Fall Madoff

07. Dezember 2010 07:01; Akt: 07.12.2010 15:55 Print

Schweizer Bank entschädigt Madoff-Opfer

Eine Schweizer Privatbank will den Betrugsopfern von Bernard Madoff offenbar bis zu 500 Millionen Dollar zahlen.

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Bernard Madoff gesteht seinen Söhnen, die in der gleichen Firma arbeiten, den Betrug. Den Schaden beziffert der 70-Jährige mit rund 50 Mrd. Dollar. Übrig seien 200 bis 300 Mio. Dollar, die er an Mitarbeiter, Verwandte und Freunde verteilen will. Seine Söhne verständigen die Behörden. Noch in der Nacht nehmen Beamte Madoff in seinem New Yorker Appartement fest. Der Ex-Broker kommt unter anderem gegen eine 10-Millionen-Dollar-Kaution auf freien Fuss. Fahnder finden rund 100 bereits unterzeichnete Schecks über mehr als 173 Mio. Dollar. Erste Opfer werden bekannt: In Europa zählen dazu die spanische Banco Santander, die österreichische Bank Medici, die Genfer UBP und die britische HSBC. Unter den Kunden sind zudem viele Prominente wie Starregisseur Steven Spielberg. Stiftungen und Hilfsorganisationen verlieren Millionen. Die US-Börsenaufsicht SEC räumt schwere Versäumnisse ein. Mehreren einschlägigen Hinweisen zu dem Betrug sei über Jahre hinweg nicht ausreichend nachgegangen worden. Auch nach einer richterlichen Überprüfung muss Madoff nicht in Untersuchungshaft. Er steht nun aber in seiner Nobel-Wohnung unter Hausarrest mit einer elektronischen Fussfessel zur Überwachung. Der 65 Jahre alte französische Finanzmanager Thierry Magon de La Villehuchet nimmt sich nach einem Milliardenverlust durch Madoff in seinem New Yorker Büro das Leben. Die US-Behörden decken immer mehr ähnlich gestrickte Betrugsfälle auf - wenn auch in deutlich kleinerem Ausmass. Der Staatsanwalt beschuldigt Madoff der Verletzung von Kautionsauflagen. Er habe Juwelen, Luxusuhren etc. im Wert von über einer Million Dollar Freunden zu Weihnachten verschickt. Der Tipp an die Ermittler kam erneut von den Söhnen. Madoff muss trotz der Verstösse nicht in U-Haft, entscheidet ein Richter. Die US-Öffentlichkeit ist empört. Die Frist zur Anklage durch die Staatsanwaltschaft wird erneut verschoben. Zugleich wird bekannt, dass Madoffs Frau Ruth 15,5 Mio. Dollar kurz vor Auffliegen des Betrugs von einer mit Madoff verbundenen Firma abgezogen hat, davon allein 10 Mio. Dollar nur einen Tag vor seiner Festnahme. Die Staatsanwaltschaft legt die Anklage vor. Für die elf Punkte drohen insgesamt bis zu 150 Jahre Haft. Madoffs Anwalt sagt, sein Mandant werde sich schuldig bekennen. Zu Beginn des Gerichtsprozesses bekennt sich der Milliardenbetrüger in allen elf Anklagepunkten schuldig. Der Finanzschwindler Madoff wird wegen milliardenschwerer Betrügereien zur Höchststrafe von 150 Jahren Haft verurteilt. Nach dem Urteil applaudieren die Opfer im New Yorker Gerichtssaal. Die US-Behörden haben das Luxus-Penthouse der Madoffs beschlagnahmt. Ehefrau Ruth musste die sieben Millionen Dollar teure Wohnung in Manhattan räumen und ihr persönliches Eigentum zurücklassen. Ein vom Gericht beauftragter Treuhänder hat ab August 2009 die Aufgabe,... ... Madoffs Besitz zu veräussern. Die Sachen stehen im Strandhaus der Madoffs. Das Haus steht... ... am Strand von Montauk, NY. Mehr Fotos davon gibts

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Die Genfer Privatbank Union Bancaire Privée (UBP) wird ihre Kunden, die Opfer des Milliardenbetrügers Bernard Madoff wurden, entschädigen. Irving Picard, der Sachverwalter von Madoffs insolventer Investitionsgesellschaft, gab am Montagabend in New York bekannt, mit der UBP einen Vergleich abgeschlossen zu haben.

Gemäss Picard beläuft sich die getroffene Vereinbarung auf eine Summe von bis zu 500 Mio. Dollar. Der Vergleich muss noch gerichtlich genehmigt werden.

Die UBP liess in einer Stellungnahme verlauten, sie habe der Vereinbarung zugestimmt, um ihre Kunden zu schützen. Sie sei nicht zu Entschädigungen verpflichtet, wolle jedoch «dieses Kapitel endgültig schliessen». Gegen die Privatbank war 2009 in New York eine Kollektivklage eingereicht worden.

UBP-Kunden hatten über einen Fonds der Bank Geld bei Madoff angelegt. Im vergangenen Jahr boten die Genfer ihren Kunden eine Teilentschädigung für die Verluste an.

Auf der Suche nach 36 Mrd. Dollar

Picard bezeichnete die Vereinbarung mit der UBP als grösste bisher erzielte Einigung mit einer der Banken, die für Madoffs Unternehmen Kapital aufbrachten. Zudem sei es die erste Vereinbarung mit einer Bank im Ausland. Für den Sachverwalter handelt es sich deshalb um einen Meilenstein bei den Bemühungen, die ertrogenen Anlagegelder wieder zurückzuerlangen.

Als Sachverwalter versucht Picard, für die geprellten Investoren Geld wiederzubeschaffen. Einschliesslich der UBP-Zahlung konnte er bislang 2 Mrd. Dollar wiederbeschaffen. Insgesamt ist er weltweit auf der Suche nach 36 Mrd. Dollar, die im Schneeballsystem von Madoff verloren gingen.

Madoff selbst wurde vergangenes Jahr wegen Betrugs zu 150 Jahren Haft verurteilt. Nach Überzeugung der Richter hat er Anleger um insgesamt 65 Mrd. Dollar betrogen.

Banken im Visier

Picard wirft im Zusammenhang mit Madoff verschiedenen Banken vor, sie hätten dessen betrügerische Vorgehensweise gekannt oder kennen müssen. Zuletzt reichte der Treuhänder deshalb eine Klage über 9 Mrd. Dollar gegen die britische Grossbank HSBC ein. Ausserdem fordert er von JPMorgan Chase 6,4 Mrd. Dollar und von der Schweizer Grossbank UBS 2 Mrd. Dollar.

Die Banken weisen die Vorwürfe allerdings zurück. Die UBS liess am Dienstag auf Anfrage verlauten, die Behauptungen des Konkursverwalters würden jeder Grundlage entbehren. Man werde deshalb die notwendigen Massnahmen einleiten, um zu zeigen, dass die aufgestellten Behauptungen von Picard falsch und unbegründet seien.

Die UBS betonte zudem, dass ihr Fonds, der in Madoffs Gesellschaft investiert hatte, auf ausdrücklichen Wunsch von Kunden aufgesetzt worden sei und die Bank daher keine Verantwortung gegenüber diesen Kunden trage.

(sda)