Britische Studie

01. April 2019 15:58; Akt: 01.04.2019 15:58 Print

Schnäppchenjäger neigen zu Übergewicht

Wer sich im Supermarkt den Einkaufswagen vor allem mit Sonderangeboten füllt, ist eher übergewichtig. Wissenschaftler fordern gesetzliche Massnahmen.

Britische Forscher berichten über die Problematik von Sonderaktionen in Supermärkten. (Video: 20 Minuten)
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Zwei Schokoriegel zum Preis von einem, die extra grosse Tüte Chips oder die vergünstigte Palette Energydrinks: Es sind oft gerade Lebensmittel mit einem hohen Gehalt an Fett, Zucker oder Salz, die im Supermarkt im Angebot sind. Tatsächlich ergab eine Studie der britischen Stiftung Cancer Research UK, dass fast die Hälfte aller Schokoladen, Chips, Popcorn und herzhafter Snacks im Sonderangebot gekauft wurde.

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Für ihre Untersuchung analysierten die Wissenschaftler die Daten von 16'000 britischen Haushalten mit Blick auf ihr Einkaufsverhalten, demografische und sozioökonomische Merkmale sowie Grösse und Gewicht der Einkäufer.

Um 28 Prozent höheres Risiko, an Adipositas zu erkranken

Danach teilten sie die Einkäufer in vier Gruppen ein, sortiert nach dem Anteil der Artikel, die verbilligt gekauft wurden. Das Ergebnis: In der Gruppe, die bei besonders vielen Sonderangeboten zugriff, waren 72 Prozent der Menschen übergewichtig, während dieser Anteil in der Gruppe mit wenigen Angebotskäufen bei 64 Prozent lag.

Für Adipositas, also besonders starkes oder krankhaftes Übergewicht, war die Wahrscheinlichkeit in der Schnäppchenjäger-Gruppe um 28 Prozent erhöht. Jene Tendenzen zeigten sich quer durch alle Alters- und Einkommensgruppen.

Weniger Obst und Gemüse

Zudem entschieden sich Angebotskäufer für ein Fünftel mehr Lebensmittel, die besonders viel Fett, Salz oder Zucker enthielten – zulasten gesünderer Optionen: Schnäppchenliebhaber kauften auch 30 Prozent weniger Obst und fast 25 Prozent weniger Gemüse. Dies entspricht rund vier Kilogramm weniger Obst und Gemüse pro Monat als bei Käufern, die eher dazu neigen, Sonderangebote zu meiden. Insgesamt enthielten die Einkaufswagen dieser Gruppe mehr Zucker und weniger Ballaststoffe als die der anderen Verbraucher.

Linda Bauld, Präventionsexpertin von Cancer Research UK, kommentiert in einer Mitteilung zur Studie: «Sonderangebote bieten den Menschen eine Fülle an verführerischen, aber ungesunden Speisen und Getränken. Bei vergünstigten Preisen für Schokolade, Kekse, Kuchen und Limonade ist es keine Überraschung, dass Menschen, die mehr Angebote kaufen, eine grössere Wahrscheinlichkeit haben, fettleibig zu sein.»

Vor allem Kinder leiden darunter

Die Ergebnisse machen den Studienautoren vor allem aus zwei Gründen Sorgen: Zum einen seien es vor allem Kinder, die unter den Folgen eines derartigen Einkaufsverhaltens litten. Schon jetzt sei in Grossbritannien jeder fünfte Grundschüler übergewichtig, nach der Grundschule erhöhe sich der Anteil auf ein Drittel.

In der Schweiz liegt der der Anteil übergewichtiger und adipöser Kinder und Jugendlicher bei rund 17 Prozent. Dies ergab das Monitoring von «Gesundheitsförderung Schweiz» von 2018. Bei Erwachsenen liegt der Anteil übergewichtiger oder fettleibiger Personen gemäss der Befragungsstudie menuCH bei knapp der Hälfte, wobei Männer mehr als doppelt so häufig betroffen sind wie Frauen.

Übergewicht begünstigt Krebs

Der zweite Grund, warum die britischen Autoren Alarm schlagen: Übergewicht wird mittlerweile als Risikofaktor für mindestens 13 Krebsarten gesehen, darunter Darm- und Brustkrebs. Die Wissenschaftler plädieren daher dafür, Sonderangebote für ungesunde Lebensmittel gesetzlich zu reglementieren. Gleiches sollte für die Auswahl an Schokoriegeln und dergleichen gelten, die sich oft im Kassenbereich befänden.

( /sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dude Von DudeDude am 01.04.2019 16:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sich selbst die eigene Grube gegraben.

    Mir scheint, als sei hier die Kausalität nicht korrekt erfasst worden. "Schnäppchenjäger" sind viel wahrscheinlicher finanziell nicht so gut gestellt, wie Leute, die nicht auf Sonderangebote achten. Und dass ein geringeres Vermögen in westlichen Ländern mit Übergewicht und anderen Krankheiten zusammenhängt, ist länger bekannt.

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  • Klaus am 01.04.2019 16:48 Report Diesen Beitrag melden

    Pfeifts?

    "Die Wissenschaftler plädieren daher dafür, Sonderangebote für ungesunde Lebensmittel gesetzlich zu reglementieren. " - aber sonst gehts noch gut?

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  • SebinaSG am 01.04.2019 16:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es wird immer so weiter gehen

    Und wieder ein Grund die Leute zu bevormunden.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Nour am 02.04.2019 13:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Na ja

    Lustig ist ja,das in der Schweiz das Obst und Gemüse Teuer ist,sollte ja umgekehrt sein.

  • Martial2 am 02.04.2019 11:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vernünftiger werden...

    Man sollte auf Sonderangebote für gesunden Lebensmitteln, wie Gemüse, Obst und gutes Fleisch achten. Chips, Burger, Cola, Chocoriegel ist alles Gift. Das sollte man mit der Zeit auch wissen!

  • Lillibeth am 02.04.2019 10:02 Report Diesen Beitrag melden

    Bescheuert

    Ja, genau, echt bescheuert. Da will man einmal mehr wieder den Kunden überwachen und gläsern machen. Jederman kann das einkaufen, was er oder sie will. Oft sind es eben Minderbemittelte, die sich sdie sog. "gesunde" Nahrung nicht leisten können, aber das kümmert niemand. Statt die Leute hier zu bevormunden, wäre es besser, dafür zu sorgen, dass die Wirtschaft existenzsichernde Löhne bezahlen MUSS, dann kann sich jeder gutes und gesundes Essen leisten.

    • Maja am 02.04.2019 11:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Lillibeth

      Nun, ich bin mit Ihren Aussagen von existenzsichernden Löhnen und dass jeder kaufen und essen kann, was er will etc. einverstanden. Aber dass gesundes Essen teurer ist als ungesundes, ist schlicht falsch. Zwar nicht grad Bioqualität, aber Gemüse ist billiger als Fertigpizza und Kartoffeln kann man auch kochen statt frittieren. Zum Naschen vor dem Fernseher kann man auch Dip-Gemüse schnibbeln statt Chips futtern. Kostet alles weniger und ist gesünder.

    • Peter Lanz am 02.04.2019 18:57 Report Diesen Beitrag melden

      ... aber wahr

      ... wer sich so ungesund ernährt, dem sollte die KK Franchise auf einen 5 stelligen Betrag erhöht werden. Bescheuert ist, dass ich mit meiner KK Prämie so krankhaftes Verhalten und dessen Folgen mitfinanziere! Auch wenn das Zuckerzeugs verbilligt ist, ist es immer noch teurer als Gemüse selbst kochen. Das hat wenig mit dem Lohn und viel mit Faulheit und fehlenden Vorbildern bei den Eltern zu tun, Punkt.

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  • Betroffener am 02.04.2019 09:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bevormundung?!

    Was soll diese Studie? Ich kann nicht wie die Politiker einfach neue Steuern etc verlangen, wenn ich kein Geld mehr habe. Ich bin auf günstige (Aktionen, ünique etc.) Lebensmittel angewiesen. Deshalb bin ich nicht übergewichtig. Immer diese Vorurteile nerven! Trotz Normalgewicht bin ich an Krebs erkrankt.

  • Margrit Aegerter am 02.04.2019 09:08 Report Diesen Beitrag melden

    zementierte Vorurteile

    Diese Studie kann man ungeheuerlich deuten, im Sinn, dass weniger gut Gestellte eher doofer sind als Gebildete und Vermögende... Und statt Einkaufen als Hobby bieten sich viele andere günstige Tätigkeiten an wie Spazieren, Wandern, Joggen, Velo, Turnverein usw. Das eingesparte Geld an Plunder und zuviel ungesundem Essen kann auch für Musikunterricht usw verwendet werden.