Zerwürfnis mit VR-Präsident

22. August 2013 13:37; Akt: 22.08.2013 13:57 Print

Schloter wollte die Swisscom verlassen

Carsten Schloter wollte offenbar einen Tag vor seinem Suizid die Swisscom verlassen. Hintergrund war das Zerwürfnis mit VR-Präsident Hansueli Loosli. Auch Bundesrätin Leuthard war informiert.

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Carsten Schloter wurde am 7. Dezember 1963 in Bayern (D) geboren. Am 23. Juli 2013 wurde er tot an seinem Wohnort in Villars-sur-Glâne im Kanton Freiburg aufgefunden. In diesem Haus wurde die Leiche von Carsten Schloter gefunden. Über seine Kindheit ist wenig bekannt. Den Grossteil seiner Jugend verbrachte Schloter in Frankreich: In Saint-Germain-en-Laye besuchte er die Eliteschule Lycée International und in Paris studierte er Betriebswirtschaft. Seine berufliche Karriere startete Schloter mit 22 Jahren als Systementwickler und danach in weiteren Funktionen bei Mercedes-Benz Frankreich in Paris. Anfang der 1990er Jahre stieg er ins Telekomgeschäft ein: 1992 bis 1994 war Schloter Mitglied der Geschäftsleitung der debitel France SA; danach arbeitete er bei Debitel Deutschland und wurde 1999 Mitglied der Geschäftsleitung der Debitel AG. Im April 2000 kam Carsten Schloter in die Schweiz, war Leiter Public Com und Leiter Mobil Com von Swisscom und wurde Chef von Swisscom Mobile. Im Januar 2006 übernahm er von Jens Alder (r.) als CEO die Führung des Swisscom-Konzerns. Einer der grössten Würfe von Schloter bei der Swisscom war die Lancierung von Natel infinity im Juni 2012. Damit können Kunden unbegrenzt in alle Netze telefonieren, SMS schreiben und im Internet surfen. Neben seiner Arbeit war Schloter auch Mitglied des Vorstands der asut (Association Suisse des Télécommunications) und Mitglied des Vorstands der Swiss-American Chamber of Commerce. Privat war Schloter Vater dreier Kinder. Von seiner Frau lebte er getrennt. Sein grösstes Hobby war der Sport: Schloter fuhr Snowboard, Ski und Mountainbike und joggte. Er absolvierte mehrfach die Tortour, das mit 32 Stunden härteste Velorennen der Schweiz.

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Carsten Schloter plante die Swisscom zu verlassen. Dies zeigen Recherchen der «Bilanz». Laut Informationen der Wirtschaftspublikation wollte Schloter noch am Tag vor seinem Suizid die Kündigung einreichen. Bereits seit Frühling soll der Swisscom-CEO zu mindestens drei Headhuntern Kontakt aufgenommen haben.

Schloter machte sich offenbar Hoffnungen auf den Chefposten eines Joint Ventures zwischen der Schweizer Velofirma BMC/Stromer, Swisscom, Google und dem amerikanischen Elektroautohersteller Tesla. Laut «Bilanz» waren die Spannungen mit Verwaltungsratspräsident Hansueli Loosli, an denen Schloter zunehmend litt, der Hauptgrund für seine Kündigungspläne.

Leuthard war informiert

Schloter soll gegenüber einem Vertrauten von einem «Zermürbungskrieg» gesprochen haben. Die Reibereien zwischen dem CEO und seinem VR-Präsidenten drangen sogar bis zur UVEK-Vorsteherin Doris Leuthard vor. Wie die «Bilanz» weiter berichtet, sprach die Bundesrätin Schloter darauf an, die Intervention blieb angeblich ohne Folgen.

Die «Bilanz» spekuliert, dass Loosli sich zu fest in die operativen Geschäfte der Swisscom einmischte. Angeblich ging es dabei auch um einen umstrittenen Stellenabbau beim mittleren Kader von 15 bis 20 Prozent. Das Projekt verfehlte sein Ziel (erreicht wurden am Schluss nur 5 bis 7 Prozent Reduktion), und intern wurde Kritik laut an der Vorgehensweise: «Die war unverträglich mit der Organisation – ein Telekom-Unternehmen ist kein Detailhändler», zitierte die «Bilanz» Stimmen aus dem Kader.

Schloter soll die Eingriffe von Loosli nicht akzeptiert haben. Gegenüber einem Freund soll er geklagt haben: «Ich habe in internationalen Firmen viel mehr Management-Wissen angesammelt als dieser Schweizer Detailhändler.»

Carsten Schloter wurde am 23. Juli 2013 tot an seinem Wohnort in Villars-sur-Glâne im Kanton Freiburg aufgefunden.

(sza)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Oh Doris! am 22.08.2013 19:31 Report Diesen Beitrag melden

    Schnapsidee sondergleichen!

    Und wer hat diesen echt tollen Einfall, diese Schnapsidee gehabt, ausgerechnet einen Detailhändler zum VR-Präsidenten eines Kommunikationsunternehmens zu wählen? Der sich dann gleich, obwohl ohne jede Erfahrung auf dem Gebiet, mit dem CEO, einem versierten Branchenkenner, anlegt? Unfassbar!!!!!!!

  • P.W., Bern am 22.08.2013 16:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Swisscom-Kadet

    Leider war Carsten im Kader der Swisscom einer der ganz Wenigen mit Sozialkompetenz. Die lässt leider sehr zu wünschen übrig. Musste ich leider selber erfahren. Carsten wird jetzt noch viel mehr fehlen.

  • Fabian Wenger am 22.08.2013 16:55 Report Diesen Beitrag melden

    Intrigen, Kompetenzen und pers. Macht

    Ein ehemaliger Detailhändler, der im Verwaltungsrat sitzt, sich regelmässig gegen die exekutive Geschäftsrührung stellt, in einer Branche in der alle paar Monate eine neue Technologie bereit steht und Veränderung durch Innovation unerlässlich ist? Mal ehrlich, das kann nicht gut gehen. Herr Loosli ist ein Verwalter und stellte sich schon bei Coop gegen Neuerungen, bsp. Prix Garantie. Schloter war das genaue Gegenteil, er setzte auf neue Technologien, Apps und stieg in neue Märkte ein. Das kommt dabei raus, wenn Egoz. ihre Kompetenzen überschreiten, um ihren pers. Stempel zu hinterlassen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Oh Doris! am 22.08.2013 19:31 Report Diesen Beitrag melden

    Schnapsidee sondergleichen!

    Und wer hat diesen echt tollen Einfall, diese Schnapsidee gehabt, ausgerechnet einen Detailhändler zum VR-Präsidenten eines Kommunikationsunternehmens zu wählen? Der sich dann gleich, obwohl ohne jede Erfahrung auf dem Gebiet, mit dem CEO, einem versierten Branchenkenner, anlegt? Unfassbar!!!!!!!

  • Zugerin65 am 22.08.2013 17:08 Report Diesen Beitrag melden

    Seine Entscheidung

    Irgendwie tragisch, dass jetzt noch ein Schuldiger gesucht werden muss. Herr Schlotter hat sich entschieden sein Leben zu beenden. Punkt und aus. Was sein Entscheid betrifft, es war SEIN Entscheid und jetzt muss jeder versuchen diesen Entscheid zu akzeptieren, auch wenn es schmerzhaft ist.

  • D.U. am 22.08.2013 17:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eigentlich halten

    Ceo's Meinungsverschiedenheiten aus. Am Schluss sind wir halt alle nur Menschen, die zum Teil in Situationen kommen können, wo es scheinbar nicht mehr geht... Im Unterschied zu anderen Selbstmördern, hätte Herr Schlotter evtl. genug Geld gehabt, um einfach einmal etwas zu pausieren.

  • Fabian Wenger am 22.08.2013 16:55 Report Diesen Beitrag melden

    Intrigen, Kompetenzen und pers. Macht

    Ein ehemaliger Detailhändler, der im Verwaltungsrat sitzt, sich regelmässig gegen die exekutive Geschäftsrührung stellt, in einer Branche in der alle paar Monate eine neue Technologie bereit steht und Veränderung durch Innovation unerlässlich ist? Mal ehrlich, das kann nicht gut gehen. Herr Loosli ist ein Verwalter und stellte sich schon bei Coop gegen Neuerungen, bsp. Prix Garantie. Schloter war das genaue Gegenteil, er setzte auf neue Technologien, Apps und stieg in neue Märkte ein. Das kommt dabei raus, wenn Egoz. ihre Kompetenzen überschreiten, um ihren pers. Stempel zu hinterlassen

  • P.W., Bern am 22.08.2013 16:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Swisscom-Kadet

    Leider war Carsten im Kader der Swisscom einer der ganz Wenigen mit Sozialkompetenz. Die lässt leider sehr zu wünschen übrig. Musste ich leider selber erfahren. Carsten wird jetzt noch viel mehr fehlen.