Opulentia

03. Juni 2011 19:04; Akt: 04.06.2011 19:22 Print

Schneeballsystem mit Schweizer Anstrich

von Alex Hämmerli - Opulentia.ch lockt mit Traumrenditen: 572 Prozent Zinsen sollen Investitionen abwerfen - pro Jahr! Experten wittern ein Schneeballsystem. Die Finma hat nach Hinweisen von 20 Minuten Online bereits Konsequenzen gezogen.

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Unseriös: Opulentia.ch

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Das Angebot von Opulentia.ch ist verlockend: Wer in die Anlage der Finanz-Webseite investiert, soll pro Woche 11 Prozent Zinsen ausbezahlt bekommen. Aufs Jahr hochgerechnet ergibt das eine üppige Rendite von 572 Prozent. Zudem gibt Opulentia vor, in der Schweiz ansässig – und daher besonders vertrauenswürdig – zu sein.

Bei genauerem Hinsehen verfliegt das Vertrauen jedoch schnell. Zwei Finanzexperten haben für 20 Minuten Online die Webseite analysiert und kommen zum Schluss: Finger weg! Denn Opulentia erfüllt sämtliche Kriterien eines Schneeballsystems.

Traumrendite oder Totalverlust

Die optische Aufmachung der Internetseite erzeuge zwar erst einmal einen professionellen Eindruck, sagt Felix Horlacher, Leiter des Instituts für Finanzplanung IfFP in Zürich. «Opulentia erklärt aber nirgends auch nur ansatzweise, wie die Superrenditen erwirtschaftet werden sollen.» Die Anlage sei als höchst riskant einzustufen, schliesslich betrage der risikofreie Zinssatz derzeit zirka 0,5 Prozent. «Jeder höhere Zinssatz ist eine Entschädigung für ein eingegangenes Risiko. Ergo muss eine Anlage mit 572 Prozent Zinsen ein sehr hohes Risiko beinhalten.»

Auch bei Nils Hafner, Studienleiter des Instituts für Finanzdienstleistungen an der Hochschule Luzern, hinterlassen die hohen Zinsen ein mulmiges Gefühl: «Erträge, wie sie hier versprochen werden, sind nicht seriös zu realisieren», so der Fachmann. Risiko und Ertrag stünden in direktem Verhältnis zueinander.

Im Kleingedruckten heisst es auf Opulentia.ch denn auch, man könne sein Geld jederzeit verlieren: «Nichts ist garantiert. Aber mit einer smarten und erfolgreichen Firma, die sich um Ihr Kapital kümmert, sind Ihre Risiken minimal.» Zudem behalten sich die Webseiten-Betreiber vor, Zinsen und Kommissionen jederzeit und ohne Begründung zu ändern.

Unbekannte Hintermänner

Bedenklich finden Horlacher und Hafner auch, dass die Hintermänner nicht auszumachen sind: Auf der Webseite sind weder Adresse, Personennamen oder Bankverbindungen zu finden. «Allein das stellt schon alle Ampeln auf Rot», warnt Horlacher. Auf eine E-Mail-Anfrage von 20 Minuten Online zu den Hintergründen des Angebots gaben die Betreiber von Opulentia auch nach mehr als einer Woche keine Antwort.

Eine Abfrage der IP-Adresse ergibt, dass die Webseite auf einen gewissen Daniel Beletzky im Aargauischen Wettingen läuft. Hafner vermutet aber, dass es sich dabei um einen Strohmann handelt. Dies, weil Opulentia.ch mit dem Logo der Fluggesellschaft Swiss – quasi als Gütesiegel für Schweizerische Qualität – wirbt (siehe Box). «Das ist ein Anzeichen dafür, dass die Urheber der Seite aus dem Ausland kommen und nicht wissen, dass es sich bei der Swiss um eine Luftfahrtgesellschaft handelt.»

Dubioses Empfehlungssystem

Einen letzen Hinweis darauf, dass Opulentia ein Schneeballsystem zugrunde liegt, gibt die Tatsache, dass bestehende Anleger mit Werbung und Empfehlung ihre Zinsen verbessern können. Wer beispielsweise auf Foren wohlwollend über Opulentia schreibt, oder wer Bekannte und Verwandte anwirbt, kann sich über einige Prozent mehr Rendite freuen.

Wegklicken!

Laut einschlägigen Online-Foren und Monitoring-Seiten funktionieren die Auszahlungen von Opulentia – und dies seit den gesamten 117 Tagen, die die Webseite mittlerweile auf dem Netz ist. Hafner warnt jedoch: «Jedes Schneeballsystem kommt irgendwann an sein Ende. Und der letzte, der dabei ist, beissen die Hunde.» Auch Hafner wählt mahnende Worte: «Das Schneeballsystem wird eines Tages explodieren, fragt sich nur wann. Investieren werden nur Menschen, denen die Gier das Gehirn abschaltet. Der Rest klickt weg.»

Auf der Schwarzen Liste der Finma

Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht Finma hat Opulentia.ch auf Hinweis durch 20 Minuten Online mittlerweile auf deren Negativliste gesetzt. «Die Gesellschaft hat keine Bewilligung der Finma und darf daher keine bewilligungspflichtigen Finanzdienstleistungen anbieten», schreibt Finma-Sprecher Tobias Lux. Weiter könne man sich nicht zu Opulentia äussern.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Reto Meier am 03.06.2011 21:07 Report Diesen Beitrag melden

    Na gute Nach! Nur für ganz dumme!

    Sehr lusche Angelegenheit. Die Web-Adresse Opulentia.ch zeigt auf die IP 194.8.75.125, die wiederum auf den netname: Dragonara.net, Dragonare Alliance Ltd., auf British Virgin Islands lautet Siehe:

    einklappen einklappen
  • megnaeto am 03.06.2011 19:54 Report Diesen Beitrag melden

    magnet

    das ist ein magnet für ausländer die mitmachen!!!

  • Witsel am 04.06.2011 02:23 Report Diesen Beitrag melden

    Logisch

    In der Schweiz sind sie durch Art. 43 Abs. 1 der Lotterieverordnung untersagt. Bei Zuwiderhandlung drohen bis zu drei Monate Haft und eine Busse bis 10'000 Franken... bei diesen Strafmassnahmen wunderts mich nicht, dass Schneeballsysteme öfters auftauchen, ich würde für paar Mio. gerne 3 Monate in den Knast gehen...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Paul der Peter am 04.06.2011 11:08 Report Diesen Beitrag melden

    Paar Infos

    Teil 1 Die Adresse auf den British Virgin Islands ist nur eine Briefkastenfirma. Die Server stehen bestimmt nicht dort, das Internet wäre schlicht zu langsam. Aber die Seite wird auf Servern gehostet, die so mit ziemlich allem illegalen zu tun hat, was man im Internet verbrechen kann. Die haben verschiedene Fake-Onlineshops (vorwiegend Musik), Pornos der schlimmsten Sorte, verschiedenste Spamming-Tools für E-Mail, Gästebücher und Foren. Weiter geht's mit Online-Poker (Pitbull-Poker und weitere "Seiten-Ableger"). Dort gab es auch einige Verhaftungen, als die in der Nacht mit den Servern...

  • Witsel am 04.06.2011 02:23 Report Diesen Beitrag melden

    Logisch

    In der Schweiz sind sie durch Art. 43 Abs. 1 der Lotterieverordnung untersagt. Bei Zuwiderhandlung drohen bis zu drei Monate Haft und eine Busse bis 10'000 Franken... bei diesen Strafmassnahmen wunderts mich nicht, dass Schneeballsysteme öfters auftauchen, ich würde für paar Mio. gerne 3 Monate in den Knast gehen...

  • Pietro am 04.06.2011 00:40 Report Diesen Beitrag melden

    grosses geschäft

    Anscheinend treibt die Mutterfirma Dragonara grosses Scam geschäft: besitzen noch nen haufen seiten unter dem gleichen prinzip!

  • Nick am 03.06.2011 23:15 Report Diesen Beitrag melden

    Südafrika

    Die Spur führt nqch Südafrika... Viel Spass beim verlieren...

  • Halulu Magan am 03.06.2011 22:15 Report Diesen Beitrag melden

    Gier

    Die Gier kennt keine Grenzen. Sollen die Gierigen doch den Gaunern mit ihren Versprechen aufhocken... Wer sowas glaubt, glaubt vermutlich auch an den Storch...