Erdbeben in Japan

16. März 2011 13:06; Akt: 16.03.2011 13:38 Print

Schweizer Autozulieferer atmen auf

von Elisabeth Rizzi - Die Schweizer Autoteilehersteller könnten von den Produktionsstopps und dem drohendem Einbruch des Automarkts Japan sogar profitieren.

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Auch für die Automobilindustrie in Japan ist das Erdbeben von vergangener Woche eine Katastrophe. (Bild: Keystone)

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Der japanische Automobilmarkt wurde schwer von der Erdbeben-Katastrophe getroffen. Die Fliessbänder stehen still. Erst am Donnerstag will der japanische Autobauer Toyota wieder Teile seiner Produktion in Japan aufnehmen.

Im schlimmsten Fall rechnet der Duisburger Automobilprofessor Ferdinand Dudenhöffer in Japan mit einem Produktionsrückgang von 1,6 Millionen Fahrzeugen. Das entspricht in etwa einem Schaden von 25 Milliarden Euro für die japanische Automobilindustrie. Im besten Fall rechnet er mit einem Umsatzminus von 15 Prozent oder einem Minus von 8 Milliarden Euro. 600 000 Fahrzeuge weniger als geplant würden dann auf den Markt kommen.

Kaum Produktionen in Japan

Das klingt dramatisch für die Autozulieferindustrie. Die Branche wurde in der Finanzkrise arg durchgeschüttelt und hat sich eben erst wieder aufgerappelt. Immerhin: Die Schweizer Zulieferer könnten glimpflich davonkommen. «Die direkten Umsätze der Autozulieferer in Japan sind gering. Ausser Feintool besitzt auch keine der grossen Schweizer Firmen eine Produktion auf der Insel», erklärt Vontobel-Analyst Fabian Häcki. Tatsächlich bewege sich der direkte in Japan erwirtschaftete Umsatzanteil der Branche im einstelligen Prozentbereich. «Und weil die Auftragsbücher der Schweizer schon für Monate im Voraus voll sind, werden allfällige indirekte Folgen auch eher im zweiten Halbjahr sichtbar sein», sagt er.

ZKB-Analyst Armin Rechberger glaubt sogar, dass die Schweizer Autozulieferer im Endeffekt profitieren könnten. «Ihre Lieferungen in Länder abgesehen von Japan sind bedeutender. Es kann durchaus sein, dass hier wegen der aktuellen Produktionsschwierigkeiten in Japan die Produktionskapazitäten erhöht werden. Das würde auch für die Schweizer einen grösseren Absatz bedeuten», glaubt er. Will heissen: Weil die Produktionsstätten der japanischen Autobauer auf der Insel beschädigt sind und die Stromversorgung verknappt, könnten die japanischen Autobauer einen Teil ihrer Produktion ins Ausland verlagern. Auch Dudenhöffer rechnet mit diesem Schachzug.

Frage: langfristige Folgen?

Nach anfänglicher Unsicherheit geben sich die Schweizer Autozulieferer denn inzwischen auch optimistisch. «Kurzfristig ist nur ein kleiner indirekter Einfluss zu erwarten. Denn der von Komax in Japan generierte Umsatz ist unwesentlich», so Komax-Sprecher Marco Knuchel. Tatsächlich kommen beim Autozulieferer rund 80 Prozent der Erträge aus den USA und Europa. Der Kabelspezialist kam nach einem Verlustjahr erst im Herbst wieder in die Gewinnzone.

Auch bei Rieter rechnet man nicht mit einem direkten Einbruch. Der Konzern liefert Wärme- und Schalldämmungen für Autos und war im Geschäftsjahr 2009 in tiefrote Zahlen gerutscht. «Wir sind nicht in Japan für japanische Autobauer tätig. Wir sind nur in den USA, Europa und China tätig und rechnen deshalb nicht mit einem direkten Einbruch unserer Umsätze», bestätigt Sprecher Peter Graedel. Gleich klingt es bei Georg Fischer, der Gussteile für die Automobilindustrie produziert und im Jahr 2009 noch einen Reinverlust von 238 Millionen Franken einfuhr.

Selbst bei Feintool – dem einzigen grossen Schweizer Autozulieferer, der in Japan produziert – ist keine Panik zu spüren. 10 Prozent des Konzernumsatzes gehen nach Japan. «Aber momentan produzieren unsere Werke. Bis dato ist der Einfluss der Katastrophe auf unser Geschäft unbedeutend», sagt Sprecherin Karin Labhart.

Anders sieht es allerdings aus mit den potenziellen langfristigen Folgen. Hier wagen weder die Analysten noch die Firmen eine Schätzung. Aus den USA lässt derweil General Motors (GM) verlauten, die Naturkatastrophe in Asien werde sich auf alle Autobauer auswirken. Es sei nicht ausgeschlossen, dass bei GM die Produktion in den USA darunter leide und es auch zu möglichen Nachwirkungen bei den Unternehmensaktivitäten in China komme.