. «Oft bevorzugen wohlhabende arabische Kunden ein islamisches Konto bei einer regionalen Bank und daneben ein ganz konventionelles Konto in der Schweiz.»

Von den Prinzipien des islamischen Finanzwesens könnte aber auch der Schweizer Finanzplatz lernen, glaubt Leins. Der grösste Vorteil liege in der doppelten Aufsicht. «Finanzprodukte werden nicht nur nach ökonomischen Kriterien beurteilt, sondern auch nach ethischen Gesichtspunkten.» Dieses Prinzip sei inzwischen von einigen Finanzinstituten übernommen worden - etwa bei Anlagefonds, deren Anlagestrategie nach ökologischen oder ethischen Aspekten ausgerichtet ist.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fabian am 07.04.2013 17:16 Report Diesen Beitrag melden

    Gib mir die Welt + 5%

    Das Problem ist nicht der Kapitalismus sondern unser Fiat Money Geldsystem, dass jeder 10ner Note, 10 Franken Schulden Gegenüberstehen + ein gewisser Prozentsatz an Zinsen scheint nicht jedem klar zusein.

  • C.S. am 06.04.2013 17:59 Report Diesen Beitrag melden

    Traurig aber wahr!

    Welches Banking hat sich bis heute nicht als Flop erwiesen??? Hauptsache ist, dass die Banken verdienen; Verluste von Anleger sind Nebensache! Bänkster benehmen sich eben wie Götter!

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  • AJ Marco am 06.04.2013 16:35 Report Diesen Beitrag melden

    Zinsen als Gewinn ist erlaubt

    Zinsen sind nicht gleich Zinsen. Gewinne sind im Islam erlaubt, da es sich wie beim Verkauf um Erlöse handelt. Es ist verboten Verzugszinsen und Zineszinsen zu verlangen. Gleichzeitig, darf der Kreditgeber nur die vereinbarte Summe zurückholen ohne jeglichen Zuschlag! Wenn der KN nicht mehr zahlen kann, wird ihm das Kaufobjekt abgenommen. Die heutigen Staaten verhungern wegen den Zinsen und den gierigen Finanzhaien! So ist es :)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Robert K. am 07.04.2013 18:44 Report Diesen Beitrag melden

    Scharia-Banking = Selbstbetrug !

    Es gibt sehr wenig Anlageinstrumente, die nach den Regeln des islamischen Rechts investieren dürfen. Die grossen Konzerne sind meistens am Anleihenmarkt beteiligt, an welchem die Zinsen die Hauptrolle spielen. Nur schon diverse Währungsabsicherungen werden mit den Devisentermingeschäften abgewickelt, die nichts anders als Zinsdifferenzgeschäfte sind. Zu den ethischen Gesichtspunkten möchte ich mich hier nicht äussern.

  • Kurt Geiger am 07.04.2013 17:54 Report Diesen Beitrag melden

    Zinsloses Banking: alles Augenwischerei!

    Ist doch ein reines Umgehungsgeschäft : Statt dem Käufer einen Kredit zu gewähren, kauft die Bank die Ware direkt beim Verkäufer und verkauft sie zu einem höheren Preis an den Käufer, der seinen Kaufpreis in Raten abbezahlt. Dabei wechselt die Ware die Eigentumsverhältnisse, aber nicht den Besitz bei gleichzeitiger Geldauszahlung.

    • Flilisti am 08.04.2013 14:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      ...

      Aber genauso muss es im Islam sein.

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  • Fabian am 07.04.2013 17:16 Report Diesen Beitrag melden

    Gib mir die Welt + 5%

    Das Problem ist nicht der Kapitalismus sondern unser Fiat Money Geldsystem, dass jeder 10ner Note, 10 Franken Schulden Gegenüberstehen + ein gewisser Prozentsatz an Zinsen scheint nicht jedem klar zusein.

  • Alk Eida am 07.04.2013 16:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ethik?

    Was hat denn die Scharia um Himmelswillen mit Ethik zu tun? Oder gibt es verschiedene Ethiken, die sich unter Gelddruck verbiegen? Kann mir z.B. jemand erklären ob Freysingers "unethische" Fahne "untreue" Frauen steinigen lässt? Warum diese Verwirrungen? Ist doch alles klar!

    • Carsten Schulz am 07.04.2013 17:52 Report Diesen Beitrag melden

      Schariaauslegung kontra Islamic Banking

      Das Problem hier ist die Differenzierung. "Steinzeit"-Scharia-Auslegungen mit Hände ab usw. haben grundsätzlich nichts mit dem professionellen Islamic Banking zu tun. Dieses hat sehr klare ethische Grundsätze und Spezialitäten, die den deutschen Anlagen etc. gut stehen würden - z.B. Risikoteilung und "ich darf nur verkaufen, was ich auch real besitze- also keine Zockergeschäfte auf das, was ich jetzt nicht besitze". Bei den klassischen Beteiligungen hat der Initiator kaum Risiken - der Investor fast 100%. Die meisten Initiatoren bedienen sich vorab reichlich...

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  • banker am 07.04.2013 11:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Islam ingleich Kapitalismus

    Tja, Islam ist eben kein Kapitalismus. Unser Finanzsystem hat sich schon lange als flopp erwiesen. Die Zinsen müssen abgeschaft werden, vor alle. aber die Zinseszinsen. Dann muss ein neues System her! Sonst werden noch etliche Länder dem Beispiel von Griechenland folgen...

    • einer am 07.04.2013 12:40 Report Diesen Beitrag melden

      soso

      kein Kapitalismus... hmm das fällt mir immer auch beim tanken ein...

    • Maxima Maxim am 07.04.2013 13:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Sharia Banking

      @einer pm ja das stimmt!!

    • charly am 07.04.2013 14:43 Report Diesen Beitrag melden

      Geld gegen Zinsen ist Unreligiös

      Auch im Christentum war das Geld verleihen gegen Zinsen Verboten. Die Juden durften in keine Zunft, Innung , Gilde etc. und wurden daher ins Geldgeschäft getrieben. Der Neid auf die Reichen Juden eskalierte im 20. Jahrhundert.

    • banker am 07.04.2013 15:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @einer 

      Ölpreise werden im Handel bestimmt und haben nichts mit Zinsen zu tun. Rohstoffhandel ist im Islam erlaubt. Zins ist der Gewinn aus dem Geldverkauf, d.h. man verkauft Geld teurer als sein eigentlicher Wert.Das ist ein unberechtigter und unverdienter Gewinn, daher nicht erlaubt im Islam.

    • Nico am 07.04.2013 15:11 Report Diesen Beitrag melden

      @banker

      Zins = Disziplin! Sonst kann sich ja jeder pumpen wass er will!! Und was dabei rauskommt sieht man ja! Von Athen bis Zypern: Alles zurückzahlen bitte!

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