Skurrile Schweiz

17. Juli 2013 07:13; Akt: 17.07.2013 07:13 Print

Schmiergelder von Steuern abziehen – ganz legal

Bestechung ist in der Schweiz ein Delikt, das mit Gefängnis bestraft werden kann. Trotzdem dürfen Bestechungsgelder in der Steuererklärung offiziell als Berufsauslagen abgezogen werden.

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Schmiergeldzahlungen an Private dürfen von den Steuern abgezogen werden. (Bild: Keystone/Ennio Leanza)

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Es gibt viele Wege, die eigenen Steuern zu optimieren: In der Schweiz können etwa Spenden an gemeinnützige Organisationen von den Steuern abgezogen werden, genauso wie Umbaukosten oder Hypothekarzinsen. Aber hätten Sie gewusst, dass auch Schmiergelder ganz legal in der Steuererklärung aufgeführt und sogar abgezogen werden dürfen?

Gemäss dem «Tages-Anzeiger» fallen Bestechungsgelder von Unternehmen an Privatpersonen unter die Berufsauslagen. Das Bundesgericht hat 1997 entschieden, dass der Abzug von solchen Bestechungsgeldern legal ist – sofern ein Unternehmen nachweisen kann, dass es bestimmte Geschäfte nur dank dem Einsatz von Schmiergeldern abschliessen konnte.

Regelung soll geändert werden

Als Beispiel wird im Artikel etwa ein Bauunternehmer genannt, der sich mit Schmiergeld einen privaten Bauauftrag sichert oder der Chef einer Plattenfirma, der seine Künstler auf diesem Weg in die Playlist eines Privatradios bringt. Nicht mehr erlaubt sind seit 1999 hingegen Schmiergelder an Beamte.

Besonders skurril: Seit 2006 gilt auch die Privatbestechung offiziell als Delikt und kann mit bis zu drei Jahren Gefängnis und einer Busse von maximal fünf Millionen Franken bestraft werden. Dies allerdings nur, wenn ein Geschädigter Antrag auf Strafverfolgung stellt. Dies soll jetzt geändert werden: Das Justizdepartement hat im Mai eine Änderung des Strafgesetzbuchs in die Vernehmlassung geschickt, die vorsieht, dass künftig kein Antrag mehr nötig ist. Dann könnten die Strafverfolgungsbehörden direkt aktiv werden, wenn sie von Schmiergeldzahlungen erfahren.

Schon heute heisst es bei den Steuerbehörden, die Abzüge würden in Realität meist als «Spesen, Werbekosten oder Kommissionen» deklariert. Kaum ein Unternehmen weise Schmiergeldzahlungen wirklich als solche aus.

(jbu)