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04. Mai 2016 23:29; Akt: 04.05.2016 23:29 Print

Schon Martin Luther King forderte Grundeinkommen

von K. Wolfensberger - Die Idee eines Grundeinkommens ist älter als viele meinen – und spielte schon in der US-Bürgerrechtsbewegung eine Rolle. Eine Konferenz des Gottlieb-Duttweiler-Instituts liefert Fakten.

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Die Schweizer Volksabstimmung vom 5. Juni zum bedingungslosen Grundeinkommen hat ein weltweites Echo ausgelöst. Medien aus der ganzen Welt – von Japan bis in die USA – berichten über die Schweiz.

Das grosse Interesse zeigte sich auch am Mittwoch im zürcherischen Rüschlikon, wo das Gottlieb-Duttweiler-Institut zu einer Grundeinkommen-Konferenz eingeladen hatte. Von der «Financial Times» über den Österreichischen Rundfunk hatte es verschiedenste Medien in die Schweiz verschlagen.

Anders als viele denken, ist die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens aber keineswegs hierzulande entstanden. Schon vor 500 Jahren formulierte der englische Staatsmann Thomas Morus in seinem Roman «Utopia» zum ersten Mal die Idee eines Grundlohns. Und eine wichtige Rolle spielte der Vorschlag auch in der Bürgerrechtsbewegung in den USA in den 1960er Jahren, wie Referent Robert Johnson vom US-Institute for New Economic Thinking in Rüschlikon erklärte.

Grundeinkommen gegen Diskriminierung

Denn tatsächlich stellte Martin Luther King, Pfarrer und Führer der US-Schwarzenbewegung, die Frage, wie die Diskriminierung der schwarzen Bevölkerung nachhaltig zu überwinden sei. Er war überzeugt: Mit einigen Gesetzesänderungen alleine ist es nicht getan. Er forderte daher die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens.

In einer Rede an der US-Elite-Universität Stanford im Jahr 1967 sagte King, es sei eine grosse Aufgabe für die Gesellschaft, den Schwarzen die wirtschaftliche Sicherheit zu geben, die sie brauchten. «Eine der Antworten, wie dies machbar wäre, ist die Einführung eines garantierten jährlichen Grundeinkommens für alle Menschen und Familien unseres Landes», sagte King. Der Führer der Schwarzenbewegung betonte, dass er die Einführung eines Grundeinkommens keineswegs auf Schwarze begrenzen wollte. Profitieren sollten alle armen Familien.

Kings Traum in Finnland

Die Zeichen stehen allerdings schlecht, dass Martin Luther Kings Traum in der Schweiz bald Realität wird. In Umfragen vor der Abstimmung am 5. Juni spricht sich eine klare Mehrheit gegen das Grundeinkommen aus. Anders verläuft die Diskussion derzeit in Finnland. Dort konkretisiert die Regierung ihre Pläne zur Einführung eines Grundeinkommens.

Im Vordergrund steht ein Vorschlag der finnischen Sozialversicherungs-Gesellschaft Kela: Jeder Bürger soll monatlich steuerfrei den Betrag von 590 Euro erhalten. Weil im Gegenzug alle anderen staatlichen Zuschüsse wegfielen, könnte die Staatskasse so unter dem Strich sogar entlastet werden. «Für mich bedeutet ein bedingungsloses Grundeinkommen, dass das Sozialsystem vereinfacht wird», erklärte Premierminister Juha Sipilä schon vergangenen Sommer.

Ein Experiment soll es klären

Vor der definitiven Einführung eines Grundeinkommens möchte die finnische Regierung dessen mögliche Auswirkungen aber erst einmal testen. In einem Experiment sollen ab Anfang 2017 rund 5'000 Finnen für zwei Jahre ein Grundeinkommen erhalten. Wissenschaftler sollen ihre Entwicklung begleiten und der Regierung abschliessend eine Studie vorlegen, aufgrund derer über eine definitive Einführung entschieden wird.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Simon. Bs am 04.05.2016 23:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wiso nicht behandelt jeden gleich & verhindert kri

    Martin Luther King war ein sozialer Mensch schade gibts nicht mehr solche Menschen :)

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  • Molton am 05.05.2016 04:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zeichen setzen

    Schade, dass die USA das Grundeinkommen vor 50 Jahren nicht eingeführt haben. Wir sähen heute global wohl eine gerechtere, weniger egoistische Gesellschaft. Heute besitzen ein paar Nasen soviel wie die halbe Weltbevölkerung zusammen. Wir sollten etwas unternehmen, BEVOR uns das System um die Ohren fliegt.

  • Aaraupanda am 04.05.2016 23:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ach Leute

    Selbst in den Medien wird versucht das Volk auf die Linke Seite zu ziehen. Zieht das Volk nach rechts zerren die Medien nach Links. Medien sind wirklich nicht mehr unparteiisch.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • abdi am 05.05.2016 23:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lustig

    Wie keiner von euch es merkt unglaublich dieses Grundeinkommen ist nur vorteilhaft für Firmen die sich durch das eine Goldene Nase verdienen ich verstehe nicht warum wir nicht als Privat Person das Geld bekommen statt das es in Lohn intrigiert wird, nur als Privat Person die den Grundeinkommen und plus ganzes lohn bekommen würde mit ja abstimmen alles andere ist in meinen augen Unsinn

  • Martin am 05.05.2016 23:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    zukunftsdenken

    wünscht euch einfach in zukunft nie, ihr hättet das BGE annehmen sollen, wenn ihr euren job verliert. weil dann ist es zu spät.

  • PeteW am 05.05.2016 21:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nein danke

    Irgendwann kommt es . Immer mehr Staatsangestellte und ein Grundeinkommen- wie im Sozialkommunismus. Überlegt mal wo hat das damals in der Sowietunion hingeführt? Leider werden so die eh schon faulen noch fauler. Man belohnt so die unmotivierten Nichtstuer und das ist schlecht.

  • Vreni am 05.05.2016 19:39 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Geldgeschenke

    Kein Geld für Nichtsnutze, die den ganzen Tag herumhängen. Ich bezahle keine Rappen an solche Leute. Jeder soll für das was er haben will arbeiten, was auch immer.

    • Martin am 05.05.2016 21:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Vreni

      vreni, diese faulen leute sitzen jetzt auf staatskosten faul herum und bekommen sogar noch mehr als 2500.- franken. in etwa 2600.- und die betreungsperson wird auch noch bezahlt. ich wette mit dir, das mehr leute arbeiten gehen würden weil dann kein gedanke im kopf herumgeistert das man eh in staatsschuld steckt, dann bleibt man lieber gleich ohne arbeit, sonst bezahlst du ein teil zurück. also, eine faule person kostet um einiges mehr als wenn er BGE brziehen würde.

    • Patricia am 05.05.2016 22:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Martin

      ihre rechnung würde ja aufgehen wenn einfach die sozialhilfebezüger ein BGE bekämen (was sie ja faktisch jetzt schon tun). das BGE will aber zusätzlich jeder/m hausfrau/studenten 2'500fr, jedem teilzeitarbeitenden mit einkommen unter 2500fr die differenz & jedem Kind 625fr zukommen lassen, und da geht die rechnung eben nicht mehr auf. dazu kommen dann noch die fälle die mit 2'500fr nicht existieren können, diejenigen bekommen dann nämlich noch die gewohnten zusatzleistungen.

    • Goldschmied Fabian am 05.05.2016 22:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Vreni

      Wer arbeitet für die, welche mit Kapital anderes Geld machen ? Diese werden noch mit Steuergeschenken belohnt, das bedingungslose Spitzeneinkommen gönnt man diesen. Welche mit ehrlicher Arbeit ihr Geld verdienen werden noch bestraft. Gerechtere Verteilung und viele Probleme wären gelöst ! Wäre da der politische Wille grösser, ohne jetzt davon zu sprechen, dass jetzt wieder alle gleich arm gemacht werden, wie es die Gegner uns immer weis machen wollen.

    • Martin am 05.05.2016 22:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Patricia

      sie klingen ja richtig verzweifelt? sie müssen keine angst haben, ich denke der versuch wäre es wert um den mittelstand stabiler zu machen. arbeiten sie beim rav oder sozialdienst, haben sie angst um ihren job?

    • Patricia am 05.05.2016 22:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Goldschmied Fabian

      ihre kritik in allen ehren, aber das problem das sie hier ansprechen wird mit dem BGE nicht gelöst ! überspitzt gesagt finanzieren sie dann sogar noch jedem millionär die hausfrau mit 2'500fr/monat plus den kindern die schule, bzw studium mit 625fr/2'500fr pro monat ! ihr millionär bekommt also bei 2 kindern an der uni & frau zuhause 7'500fr/monat vom mittelstand geschenkt.

    • Patricia am 05.05.2016 22:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Martin

      ich bin überhaupt nicht verzweifelt, aber es schockiert mich wie mit billigen argumenten propaganda gemacht wird, die ganz klar der idee der initianten widerspricht. jeder könnte es nachlesen, aber einige befürworter behaupten einfach irgendwelche dinge die grundsätzlich & nachweisbar falsch sind.

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  • Fakt am 05.05.2016 19:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    was bei einem Nein vergessen

    wird; das Geld wird ja ausgegeben und kurbelt so die Wirtschaft an. Geld hat immer einen Kreislauf.

    • Patricia am 05.05.2016 19:50 Report Diesen Beitrag melden

      @Fakt

      Ja, der Mittelstand arbeitet für das Geld, liefert es dem Staat ab, der es dann wieder 'bedingungslos' verteilt damit andere es ausgeben können. Mein Geld ist schon jetzt im Umlauf, weil ich nämlich gerade genug verdiene um meine Kosten zu decken. Und erzählen Sie mir jetzt nicht ich würde vom BGE profitieren, ich verdiene nämlich mehr als 2'500Fr.

    • Carl Klarer am 05.05.2016 20:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Patricia

      Leider haben Sie das Prinzip des BGE nicht begriffen. Auch Sie würden es erhalten, obwohl Sie mehr als das BGE verdienen. Ob dies CHF 2500 oder weniger wären ist noch nicht entschieden. Im Gegenzug würden wohl einige Steuerprivilegien wegfallen.

    • Patricia am 05.05.2016 21:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Carl Klarer

      ich befürchte sie haben nichts verstanden ? natürlich würde ich 2'500fr von staat erhalten, nachdem mir vorher exakt derselbe betrag vom gehalt abgezogen wurde ! also bringt es mir null-und-gar-nichts. zusätzlich wird das über BGE besteuert und es werden abgaben für die sozialwerke abgezogen.

    • Massimo am 05.05.2016 21:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Patricia

      doch ihrem arbeitgeber und somit ihrem arbeitsplatz, der bleibt in zukunft um einiges sicherer. und wenn sie ihn verlieren sollten, was durchaus passieren kann, dann leben sie ohne demütigung mit rav, soz, ihre angestellten und dem papierkram der daraus entsteht weiter. überlege es dir gut, vorallem für die zukunft, die könnte auch bei dir fatal enden.

    • Patricia am 05.05.2016 22:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Massimo

      meinem arbeitgeber bringt es auch nichts, weil der darf ja die 2'500fr die er mir weniger bezahlt nicht einfach behalten, sondern er muss den vollen betrag in den BGE-topf einzahlen ! wenn ich jetzt 4000fr verdiene bekomme ich in zukunft: 2'500 BGE, die der arbeitgeber vorher für mich in den BGE-topf einbezahlt hat, plus 1'500 arbeitslohn. mein lohn als arbeitnehmer bleibt exakt gleich & die gesamtkosten für den arbeitgeber bleiben auch exakt gleich. also hat niemand etwas davon. ausser vielleich der staat wenn denn eine geldtransfersteuer eingeführt werden sollte ...

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