Weniger Verkäufe

25. September 2015 05:54; Akt: 25.09.2015 09:23 Print

Schweizer Autohändler leiden unter VW-Skandal

von V. Blank - In Schweizer Autogaragen geht die Angst um, dass die VW-Verkäufe wegen des Abgas-Skandals einbrechen. Händler sind wütend auf den deutschen Konzern.

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Der Abgas-Skandal erschüttert den Volkswagen-Konzern in seinen Grundfesten. Schweizer Autohändler stimmt das pessimistisch, wie eine Anfrage von 20 Minuten bei verschiedenen Schweizer Autogaragen zeigt. Die Turbulenzen rund um VW dürften sich in Zukunft negativ auf die Verkäufe in der Schweiz auswirken, sagen Verkäufer. Der Fall sei «ganz, ganz schlecht» für VW-Vertreter, sagt G.L.*, ein erfahrener VW-Verkäufer einer Zürcher Garage. «Die Verkaufsgespräche werden in Zukunft definitiv schwieriger.»

Besonders gravierend sei, dass das Vertrauen der Kunden durch die Manipulation missbraucht worden sei. Seit Bekanntwerden des Skandals seien die Schweizer Kunden stark verunsichert. «Jetzt müssen die Garagen für etwas geradestehen, das sie nicht selber verschuldet haben, und wir Verkäufer müssen uns Fragen stellen, deren Antworten wir auch nicht wissen.»

Ähnlich frustriert äussert sich J.K.*, der in einer VW-Garage im Kanton Bern im Verkauf arbeitet. «Ich muss gegenüber den Kunden Fehler rechtfertigen, für die unsere Garage gar nichts kann.» Diese Woche seien viele Kunden mit Fragen rund um die Abgas-Manipulation auf ihn zugegangen, einige von ihnen sehr verärgert. «Sie wollen wissen: Warum ist das passiert? Welche Autos sind betroffen?», so K. Der VW-Verkäufer rechnet damit, dass sich der Skandal noch lange negativ auf die Kundennachfrage niederschlagen wird. «Ein Image aufzubauen geht lange – es zu zerstören geht aber schnell.»

«Nicht gerade verkaufsfördernd»

Auf Antworten wartet auch Andreas Burgener, Direktor von Auto Schweiz. Es seien noch zu wenig Fakten auf dem Tisch, um die Auswirkungen des Abgas-Skandals auf die Schweizer Konsumenten abzuschätzen. Dass sich die Autokäufer nach Klarheit sehnen, verstehe er – genauso wie die Sorgen der Schweizer Garagisten, die um ihre Verkäufe bangen. «Ein Skandal von dieser Grössenordnung ist nicht gerade verkaufsfördernd.»

In der Schweiz verbreiten sich Autos mit Dieselmotor immer stärker. Im Jahr 2013 waren erstmals mehr als eine Million dieselbetriebene Schweizer Fahrzeuge auf den hiesigen Strassen unterwegs. Die Dieselfahrzeuge machen mittlerweile 25,6 Prozent der schweizerischen Personenwagenflotte aus. Im Jahr 2000 hatte ihr Anteil erst 4 Prozent betragen.

Drastischer Rückgang in Deutschland

In den USA hat VW den Verkauf der vom Skandal betroffenen Dieselautos gestoppt. Doch nicht nur in den USA hat die Manipulation von Abgaswerten harte Konsequenzen für den deutschen Autobauer. Wie die «Welt» berichtet, ist die Nachfrage in Deutschland nach Wagen mit Diesel-Motorisierung von VW deutlich eingebrochen.

Der Anteil von verkauften VWs mit Dieselmotoren lag in diesem Jahr bei knapp 40 Prozent, heisst es im Bericht unter Berufung auf Zahlen des Neuwagenvermittlers MeinAuto.de. Dieser Wert sank seit Anfang Woche auf knapp 28 Prozent – ein Nachfragerückgang von rund einem Drittel.

*Namen der Redaktion bekannt

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Roland am 25.09.2015 06:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geht das so schnell ?!?!

    ...bereits nach wenigen Tagen nach dieser Nachricht, kann man deutlich spüren, dass weniger Autos verkauft wurden? Wow

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  • Melk M. am 25.09.2015 06:30 Report Diesen Beitrag melden

    Präventivklönen

    ..nach einer Woche "leiden" schon die Autohändler.. ist ja klar.. denn wir sind in der Schweiz, wo erst mal gejammert wird..

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  • Cogito ergo sum am 25.09.2015 06:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht die einzigen

    Wer ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein. Sicher ist es nicht richtig was VW hier verbrochen hat. Ina vielen anderen Produkten gibt es Soll-Bruchstellen, damit möglichst schnell Ersatz beschafft werden muss. Dies belastet die Umwelt genauso.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • KRalph am 27.09.2015 21:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Durch diese Abgasse muss er kommen

    in Zukunft einfach keine VW Marke mehr kaufen. Basta!

  • Harald Weiland am 26.09.2015 22:04 Report Diesen Beitrag melden

    VW technisch unterlegen

    Kann aus eigener Erfahrung nur sagen, kauft Opel oder wenn ihrs besser wollt BMW, beide sind technisch dem Rest in Deutschland weit überlegen im Verhältnis zum Preis.

  • Peter Schuhmacher am 26.09.2015 16:49 Report Diesen Beitrag melden

    Sonderangebot

    Um den Markt wieder aufzubauen gibt es nächste Woche Audi, VW, Skoda und Seat bei Aldi und Lidl im Angebot. Da gehören die auch hin ! Kauft BMW und Mercedes :D

  • P.Kaepeler am 26.09.2015 11:30 Report Diesen Beitrag melden

    Wer zuletzt lacht, lacht am Besten

    Die bisherigen Käufer (die angesprochen Modelle) sind z.T. hinters Licht geführt worden. Die neuen Modelle müssen jetzt warten bis sie frei gegeben werden (Bravo Astra). Die Preise werden für Neuwagen sicher purzeln (Lagerbestand) und dann kann ich für einen guten Preis einen Tiguan Diesel kaufen, hoffentlich.

  • Desire am 26.09.2015 09:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Viel Hui innen Pfui

    Ihr glaubt doch nicht im Ernst, dass das die einzigste Automarke war mit dem Abgasskandal?! Ich denke da werden noch mehr dazu kommen... Heutzutage wird doch überall getrickst und gespart. Egal ob Autos, Lebensmittel usw...