Coronavirus

23. März 2020 13:14; Akt: 25.03.2020 07:37 Print

Arzt fordert Shutdown für die ganze Schweiz

Der Mediziner Adriano Aguzzi fordert einen Lockdown in der ganzen Schweiz: Nur so könne die Epidemie besiegt werden. Die Unia unterstützt diese Forderung.

Der Mediziner Adriano Aguzzi erklärt, warum alle zu Hause bleiben müssen.
Zum Thema
Fehler gesehen?

Wer die Massnahmen des Bundes nicht befolgt, muss bis Ende Monat schliessen. Das war die Idee des Tessin. Doch diese Regelung ist bundesrechtswidrig, wie das Bundesamt für Justiz in einer Medienkonferenz mitteilte.

Umfrage
Braucht es einen schweizweiten Shutdown?

Unverständlich für den Neuropathologen Adriano Aguzzi vom Universitätsspital Zürich. Er fordert nämlich einen Shutdown für die ganze Schweiz: Der wirtschaftliche Schaden sei viel grösser wenn 50'000 Leute sterben, als wenn alles kurz stillgelegt werde, schreibt der Mediziner auf Twitter.

Die Schweiz kann sich das leisten

Bereits am 13. März rief er online zu einem schweizweiten Lockdown auf: «Wenn wir alle Läden ausser Lebensmittel und Apotheken sofort schliessen und alle – ausser das medizinische Personal – zu Hause bleiben, ist die Krise in drei Monaten vorbei.» Die Schweiz sei sehr reich und könne es sich leisten, die Wirtschaft stillzulegen.

In China habe diese Massnahme dazu geführt, dass die Epidemie besiegt worden sei und die Industrie nun wieder anlaufe, schreibt Aguzzi. So wurden in China die wirtschaftlichen Aktivitäten im Januar stillgelegt. Ende Februar konnten viele Unternehmen ihre Aktivitäten wiederaufnehmen. Mitte März soll es dann zum ersten Mal keine neuen Ansteckungen innerhalb von China gegeben haben. Das teilte ders Gesundheitsausschuss der Regierung in Peking mit.

Arbeitgeber befolgen Anordnungen nicht

Auch die Unia unterstützt die Forderung nach einem gesamtschweizerischen Shutdown. «Die Arbeiten in nicht-essentielle Bereiche müssen eingestellt werden», schreibt die Gewerkschaft in einer Medienmitteilung. Denn viel zu viele Arbeitgeber würden den Anordnungen zum Gesundheitsschutz nicht Folge leisten.

Dabei wolle die Gewerkschaft möglichst viele Arbeitsplätze sichern: «Das machen wir, indem wir den Gesundheitsschutz der Arbeitnehmer sicherstellen. Ohne dies dauert es viel länger, bis wir aus der Krise rauskommen», sagt Unia-Präsidentin Vania Alleva gegenüber «Blick».

Kosten würden explodieren

Anders sieht das Ganze der Wirtschaftsverband Economiesuisse: «Bei einem schweizweiten Shutdown würden die Kosten explodieren», sagt Chefökonom Rudolf Minsch zu 20 Minuten. Würde die ganze Industrie lahmgelegt, würde auch irgendwann die Lebensmittelversorgung beeinträchtigt werden. «Schliesslich muss die Kasse in der Migros auch gewartet oder ersetzt werden können.»

Dass Unternehmen, die sich nicht an die Vorgaben des Bundes halten, vorübergehend schliessen müssen, unterstützt Minsch aber. Es gebe immer schwarze Schafe. Darum brauche es aber keinen Lockdown. «Solange man einkaufen gehen kann, besteht sowieso keine absolute Sicherheit», so Minsch. Es gebe immer ein kalkuliertes Risiko, genauso wie auf dem Bau und in der Industrie.

Den Vergleich mit China findet Minsch unzulässig: Das politische System in China sei ganz anders. Es werde von oben nach unten regiert. In der Schweiz liege die Verantwortung bei der Bevölkerung.

(bsc)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • CPR Experte am 23.03.2020 13:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    öl ins feuer!

    wieso bringt ihr den genau gleichen aufruf nun nochmals, obwohl man zwischenzeitlich massnahmen ergriffen hat? dies schürt nur ängste - zuerst soll man diese woche einmal abwarten und sehen,was dies massnahmen gebracht haben!

    einklappen einklappen
  • Damorand am 23.03.2020 13:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hold on!

    Es gibt auch renomierte Ärtze, die das für nicht nötig halten. Es wäre besser nicht jeder Person die eine Kamera hat gleich die gesamte Meinungsdichte ihrer Bevölkerungsgruppe zu zu schreiben! Es ist nicht immer die Lösung die beste, die der Eigenen Meinung entspricht. Man sieht ja was es in Italien bringt.

    einklappen einklappen
  • Herbert Nuk am 23.03.2020 13:18 Report Diesen Beitrag melden

    Zukunft

    Man kann es derzeit nicht sagen. Die Leute warten ab, welche reale Auswirkungen auf ihr Leben hat. Gibt es Tote in meiner Umgebung? Verliere ich meinen Job und bekomme ich einen Neuen? Verliere ich Geld? Bleibt die Versorgung (Strom, Wasser, Lebensmittel) für mich erhalten? Derzeit gehen viele davon aus, dass es jetzt eine kurze Auszeit von vielleicht 2 Monaten gibt. Und danach wird alles wieder hochgefahren und das Leben geht weiter wie vorher. Vielleicht ist das so. Vielleicht aber auch nicht.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sehnsucht 6 7 am 24.03.2020 05:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Angst sitzt uns im Nacken

    Shotdown hin oder her , ob das die richtige Wahl ist sieht man wenn diese Krise vorbei ist. Vielmehr ist es die Angst die uns beherrscht, die Angst weil man es nicht kennt und was am wichtigsten ist noch kein Impfstoff dafür bereit ist. Nur mal sich vorstellen wenn wir in Sachen Influenzavirus noch kein Impfstoff hätten . Ca 250000 bis 30000 infizierte alleine in der Schweiz bei ca 500 bis 800 Toten jährlich wir würden uns Zuhause verbarrikadieren und kein fuss vor dem Haus setzen . Wieso haben wir keine Angst vor dem Influenzavirus? Ganz einfach weil wir es kennen und ein Impfstoff vorhanden ist trotz der vielen Opfer die dieses Virus zum Opfer fallen und das notabene jährlich. Mir ist schon klar das jeder Virusstamm anders ist und möchte das Coronavirus absolut nicht verharmlosen aber es ist nun mal Tatsache das bis dato noch kein Impfstoff vorhanden ist und genau da liegt es rein psychologisch diese Angst die herrscht weil etwas da ist was wir nicht kontrollieren können. Darum ist diese Maßnahme vom Shotdown richtig aber nicht ausgedehnt auf alles. Ich denke so wie es der Bundesrat bestimmt hat reicht um die Eindämmung des Virus zu verlangsamen.

  • Mark Krad am 24.03.2020 04:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gesundheitswesen Schweiz

    Die Sparwut der bürgerlichen Parteien in den letzten Jahren, allen voran der Bonzenpartei FDP mit der über Leichen gehenden Präsidentin, rächt sich jetzt. Die Pandemie- Vorsorge wurde vernachlässigt. Regionale Spitäler kamen auf die Abschussliste. Viele verheiratete, ausgebildete Pflegerinnen von Alterheimen haben auf Grund der miserablen Löhne den Job an den Nagel gehängt. Nach der Pandemie muss unbedingt darüber nachgedacht werden, ob die heutige politische Konstellation in Parlament und Regierung noch den heute und zukünftigen Anforderungen gewachsen ist.

  • Bronko Lino am 24.03.2020 04:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein Beispiel an Tschechien nehmen

    In CZ feiern alle den Premierminister Babis... der lies schon anfangs Monat alles schliessen. Schulen, Büros, Baustellen und sogar die Grenzen.... keiner kommt rein, keiner raus. ALLE müssen mundschutz tragen, sonst gibt's Bussen in höhe eines Monatslohns. Firmen können Kredite aufnehmen, Zinsfrei. über 100 Milliarden wurden freigegeben. Hey Schweiz... du hast deine Chance verpennt... dir verreckt dein Volk vor den Augen... Hauptsache die Banken funktionieren.

    • Austriaco am 24.03.2020 04:42 Report Diesen Beitrag melden

      Und an Österreich

      Ja, und nach Österreich könnte man auch mal schauen. Dort wird der Zuwachs der Infektionen inzwischen langsamer (anstatt schneller). Und die Chinesen loben das österreichische Vorgehen. Die Österreicher machen halt Krisen-Management und nicht nur Krisen-Beobachtung.

    einklappen einklappen
  • gute ideh! am 24.03.2020 03:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Genial

    Genau, 3 wochen shotdown dan kommt 1 gastarbeiter und das spielchen fängt von vorne an. sehr gute Ideh! es führt kein weg an der zukünftigen Gruppen Immunität vorbei ( 50-70% infiziert)

  • Jürg Aus Sg am 24.03.2020 03:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Shutdown!

    Was gibt es noch abzuwarten? Einfach Shutdown machen un 2 Monate durch. Niemand verhungert dabei. Und das sage ich als Selbstständiger, der nur knapp über die Runden kommen könnte mit einem Shutdown. Es sterben zu viele Leute und viele neue Ansteckungen kommen dazu. Wir müssen Verantwortung für die Menschheit übernehmen. Wenn das durch ist, können wir auch wieder alles geben um die Wirtschaft anzukurbeln. Doch das geht nur mit voller Gesundheit.

    • Vitoria am 24.03.2020 04:17 Report Diesen Beitrag melden

      Nichts überstürzen

      Bitte bedenken Sie, im 2015 sind in der Schweiz 2500 Personen an der Grippe gestorben und Niemand hat das gross bewegt. Bislang haben wir 66 Tote wegen dem Corona-Virus. Ein Shutdown wird uns nicht vor einer Ansteckung bewahren, aber viel Schaden bringen. Und wer gibt Ihnen die Garantie, dass alles in 2 Monaten vorbei ist?

    • Konsequent am 24.03.2020 04:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Vitoria

      Wenn alle Grenzgänger reinkommen und die Wirtschaft vor einem Menschenleben steht, solange dauert diese Krise viel länger als in Chkna!

    • Igel am 24.03.2020 04:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Jürg Aus Sg

      Dan machen Sie das für sich alleine. Irgend jemand wird für Sie die Brötchen holen, wenn Sie die wollen. Bei mir niemand. Also für mich kein Shutdown. Oder glauben Sie, der Geneinderat geht für mich einkaufen. Und da gibt es noch solche ( Helden) wie kürzlich gelesen, das Geld nehmen und dann Abhauen. Von daher nein Danke.

    einklappen einklappen