Schlupfloch

12. Mai 2016 11:46; Akt: 12.05.2016 11:46 Print

Schwarzgeld fliesst von der Schweiz in die USA

Die Genfer Privatbank UBP spürt die Sogwirkung der USA als Offshore-Paradies. Laut dem Bank-Chef fliesst unversteuertes Geld aus Lateinamerika von der Schweiz ab.

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Die Genfer Privatbank Union Bancaire Privée (UBP) sieht einen Abfluss von unversteuerten Kundengeldern aus Lateinamerika in Richtung USA. Schätzungen zufolge sollen einst über 1500 Milliarden Franken Schwarzgeld in der Schweiz gebunkert worden sein. Vom Schweizer Bankgeheinis hat auch die Schweizer Luxushotellerie profitiert. Im Bild: Das Beau Rivage Palace Hotel in Lausanne. Die Steuerhinterzieher reisten regelmässig in die Schweiz, um finanzielle Angelegenheiten zu klären, die telefonisch nicht hätten geregelt werden können. Laut dem Besitzer des Zürcher Hotels Baur au Lac hat die Schweizer Hotellerie lange Zeit eine wichtige deutsche und amerikanische Klientel gehabt, die gekommen ist, um ihre Bankgeschäfte zu regeln. «Die mit dem Ende des Bankgeheimnisses verlorenen Gäste sind ein massives Problem, nur traut sich fast niemand in der Branche, darüber zu sprechen», sagt Ernst Aeschi Wyrsch, Präsident von Hotellerie Suisse Graubünden und Verwaltungsratspräsident des Arosa Kulm Hotels. Ernst Wyrsch war einst Direktor des Davoser Luxushotels Steigenberger Belvédère, wo prominente WEF-Gäste nächtigen. Nicht nur Fünfsternehäuser an den Finanzplätzen haben spendable Gäste verloren, ... ... sondern auch die Nobelhotels in den Tourismusgebieten. Das Bankgeheimnis erhält noch mehr Löcher: 2018 wird die Schweiz den automatischen Informationsaustausch (AIA) in Steuersachen einführen. Im Bild: Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf. «An diesem Bankgeheimnis werdet ihr euch die Zähne ausbeissen», prognostizierte der damalige Bundesrat Hans-Rudolf Merz im Jahr 2008. Der Niedergang des Schweizer Bankgeheimnisses war auch eine Folge der liechtensteinischen Schwarzgeldaffäre: Ein Mitarbeiter des Liechtenstein Global Trust (LGT) verkaufte dem deutschen Bundesnachrichtendienst gestohlene DVDs mit Angaben zu Steuerhinterziehern.

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In der Schweiz wird es für ausländische Steuerhinterzieher wegen des bevorstehenden automatischen Informationsaustausches und der Rechtshilfeabkommen immer ungemütlicher. Das spüren auch die Privatbanken: «Wir sehen einen Abfluss von lateinamerikanischen Kundengeldern aus der Schweiz in die Vereinigten Staaten», sagt UBP-Chef Guy de Picciotto im Interview mit der «Handelszeitung». Zudem drängen viele Banken ihre Kunden, unversteuerte Gelder zu legalisieren.

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Der Hauptgrund für den Geldabfluss liegt laut de Picciotto im automatischen Informationsaustausch. Er zwinge Kunden zu regularisieren oder sich nach Alternativen umzuschauen, erklärt der UBP-Chef. Er gibt ein Beispiel: «Da der Informationsaustausch zwischen den USA und Brasilien inexistent ist, sehen die Kunden eine Gelegenheit, ihr undeklariertes Vermögen in den Vereinigten Staaten zu buchen.»

«Schlupfloch wird sich schliessen»

Der 56-jährige Genfer Bankier ist allerdings überzeugt, dass sich dieses Schlupfloch schliessen wird. «Ich bin mir sicher, dass auch die USA längerfristig einen gleichwertigen und gegenseitigen Informationsaustausch einführen werden.» Anfang Jahr hat sich UBP im Steuerstreit mit dem amerikanischen Justizministerium geeinigt und eine Busse in der Höhe von 188 Millionen Dollar bezahlt. Nach Abschluss des Steuerprogramms will die Bank nun ihr Beratungsgeschäft für US-Vermögen ausbauen. «Der nächste Schritt besteht darin, in den Vereinigten Staaten selbst Investment-Beratung anzubieten», sagt Guy de Picciotto.

Schätzungen zufolge sollen einst über 1500 Milliarden Franken Schwarzgeld in der Schweiz gebunkert worden sein. Der Broker Helvea ging in eine Studie von 2009 davon aus, dass rund 80 Prozent der aus der EU stammenden und in der Schweiz gebunkerten Vermögen nicht versteuert waren. Allein auf Deutschland entfielen 193 Milliarden, auf Italien 185 Milliarden und auf Grossbritannien 60 Milliarden.

(sas)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • PascalK2015 am 12.05.2016 11:59 Report Diesen Beitrag melden

    Bin wohl der einzige ders bemerkt!

    So so, jetzt sind die Amis doch nicht mehr die Guten. WAS FÜR EINE ÜBERRASCHUNG. Aber immer schön den Amis gehorchen. So wird alles besser, ja viel besser. Gebt den amis mehr Macht, am besten die ganze Welt. Und wir sind sorgenlos, alles in Butter und jeder hat sich und andere gern. Eine Famlilie.

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  • Realiste am 12.05.2016 11:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Staubsauger USA

    Die USA, bzw die dort ansässigen Finanzinstitute saugen weltweit im grossen Stil Gelder ab. Nicht umsonst werden andere Länder von den USA immer mehr unter Druck gesetzt und verklagt. Arme werden immer ärmer, der Mittelstand stirbt aus und Milliardäre gibt es immer mehr. Allen voran in den USA...

  • Nik Meier am 12.05.2016 12:13 Report Diesen Beitrag melden

    Wasser predigen

    und Wein saufen. Warum erstaunt mich das keine Sekunde bei den Amis. So kann er zwei Fliegen mit einer Klatsche erledigen. Kapital zu sich holen und die Konkurrenz schwächen. Ein strategischer Schachzug ohne Vergleich.

Die neusten Leser-Kommentare

  • A.S. am 19.05.2016 08:29 Report Diesen Beitrag melden

    Osterhasen und den Nikolaus gibt es.

    Hab ich richtig gelesen? Herr Picciotto ist davon überzeugt das die USA einen gleichwertigen und gegenseitigen Informationsaustausch einführen werden? Frage: Herr Picciotto hat der Osterhase dieses Jahr auch bei Ihnen vorbeigeschaut? Der glaubt ernsthaft das die USA ihre neue Errungenschaft, das US Bankgeheimnis, für uns preisgeben werden, nachdem sie unseres platt gemacht haben.

  • Gusti am 17.05.2016 08:53 Report Diesen Beitrag melden

    Na toll

    Es scheint als ob die Amis ihr Ziel erreicht hätten. Schwächend weg von Europa nach Amerika. Frage, wer klagt jetzt die Amis an? Man könnte wieder ein paar Milliarden an Bussgelder zurückzuführen!!!!

  • Bankenfreund am 14.05.2016 12:29 Report Diesen Beitrag melden

    Die Amis sind halt besser

    Interessant an diesem Beitrag ist, das die Bank scheinbar genau weiss, dass es sich um unversteuertes und / oder kriminelles Geld handelt. Wo bleibt da die Aufsicht? Um dieses billige und schädliche Geschäftsmodell ist es wirklich nicht schade, wenn es im Markt von halt noch schlaueren ausradiert wird.

  • Bruno Ledermann am 13.05.2016 14:28 Report Diesen Beitrag melden

    CDD Final Rule - 5.5.2016 Obama Speech

    Vielleicht bis letzte Woche. Jetzt gibt es CDD-Final Rule. Ende Party.

  • Sepp am 13.05.2016 12:37 Report Diesen Beitrag melden

    Gelobtes Land

    Ich habe mein Schwarzgeld schon vor Jahren in die USA gebracht, denn dort ist es sicherer als in der Schweiz , übrigens auch versteuertes.