Public Eye

15. September 2016 13:39; Akt: 15.09.2016 13:44 Print

Schweizer Ölfirmen wegen Dreck-Diesel am Pranger

von F. Lindegger - Public Eye wirft Schweizer Rohstoffhändlern vor, mit gesundheitsschädigenden Treibstoffen in Afrika ein lukratives Geschäft zu betreiben.

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Rohstoffhändler wie Vitol, Trafigura oder AOG, die ihren Sitz in der Schweiz haben oder zu einem grossen Teil von hier aus operieren, sollen gezielt lasche afrikanische Gesetze ausnutzen und dort für die Gesundheit besonders schädliches Dieselöl verkaufen. Die Firmen würden bewusst die Qualität der in Afrika vertriebenen Treibstoffe senken, um die eigenen Profite zu maximieren. So lauten die Vorwürfe, die die Nichtregierungsorganisation Public Eye (vormals Erklärung von Bern) in einem neuen Bericht publiziert hat.

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Sollen die Schweizer Behörden gegen die Praktiken der Rohstofffirmen vorgehen?
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Grundlage für die Kritik bilden eigene Untersuchungen von Public Eye. Die Organisation hat über einen längeren Zeitraum Treibstoffe an Tankstellen in insgesamt acht afrikanischen Ländern getestet. Zwei Drittel der Dieselproben hätten dabei Schwefelgehalte aufgewiesen, die 150-mal höher ausfielen als die in Europa erlaubten Werte. Zudem stellten sie laut eigenen Angaben andere gesundheitsschädigende Substanzen in Konzentrationen fest, die in Europa oder den USA verboten seien.

Hohe Luftverschmutzung

Die hohen Schwefelwerte in den Treibstoffen tragen zur Luftverschmutzung in immer weiter wachsenden afrikanischen Städten bei und gefährden so die Gesundheit der Bevölkerung. Laut Schätzungen der US-Umweltorganisation ICCT, die vor einem Jahr den VW-Abgasskandal ins Rollen brachte, wird im Jahr 2030 die durch den Verkehr verursachte Feinstaubbelastung in Afrika zu dreimal mehr Todesfällen führen als in Europa, den USA und Japan zusammen.

Auf rund 160 Seiten zeichnet der Bericht von Public Eye auf, wie die schmutzigen Treibstoffe an die afrikanischen Zapfsäulen gelangen. Die Rohstoffhändler sind dabei nicht nur im Handel, sondern auch beim Verkauf an die Endkunden involviert. Trafigura ist etwa mit 48 Prozent an der Firma Puma Energy beteiligt, die Tankstellen unter den Namen Pumangol, Puma oder UBI betreibt. Vitol gehören 40 Prozent an Vivo Energy, die an der Elfenbeinküste, Ghana, Mali oder Senegal hinter den Tankstellen von Shell steht. Auch der Ölhändler AOG betreibt mit Orxy eigene Tankstellen in verschiedenen afrikanischen Ländern.

Bericht ist «ungenau»

Gemäss Public Eye verarbeiteten die Konzerne die Raffinerieprodukte an Land oder auf hoher See, wobei sie auch Abfallprodukte aus der chemischen Industrie verwendeten. Teilweise würden die afrikanischen Treibstoffe auch in Europa produziert und anschliessend in die afrikanischen Staaten exportiert. Für die Ölhändler sei das lukrativ, da dem Benzin und Diesel billige Inhaltsstoffe beigemischt würden, die gemäss den afrikanischen Umweltstandards erlaubt, in Europa oder den USA aber verboten sind.

Die beschuldigten Firmen weisen die Vorwürfe zurück. Vitol erklärt, dass der Report von Public Eye «ungenau» sei. So kontrolliere das Unternehmen nicht die gesamte Lieferkette. Bis der Treibstoff an die Tankstelle gelange, würden verschiedene Produkte vermischt und Vitol könne die Qualität der verkauften Produkte nicht eigenständig bestimmen. Trafigura schreibt, dass die nationalen Regierungen die Grenzwerte festlegten und nicht von einzelnen Firmen verändert werden könnten. Man begrüsse aber die Bestrebungen, die Schwefelanteile in den Treibstoffen zu senken.

Mit diesem Video will Public Eye auf das Problem aufmerksam machen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ch. Müller am 15.09.2016 14:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Profitoptimierung ...

    ... auf Kosten der Ärmsten. leider nichts neues, geschieht seit Jahrzehnten! Echt verwerflich und traurig, auch da immer Schweizer Firmen daran beteiligt sind.

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  • Wie Geier am 15.09.2016 14:05 Report Diesen Beitrag melden

    Wir wurden gefragt.

    Mit deren Rohstoffen zu handeln gehörte eigentlich sowiso verboten. Ich geh' ja auch nicht in Nachbars Garten, ernte den gesammten Apfelbaum, verkaufe dann die Äpfel und das Geld behalte ich dann. Oder? Also bitte. Unter anderem auch WIR beuten ganze Länder bis aufs Letzte aus und dann fragt ihr euch weshalb alle flüchten? Wir hätten den Rohstoffhandel beenden können. Aber nein. Die GIER ist zu gross.

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  • Susi am 15.09.2016 15:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wir sind nicht an allem schuld

    Wieso immer so "Schweizer Firmen" betonen? Es sind ausländische Firmen mit Sitz in der Schweiz, ist ein Unterschied, zudem können die afrikanischen Staaten es selber verbieten, wenn sie wollen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • SSIO AON am 16.09.2016 19:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kapitalismus tötet. Manchmal.

    Das die Firmen den Gewinn nicht ablehnen ist ja wohl klar, jedoch können sie auch nichts dafür dass die Regulierungen tiefer sind als unsere. Soll man deshalb den ganzen Afrikanischen Markt aufgeben weil niemand mehr den teureren "sauberen" Treibstoff kauft? Da sind wir wieder beim Thema Konsument - Kaufverhalten, und die betreffenden Regierungen welche die Schadstoffgesetzte stellen und überwachen.

  • Stadex am 16.09.2016 18:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tut etwas!

    Die CH Behörden sollen den Afrikanischen Behörden unter die Ärme greiffen.

  • Mann aka Jeremy am 16.09.2016 17:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ....

    der Profit heiligt alle Mittel, ist bei den Bankstern, Treuhändler und anderen Gaunern die natürlich gegen keine Schweizer Gesetze verstossen schon immer so gewesen

    • Cartman1993 am 16.09.2016 19:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mann aka Jeremy

      Ist doch bei uns auch so, ansonsten würden wir keinen Steuerwettbewerb, Waffenexport und Handel mit Diktaturen zulassen.

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  • Hildi am 16.09.2016 13:38 Report Diesen Beitrag melden

    Vonwegen Gesetze und Schuld

    Berechtigen uns lasche Gesetze andernorts für unmenschliches und unethisches eigenes Handeln? Berechtigt es uns, deswegen anderen zu schaden? Rechtfertigt es einen Konsum und Förderung von Sklaven- und Kinderarbeit, von Zerstörung der Natur und Gefährdung anderer Menschen, die machtlos sind, oder sind wir schlussendlich nicht alle für unser Tun selbst verantwortlich und nicht eigene, noch fremde Gesetze???

  • FranzI am 16.09.2016 11:31 Report Diesen Beitrag melden

    Träumt weiter.

    Wer glaubt, dass in der Schweiz so etwas bestraft wird, der träumt. Dies wird in einem Jahr noch genau so sein und noch lange danach. Zuerst kommt in der Schweiz nämlich das Interesse an Geld, dann wieder das Geld und dann nochmals das Geld. Etwas anderes kommt nie, nicht mal zuletzt. Deswegen sind solche Firmen hier, die fühlen sich hier ganz wohl, egal was diese anderswo für Schäden verursachen. So gesehen ist der schuldigste daran, die Schweiz.

    • Cartman1993 am 16.09.2016 18:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @FranzI

      wieso sollten wir in der Schweiz jemanden verfolgen, der zwar eine Straftat in einem anderen Land begangen hat gegen den aber kein internationaler Haftbefehl oder ein Antrag von aussen vorliegt?

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